Auf der Fachkonferenz „Waste to energy“ geht es um Abfallsammelsysteme der Zukunft

Gelbe Säcke sind Auslaufmodelle

Rund 1 500 internationale Besucher informieren sich auf der Fachmesse „Waste to energy“ in Bremen.

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · Für die Experten steht fest: Abfall ist ein „nachwachsender“ Rohstoff. Und eine alternative Energiequelle. Dem Themenkomplex widmet sich die zweitägige internationale Fachmesse und -konferenz „Waste to energy“ mit 1 500 Besuchern sowie 94 Ausstellern aus acht Nationen in Messehalle 5 auf der Bremer Bürgerweide.

Auf der „Waste to energy“ geht es unter anderem um neue Wege zur effizienten Verwertung unterschiedlicher Abfallströme. Übersetzt mag das heißen: Duales System, Gelber Sack und Gelbe Tonne sind Auslaufmodelle. „Die Sammel- und Erfassungssysteme müssen an der optimalen Gewinnung von Rohstoffen und Ausgangsstoffen für die Brennstoffproduktion ausgerichtet sein“, sagt beispielsweise Gerd Mehler, Geschäftsführer der MTR Main-Taunus-Recycling GmbH. Und weiter: „Dabei darf keine Rolle spielen, ob auf einer Verpackung ein grüner Punkt oder ein anderes Label aufgedruckt ist.“ Aus ökologischer Sicht ist Plastik nun einmal Plastik.

Mehler sieht ein Drei-Tonnen-Modell als Sammelsystem der Abfallzukunft. Altpapier landet demnach auch weiterhin in der blauen Altpapiertonne, biogene Stoffe in einer „nassen“ Tonne (Biotonne) und der Rest in einer „trockenen Wertstofftonne“. Für die weitere Mülltrennung sorgen dann geeignete Sortieranlagen, die unter anderem Stör- und Schadstoffe hinausfiltern. Im Entwurf zu einem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz hat das Modell bereits seinen Platz gefunden. 2015/2016 könnte der Entwurf in die Praxis umgesetzt werden, ergänzt Mehler auf Nachfrage.

Zurück in die Gegenwart: Großbritannien ist Partnerland der aktuellen Fachmesse. Das Vereinigte Königreich hat Nachholbedarf in Sachen Abfallverwertung. Das Umweltministerium will Engländer, Schotten, Waliser und Nordiren mit einem Mix aus Deponiesteuern, Gebühren sowie finanziellen Anreizen auf Kurs bringen. Für die Recyclingbranche jedenfalls ist Großbritannien „einer der attraktiven Wachstumsmärkte“, sagt Dr. Ines Freesen vom Düsseldorfer Unternehmen „Freesen & Partner“, das die „Waste to energy“ gemeinsam mit der Messe Bremen ausrichtet. Und in diesem Markt wollen auch die deutschen Unternehmen eine gewichtige Rolle spielen. Kontaktpflege ist auf der Fachmesse angesagt. Weichen für lukrative Aufträge sollen gestellt werden.

In Großbritannien liegt die Verwertungsquote derzeit bei 50 Prozent, fährt Freese fort. Die Hälfte aller so genannten Siedlungsabfälle landet also auf Deponien. In Deutschland liegt die Verwertungsquote hingegen bei 75 Prozent. „Das ist konkurrenzlos gut“, sagt Freesen. Allenfalls die skandinavischen Länder und die Niederlande seien in Reichweite. Die südeuropäischen Länder hingegen trotten weit hinterher. „Das sind keine Helden in Sachen Müllverwertung.“ Und in den Vereinigten Staaten landen über 60 Prozent der Abfälle auf Deponien, „weil gesetzliche Anreize fehlen“.

Die Messeorganisatoren haben derweil die Weichen für die Zukunft gestellt. Die nächste Auflage der „Waste to energy“ findet 2011 in Bremen statt – drei Tage lang, vom 17. bis 19. Mai. Danach wechselt die Fachmesse in einen Zwei-Jahres-Rhythmus.

WWW.

wte-expo.de

messe-bremen.de

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