„Sternstunden an der Hochschule“: Berufe der Luft- und Raumfahrt

Ab geht die Rakete

Blick auf die Studentenrakete „Aquasonic“. Christian Dierken (links) hat sie mitentwickelt und -gebaut. Bachelorstudent Alexander Scharf (20) arbeitet an der Nachfolgerakete. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. „Ohren zuhalten oder Gehörschutz aufsetzen. Nicht direkt in die Flamme gucken.“ Sebastian Barth (26), Masterstudent der Luft- und Raumfahrttechnik, zündet vor etwa 20 Zuschauern, meist Schülern, ein kleines Raketentriebwerk. Bei den „Sternstunden an der Hochschule Bremen“ erlebten die Besucher am Freitag im „Institute of Aerospace Technology“ der Hochschule Bremen auf dem Campus in der Airport-Stadt hautnah mit, wie Luft- und Raumfahrttechnik funktioniert.

Ein Knall ist zu hören, dann ein lautes Triebwerksgeräusch. Rotes Licht kommt aus dem Glaskasten, in dem das kleine Triebwerk montiert ist. Nach 16 Sekunden ist alles vorbei. Die Besucher nehmen den Hörschutz ab.

Barth erklärt die Technik. Propangas und Sauerstoff sowie eine Zündkerze zünden das Triebwerk. Mit Hilfe des Sauerstoffs verbrennt ein durchsichtiger Kunststoff. Eine gute Technik für Studenten und für den Einsatz im Weltraum. Um Raketen in den Weltraum zu starten, wird sie aber nicht eingesetzt.

Einen Satelliten auf dem Tisch hat Luft- und Raumfahrt-Ingenieur Joachim Beyer (52). „Micro-Sim“ ist rund, seine Unterseite hat die Form einer Halbkugel. Oben ist er mit viel Technik, darunter mit drei Kameras bestückt. Der Satellit wurde in Bremen im Auftrag der europäischen Weltraumagentur ESA entwickelt. Er sollte die Internationale Raumstation (ISS) umfliegen und inspizieren.

„Als wir mit der Entwicklung fertig waren, stellte die ESA das Projekt ein. Die Amerikaner hatten inzwischen schon so etwas“, sagt Beyer. Doch an der Hochschule fand man eine neue Verwendung. Der Satellit kann in eine Fassung gestellt werden und schwebt dann auf Druckluft. So kann er sich frei bewegen, fast wie im Weltraum. Durch drei rotierende Elemente im Inneren kann er sich drehen. Mittels Düsen kann er sich bewegen. Auf der Erde ist das allerdings sehr eingeschränkt.

Ein wenig sieht ein mehrere Meter hoher Raketenprüfstand im Eingangsbereich aus wie eine Startrampe. Hier werden allerdings nur Triebwerke und Tanks getestet, stehend oder, wie es die Raumfahrttechniker sagen, vertikal, so wie beim Start.

Daneben an der Wand steht die fünf Meter hohe Rakete „Aquasonic“, entwickelt an der Hochschule Bremen. Einer der Entwickler ist Christian Dierken (29), Luft- und Raumfahrt-Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Bau und Entwicklung dauern etwa drei Jahre. Alle vier Jahre machen wir einen Start in Kiruna in Schweden“, sagt er. Dabei gehe es vor allem darum, das Studenten lernen, so ein Raketenprojekt durchzuziehen. Sieben Kilometer Höhe erreicht so eine Rakete – und 1,2-fache Schallgeschwindigkeit.

Besuchermagnet ist ein Flugzeugsimulator. In einem authentischen Cockpit einer Boeing 737 mit digitalen Nachbildungen der Instrumente kann der Nachtanflug auf New York geübt werden. Überall sind riesige Häuser zu sehen. Inmitten bunter Lichter liegt die Landebahn. Wer zu steil anfliegt, landet in Bäumen.

Rebacca Windler (17) ist begeistert von dem Flugsimulator. Die Landung beim ersten Versuch klappt. Die Schülerin an dem Bremen Norder Schulzentrum „An der Eggestraße“ würde gerne Pilotin oder sogar Astronautin werden. Ihre Mitschülerin Sophie Sowada (17) findet das Programm am „Tag der offenen Tür“ spannend, hat selber aber Höhenangst. Der Beruf der Fluglotsin wäre dennoch etwas für sie, meint die Jugendliche. Für die meist jungen Besucher stehen viele Beratungsmöglichkeiten zur Berufswahl zur Verfügung.

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