Im Schwung der Gründerzeit

Geld für den Außenhandel: 150 Jahre Deutsche Bank in Bremen

Die Fassade der Bremer Filiale der Deutschen Bank am Domshof – ein repräsentatives Bauwerk der blühenden Gründerzeit, errichtet aus markant rotem Maintalsandstein und bezogen am 28. Dezember 1891.
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Die Fassade der Bremer Filiale der Deutschen Bank am Domshof – ein repräsentatives Bauwerk der blühenden Gründerzeit, errichtet aus markant rotem Maintalsandstein und bezogen am 28. Dezember 1891.

Bremen – Vor 150 Jahren, 1871 also, hat die Deutsche Bank in Bremen ihre erste Filiale überhaupt eröffnet. Die Bank selbst war erst im Jahr zuvor in Berlin gegründet worden – übrigens auch mit bremischer Beteiligung. 150 Jahre Präsenz an der Weser, dazu hat die Bank jetzt ein Buch herausgebracht, das im Bremer Schünemann-Verlag erschienen ist.

Der Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 unter preußischer Führung, die Reichsgründung, der Kaiser – es waren Jahre der nationalen Euphorie und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Gründerzeit begann, die Städte wuchsen, mit der Industrialisierung ging es jetzt auch – verspätet, aber nun mit Schwung – in Deutschland voran. In diese Zeit und in den Geist dieser Zeit fallen die Gründung der Deutschen Bank und die Eröffnung ihrer ersten Filiale.

Warum aber Bremen? Was aus der Perspektive von heute verwunderlich erscheinen mag, wirkte zu Kaisers Zeiten vollkommen folgerichtig. „Bremen war damals als Handelsstandort irre wichtig“, sagt Ludwig Blomeyer, Sprecher der Geschäftsleitung der Deutschen Bank Bremen. Die Finanzierung des deutschen Außenhandels – zu diesem Zweck war die Deutsche Bank gegründet worden. Die Unternehmer des aufstrebenden Lands wollten sich nicht mehr abhängig machen von den in der Handelsfinanzierung führenden Londoner Banken. Sie wollten günstiger und einfacher an Geld kommen.

Bremer beteiligen sich am Gründungskapital

Bremen galt in jenen Tagen als wichtigster deutscher Außenhandelsstandort. Schon an der Gründung der Deutschen Bank – sprich: am Gründungskapital – hatten sich 1870 drei einflussreiche Bremer Kaufleute, die über reichlich Erfahrung im Übersee-Geschäft verfügten, beteiligt: George Albrecht, Hermann Henrich Meier und Alexander Georg Mosle. Die drei Bremer Aktionäre zählten dann auch zu den 24 Mitgliedern des Verwaltungsrats.

Die Annonce zur Filialeröffnung 1871.

George Albrecht – übrigens der Ur-Urgroßvater der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen – leitete eine Reederei, die auch im Wollhandel aktiv war, und engagierte sich in der Bremer Textilindustrie. Albrecht war seit 1864 mit einer Tochter des Bremer „Textilbarons“ Ludwig Knoop verheiratet, der durch den Aufbau der russischen Textilindustrie (nach englischem Muster) zu einem der reichsten Unternehmer des 19. Jahrhunderts geworden war. Bald nach der Eröffnung wurde der Großkaufmann Knoop zum größten Kunden der Bremer Filiale der Deutschen Bank. Im Buch ist ihm ein Extra-Kapitel gewidmet,

Hermann Henrich Meier war Gründer des Norddeutschen Lloyd (NDL). Die Reederei trug Bremens Namen buchstäblich um die Welt. Alexander Georg Mosle pflegte intensive Handelsbeziehungen zu Lateinamerika, insbesondere Brasilien. Die drei Bremer Verwaltungsräte der Deutschen Bank waren nicht allein als Investoren wichtig für das Haus, sondern – eben über die Bremer Filiale – auch als Kunden.

Baumwolle, Tabak, Kaffee – alles über Bremen

Bremen war in jenen Tagen ohnehin ein bedeutender Umschlagplatz für Baumwolle, Tabak und Kaffee. An der Weser liefen viele Geschäfte des internationalen Warenverkehrs zusammen – und mussten finanziert werden. Zum Handel kam die Industrialisierung, die Bremen wachsen ließ. So richtig in Schwung kam die Sache hier, nachdem Bremen ab 1888 nicht mehr durch (Industrieprodukte verteuernde) Zollschranken vom Rest des Kaiserreichs getrennt war.

Die Kundenhalle am Domshof um 1918.

Entsprechend gut lief es in den Jahren der Gründerzeit für die Bremer Deutsche-Bank-Filiale, die in vergleichsweise kleinen Räumen an der Katharinenstraße 6 zu finden war. Etwas Größeres musste her. Die Wahl fiel auf den repräsentativeren Domshof, wo die Bremer Filiale die Grundstücke Nummer 22 bis 25 erwarb. Die Häuser wurden abgerissen. Am 28. Dezember 1891 bezog die Bremer Filiale der Deutschen Bank ihr neues Domizil, errichtet aus markant rotem Maintalsandstein.

Dort sitzt die Bank noch heute, in den Zeiten der Digitalisierung – und ohne Großkunden wie Baron Knoop. Aber mit 150 Mitarbeitern und mit bedeutenden Industrie- sowie vermögenden Privatkunden, wie Blomeyer betont. „Bremen bleibt ein wichtiger Standort.“ Von hier aus betreut die Deutsche Bank ein Marktgebiet, das zwischen Weser und Ems knapp 200 000 Kunden umfasst, davon 64 000 in Bremen und Bremerhaven.

„Fortschrittlich aus Tradition – 150 Jahre Deutsche Bank in Bremen“. Schünemann-Verlag, 110 Seiten, Preis: 24,90 Euro.

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