Geist statt Geiz: Familien-Show

„Die Bremer Weihnachtsgeschichte“ feiert im Spiegelzelttheater Premiere

Engel über Bremen – von links gesehen: Gunda (Hanna Riehm), Zachäus (Aniello Saggiomo) und Victoria (Saskia Dreyer) bei einem himmlischen Auftritt im Spiegelzelttheater.
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Engel über Bremen – von links gesehen: Gunda (Hanna Riehm), Zachäus (Aniello Saggiomo) und Victoria (Saskia Dreyer) bei einem himmlischen Auftritt im Spiegelzelttheater.

Bremen – Aus der Bahnhofswelt in die verzauberte Weihnachtswelt – auf der Wiese vor dem Bremer Übersee-Museum geht das jetzt ganz schnell, denn dort hat Theaterschiff-Kapitän Knut Schakinnis sein Spiegelzelttheater aufgebaut. Darin ist „Die Bremer Weihnachtsgeschichte“ zu sehen, die das Premierenpublikum mit Applaus und Jubel bedacht hat.

Weihnachtlich dekorierte Tische und Kerzenschein, Eichenholz und Spiegel im Facettenschliff – das nostalgische Zelt bietet schon ohne Theater reichlich weihnachtliche Atmosphäre. Die Farbe Rot dominiert, vom Stuhlüberzug bis zum Samtdach über der Manege.

Der richtige Ort also, um Weihnachtliches zu erzählen. Die Geschichte, die es hier zu sehen gibt, hat der Schauspieler Oliver Geilhardt nach Motiven der 1843 veröffentlichten „Weihnachtsgeschichte“ („A Christmas Carol“) von Charles Dickens (1812 bis 1870) geschrieben. In der Regie von Martina Flügge geht es in ein imaginäres Bremen des 19. Jahrhunderts. Bei Dickens liegt der Schwerpunkt auf dem Geizhals Ebenezer Scrooge, sein Bremer Pendant heißt Ekkehart Knickerbüdel.

Kaufmann Knickerbüdel (Marcus Rudolph) hasst Weihnachten, behandelt seinen armen Angestellten Robert (Patric Dull) mies und glaubt: „Die Welt ist voller Schmarotzer!“ Der Fokus aber liegt auf drei Engeln im Himmel über Bremen. Victoria (Saskia Dreyer) zum Beispiel, die gern eine Prinzessin wäre. Und Gunda (Hanna Riehm), die deftige bremische Speisen liebt: „Ich bin nicht dick. Meine inneren Werte brauchen nur etwas mehr Platz.“

Der dritte Engel: Zachäus (Aniello Saggiomo), der neu im Himmel über Bremen ist und sich seine Flügel erst verdienen muss – durch eine Spezialaufgabe an Weihnachten. Natürlich geht‘s darum, in Knickerbüdel den Geist der Weihnacht zu wecken (und den Geiz zu verscheuchen). Aus dem Weg zu diesem Ziel lassen die Engel sich einiges einfallen und Geister auftreten – dargestellt von der Artistin Estrella Urban.

Nostalgie und Weihnachts-Hits

Regisseurin Flügge lässt die Geschichte als muntere Revue ablaufen, eher turbulente und weihnachtlich-besinnliche Szenen wechseln sich effektvoll ab. Wieder und wieder wird gesungen – oft sind es Songs aus dem angloamerikanischen Weihnachtsrepertoire. „Santa Claus is Coming to Town“ im Schnoorviertel des 19. Jahrhunderts? Egal, es ist ja ein Weihnachtsmärchen. . . da muss nicht alles historisch korrekt sein, da kommt‘s vor allem auf die richtige Stimmung an. Bevor die Frage aufkommt: Ja, „Last Christmas“ ist auch dabei.

Leuchtende Wesen des „Stelzen-Art“-Teams um Janine Jaeggi traten zur Premiere vor dem Spiegelzelttheater auf.

Flügge lässt die Darsteller nicht nur auf der Bühne agieren, sondern auch zwischen den Tischen des Publikums in der Manege. Da kommt auch mal ein Engel aus der sprichwörtlichen Tiefe des Raums. Beim Gesang sticht die in Weyhe geborene Saskia Dreyer hervor, die Choreographien von Patrick Stauf geben den Liedern insgesamt zusätzlichen Drive. Ein sehr starkes Element im Zusammenspiel des Ganzen sind auch die Kostüme, für die Lilli Schakinnis verantwortlich ist. Mit Raffinesse und – wo passend – Glanz und Pracht tragen sie viel zur Zeichnung der Figuren bei. Eine weitere Dimension bekommt der Abend durch die Akrobatik. Darstellerische Glanzpunkte setzt Hanna Riehm als schlagfertiger Engel im Steampunk-Look. Zu den witzigsten Momenten zählt eine skurrile Darbietung der biblischen Weihnachtsgeschichte – nicht zuletzt dank Aniello Saggiomo.

Gesang und Schauspiel, Comedy und Akrobatik, Tanz und Nostalgie: „Die Bremer Weihnachtsgeschichte“ ist eine Show für die ganze Familie. Schakinnis hatte das Spiegelzelt schon im vorigen Jahr (an anderer Stelle) aufgebaut, durfte es aber wegen Corona nicht öffnen. In diesem Jahr ist zu hoffen, dass der Betrieb durchlaufen kann. Denn auch nach außen hin ist das Zelt ein Gewinn, ein Gewinn für die Umgebung des Bahnhofs – endlich wird die Grasfläche vor dem Übersee-Museum mal sinnvoll genutzt.

Vorstellungen sind bis zum 9. Januar 2022 geplant. Karten zum Preis von 48 und 56 Euro unter dieser Adresse und im Ticketshop an der Balgebrückstraße 8. Es gilt 2G.

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