Die „Zollhausboys“ präsentieren ein neues kurzweiliges Programm

Geht weiter

Mit den „Zollhausboys“ geht es weiter: Azad Kour (v.l.), Selin Demirkan, Shvan Sheiko, Thomas Krizsan, Pago Balke und Ismaeel Foustok. Foto: UWE JÖSTINGMEiER

Bremen - Von Jörg Esser. Die „Zollhausboys“ haben noch nicht fertig. Sie erzählen ihre Geschichten weiter. Und packen neue dazu. „Zollhausboys 2: Geht weiter“ heißt das neue Programm, das jetzt im ausverkauften Theater am Goetheplatz eine umjubelte Premiere feierte.

Das erste Programm der „Zollhausboys“ war „unverhofft erfolgreich“, sagt der Kabarettist, Schauspieler und Regisseur Pago Balke, Mitbegründer der Gruppe. Zu den bislang 70 Aufführungen sind mehr als 10 000  Zuschauer gekommen. „Ein zweites Programm ist immer ein Wagnis“, sagt Balke. Zumal die Aufstellung geändert werden musste – für Delyar Hemza und Gerhard Stengert sind Selin Demirkan, Berliner Sängerin und Songwriterin mit Schweizer Wurzeln und türkischem Vater, und Thomas Krizsan, in Bolivien geborener Pianist und Akkordeonist, ins Team gerückt. Immer noch dabei sind die drei jungen syrischen Bremer Neubürger Ismaeel Foustok, Azad Kour und Shvan Sheiko sowie Pago Balke.

Das Wagnis jedenfalls hat sich gelohnt. Die „Zollhausboys“ präsentieren ein häufig berührendes und jederzeit unterhaltsames Programm als eine Art thematische Weiterentwicklung der Geschichten um Flucht, Ankommen und Zukunft. Krizsan bringt mit Klavier und vor allem auch mit dem Akkordeon einen neuen Sound ins Spiel. Und Selin Demirkan sorgt mit ihrer tollen Stimme (irgendwo zwischen Norah Jones und Anna R. von „Rosenstolz“ angesiedelt) für Wohlfühlmomente.

Das Programm ist eine perfekt getimte Mischung aus Gesang, Musik und Kabarett. Ein rundes Dutzend Instrumente kommt zum Einsatz. Kaum ist mit „Familie“ ein berührender Song verklungen, landet der Zuschauer in der „Alphabetisierungskampagne“ und einem verwirrenden Kontaktgespräch der Herren Jaffabdulquadiralmatarim und Hausekleinkopf.

Die jungen Bremer Syrer (alle drei um die 20 Jahre alt) sorgen für ein beachtliches Tempo auf der Bühne. Das Publikum geht mit. Das Zusammenspiel klappt.

Das Programm der „Zollhausboys“ hat seine politische Passage. Balke spricht von einer „Attacke gegen den Rechtspopulismus“, gegen eine „dicke Schmeißfliege auf der deutschen Demokratie“, gegen einen „braunen Brummer“. Gegen die AfD, versteht sich. „Das AfDesaster geht weiter“, heißt es. Pago zitiert wieder Originalsprüche vom Hundekrawatten-Träger und anderen AfD-Größen. Azad Kour übersetzt die Pamphlete in Gebärdensprache – das wirkt eher bedrohlich als lächerlich. Und vor allem verstörend. „Diese Schärfe muss sein“, sagt Balke.

Mit der „Werder-Jacke“ wird es dann noch einmal harmonisch. Kour erzählt die Geschichte von seiner Ankunft in Bremen, als er sich aus einem großen Kleiderhaufen eine Werder-Jacke angelte – und mit diesem Glücksgriff schnell integriert war, weil die „Leute lächeln, grinsen, rufen und sich fast immer freuen“. Im Werder-Land und dann auch im Weserstadion wird der junge Syrer einfach mal so in den Arm genommen.

Zwei geplante Zugaben gibt es bei der Premiere. Und eine ungeplante. Es dauert etwas, aber dann gibt es vom Publikum stehende Ovationen für die „Zollhausboys“. Vom Kritiker gibt es Bestnoten. Aus Sympathie sowieso. Aber vor allem, weil das Programm einfach großartig ist.

Info: Auf Tour 

Die „Zollhausboys“ sind mit ihrem ersten Programm wieter auf Tour. Und jetzt ziehen Ismaeel Foustok, Azad Kour, Shvan Sheiko und Pago Balke mit dem neuen Programm „Zollhausboys 2“ und ihren „Neueinkäufen“ Selin Demirkan und Thomas Krizsan durchs Land. Die nächste Aufführung ist am Donnerstag, 24. Oktober, um 20 Uhr im Kulturzentrum Schlachthof (Findorffstraße 51) zu sehen. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung. Weitere Vorstellungen von „Zollhausboys 2“ gibt es am 2. November in Stuhr (Rathaus, 20 Uhr), am 6. November in Sottrum (Gymnasium Süd, 20 Uhr), am 7. November in Bremen (Volkshaus, Hans-Böckler-Straße, 20 Uhr), am 8. November in Wildeshausen (Altes Rathaus, 19.30 Uhr), am 9. November in Thedinghausen (Aula der Gudewillschule, 20 Uhr). Es folgen weitere Termine in Bremen – am 20. und 21. November auf dem Lür-Kropp-Hof in Oberneuland (jeweils um 19.30 Uhr) und am 22. und 23. November im Alten Pumpwerk (Salzburger Straße 12, Findorff, 20 Uhr). Die Auftritte des bunten Sextetts in Wildeshausen und am 22. November im Alten Pumpwerk sind bereits ausverkauft, heißt es.

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