Erinnerung an die Opfer

Geiseldrama: Bürgerschaft stimmt geschlossen für Gedenkort in Huckelriede

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In Huckelriede brachten die Geiselgangster im August 1988 einen Linienbus in ihre Gewalt. Unser Foto zeigt vor dem Bus Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner. 

Bremen - Bremen wird den Opfern des Geiseldramas von Bremen und Gladbeck mit einem Erinnerungsort gedenken. Dafür hat sich der Landtag am Mittwoch einstimmig ausgesprochen. Der Ort soll an das Verbrechen vor 30 Jahren erinnern, das zwei Geiseln und einen Polizisten das Leben kostete.

Die Geiselnahme spielte sich unter anderem in Bremen ab, wo die Verbrecher Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner am Abend des 17. August 1988 in Huckelriede einen Linienbus mit 32 Passagieren kaperten. Mit diesem fuhren sie mehrere Stunden bis in die Niederlande. Zwei der Businsassen wurden von den Geiselnehmern getötet. Der 15-jährige Italiener Emanuele de Giorgi, der mit seiner Familie in Bremen lebte, wurde von Degowski im Bus erschossen, die 18-jährige Silke Bischoff aus Stuhr von Rösner später bei der Polizeiaktion auf der A 3 bei Bad Honnef. Mit dem Zugriff wurde die Geiselnahme beendete. Das dritte Opfer war ein Polizeibeamter, der bei der Verfolgung bei einem Verkehrsunfall starb.

„Das Geiseldrama steht wie kein anderes Verbrechen für mediale Grenzüberschreitung und polizeiliches Versagen“, hieß es in dem Beschluss der Bürgerschaft. Bei dem Einsatz machten Beamte seinerzeit auch in Bremen Fehler. So gelang es den Geiselnehmern, den Linienbus in ihre Gewalt zu bringen, nachdem sie sich bereits eine Stunde in Bremen aufgehalten hatten. Zudem konnten Journalisten ungehindert mit den Geiselnehmern Interviews führen.

Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) entschuldigte sich bei den Opfern und Angehörigen für die Fehler. Die Tat bezeichnete er als eines der „dramatischsten Verbrechen der Nachkriegsgeschichte“. Der Senat soll nun einen Erinnerungsort für die Opfer im Bereich des Busbahnhofs Huckelriede schaffen, dort, wo die Gangster den Bus in ihre Gewalt gebracht.

Degowski kam im März nach fast 30 Jahren mit neuer Identität auf Bewährung aus der Haft frei. Anders Rösner, der zu lebenslanger Haft anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde. Er sitzt weiter hinter Gittern. In dem berührenden und überaus gut aufgearbeitetem Zweiteiler „Gladbeck“ zeichnete die ARD Anfang März die Geschehnisse um das Geiseldrama nach. 

 dpa/gn

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