Hooligans-Prozess: Anwälte loben Richter / Werder vom Ausgang enttäuscht

Geldstrafen für Überfall

Die Richter Hans Ahlers (r.) und Nikolaus Theis sowie die Schöffen (links und rechts). Das Bremer Amtsgericht verurteilte die Angeklagten gestern im so genannten Hooligans-Prozess zu Geldstrafen. · Foto: Bahlo

Bremen - So viel Lob ist die Bremer Justiz nicht gewohnt. „Ein Kompliment“ bekam Amtsrichter Hans Ahlers gestern im Plädoyer des ersten Anwalts, seine „stringente“, unbeugsame Haltung „gegenüber Demos und öffentlicher Kritik“ pries der nächste, ein leuchtendes Beispiel für die „unabhängige Justiz“ nannte ihn der dritte.

Die Schmeicheleien standen am Ende eines Prozesses (wir berichteten) gegen sieben Hooligans aus der Neonazi-Szene, die 2007 eine linke Werder-Fangruppe bei einer Feier im Ostkurvensaal des Weserstadions überfallen hatten. 40 Gäste wurden verletzt, zwei mussten ins Krankenhaus. Das Verfahren lag viereinhalb Jahre bei der Bremer Staatsanwaltschaft, der Prozess endete gestern nach zwei Verhandlungstagen.

Fünf der überwiegend geständigen Angeklagten, die teilweise bis zu zwölf Vorstrafen haben, müssen Geldstrafen zwischen 500 und 1 300 Euro bezahlen. Einen Eintrag ins Führungszeugnis bekommen sie nicht. Bei zwei Angeklagten, die bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, wurden die Geldstrafen zur Bewährung ausgesetzt. „Vollkommen angemessen“, nannte dies einer ihrer Verteidiger.

Das sahen in der Stadt nicht alle so. Beim ersten Prozesstermin hatte Richter Ahlers eine „Verständigung angeregt“: Die Angeklagten räumen die Vorwürfe ein, das Verfahren wird ohne Beweisaufnahme beendet, die Strafen fallen – in erster Linie wegen der „rechtsstaatswidrig langen“ Verfahrensdauer – milde aus.

Der Vorschlag hatte einige Gemüter kochen lassen: 800 Menschen demonstrierten am Mittwoch gegen die Verfahrensführung (wir berichteten). Im Vorfeld des Prozesses hatten Zeugen erklärt, sie seien von rechten Hooligans bedroht worden. Am ersten Prozesstag wurden Zuschauer im Gericht angepöbelt. Linke und Grüne in der Bürgerschaft empörten sich so über das Verfahren, dass die Vorsitzende des Vereins Bremischer Richter und Staatsanwälte dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Matthias Güldner, vorwarf, die Gewaltenteilung zu missachten.

Anwalt Matthias Koch sagte gestern, was Medien bei ihrer „ungeheuerlichen Berichterstattung“ über den Prozess „gefordert“ hätten, sei mit dem Dritten Reich vergleichbar: „Da gab es keine Verteidiger, aber willfährige Richter.“ Die anwesenden Journalisten warnte er: Wenn auch nur eine „Falschinformation“ über ihn verbreitet werde, würde er „sich zu wehren wissen“.

Die „Unschuldsvermutung“ sei in der Berichterstattung „zu kurzgekommen“, das Verfahren habe „eine Prangerwirkung“ gehabt, sagte Richter Ahlers. Deshalb gestatte er den Angeklagten, entgegen sonstiger Gepflogenheiten den Gerichtssaal erst zu betreten, nachdem Wachmänner die Fotografen und Kameraleute herausgebeten hatten.

Werder zeigte sich in einer Stellungnahme vom Ausgang des Prozesses enttäuscht. Präsident Klaus-Dieter Fischer kündigte an, dass Werder nun die bereits unmittelbar nach der Tat angekündigten Stadionverbote umsetzen werde, sobald die Staatsanwaltschaft zustellungsfähige Adressen der Verurteilten zugänglich gemacht habe. · cj/gn

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