Neue Messe soll aus einem Tabu- ein Gesprächsthema machen / Deutschlandweit einmaliges Konzept

Es geht um „Leben und Tod“

Der Umgang mit Tod und Trauer ist vielfältig – hier ein Blick auf den Bremer Friedhof Riensberg.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Umsonst ist der Tod? Das ist oft zu hören, doch es scheint nicht zu stimmen. In Wirklichkeit ist der Tod offenbar ein Riesengeschäft. Bremen widmet ihm nun sogar eine Messe.

Um „Leben und Tod“ geht es am Donnerstag und Freitag, 6. und 7. Mai, in Halle 4 auf der Bürgerweide – jeweils von 10 bis 19 Uhr und zu einem Eintrittspreis von acht Euro. Mit ihren 62 Ausstellern und 41 Vorträgen ist diese Messe eine Premiere in Deutschland – weil sie sich nicht allein an ein Fachpublikum richtet, sondern auch an Normalsterbliche.

Das, wenn dieser Ausdruck gestattet ist, eigentliche Zielpublikum erlebt ja nicht mehr, worum es geht – der Verbraucher ist ein Endverbraucher im Wortsinne. Das unterscheidet diese Messe von einer Verbrauchermesse, einer Computerausstellung, einem Autosalon.

Der Tod ist ein gesellschaftliches Tabu. „Über das Sterben wird ungern gesprochen – und trotzdem betrifft es einen jeden von uns“, sagt Messe-Chef Hans Peter Schneider. Ein Thema, das jeden betrifft, sollte – so das Kalkül – eigentlich ein ideales Messethema sein. Eine Messe wiederum könnte dazu beitragen, Tabus abzubauen. Die Aussteller kommen aus den Bereichen Hospiz, Pflege, Bestattung, Seelsorge, Trauerbewältigung, Literatur, Kunst. Das Spektrum der Toten-Messe reicht von Gesprächsmöglichkeiten bis zum Designersarg.

Mit dem Tod viel zu tun haben Menschen, die sich in der Hospizbewegung engagieren. 80 000 Ehrenamtliche machen das in Deutschland, hieß es gestern in der gruftähnlichen Kaffeestube des Clubs zu Bremen, wo die Messe „Leben und Tod“ vorgestellt wurde. Viele von ihnen machen etwas, das früher ganz normal gewesen sein soll, weil es im Rahmen der Familie geleistet wurde – Sterbende auf dem Weg bis zum Tod begleiten. Monika Mörsch ist stellvertretende Vorsitzende des Hospiz- und Palliativ-Verbands Bremen. Sie rät dazu, das Tabu zu brechen – und es in Familien anzusprechen, dass jemand stirbt. Komme jemand von außen hinzu, falle dies oft leichter. „So kommt ein Gespräch in der Familie in Gang. Das macht es einfacher.“ In Bremen haben im vergangenen Jahr 350 ehrenamtliche Hospizmitarbeiter mehr als 400 sterbende Menschen und deren Familien begleitet. Meistens geschah dies zu Hause. Weit mehr als 80 Prozent der Menschen wünschen sich, dort auch zu sterben. Nur 15 Prozent aber sterben tatsächlich zu Hause, so Ulrich Domdey, Vertreter des bischöflichen Generalvikariats Hildesheim und Leiter der Diözesanstelle Hospiz- und Palliativarbeit.

Monika Mörsch hofft, die Messe möge „noch mehr Menschen auf unsere Hilfsangebote aufmerksam“ machen – und sie vielleicht animieren, sich ebenfalls zu engagieren. Messe-Chef Schneider rechnet mit 2 500 Besuchern. „Mit der ‚Leben und Tod‘ schaffen wir ein Forum, in dem die Menschen sich offen über dieses Thema informieren können. Hier dürfen Fragen gestellt werden. Und die verschiedenen Möglichkeiten und Wege, den letzten Weg würdevoll und nicht allein zu gehen, werden aufgezeigt.“

WWW.

lebenundtod-bremen.de

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