Nichts als Lärm

Es geht auch leiser: Andreas Schneider erforscht Krach auf Intensivstation

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Kopfhörer gegen zu viel Lärm: Fachkrankenpfleger Andreas Schneider hilft einem Patienten.

Bremen - Lärm, nichts als Lärm im Krankenhaus. Und dabei brauchen die Patienten doch viel Ruhe. Andreas Schneider, ausgebildeter Krankenpfleger, hat sich mit dem Krach eingehend beschäftigt, speziell mit dem auf der Intensivstation. Sein Fazit: Es geht auch leiser.

Gespräche an offenen Türen, Zurufe und laute Schritte auf den langen Fluren, dazu Lüftungsgeräusche, zufallende Türen und das ständige Piepen und Surren von medizinischen Geräten. Es kam einiges zusammen, was Patienten sich anhören mussten. Schneiders Bilanz für den Alltag in Sachen Lärm auf der Intensivstation am Klinikum Links der Weser (LdW) fällt eindeutig aus. „Wir haben uns absolut nicht lärmschonend verhalten“, sagt der Fachkrankenpfleger, der das Thema für seine Abschlussarbeit der Fachweiterbildung aufgegriffen hat.

Schneider befragte über zwei Monate insgesamt 30 Patienten nach ihrem Lärmempfinden auf der Intensivstation. 18 von ihnen teilten mit, dass sie vor allem Gespräche des Personals am Zimmereingang als störend empfanden. Der Fachpfleger setzte sich schließlich selbst bei den zehn Patienten, die die meisten Störfaktoren genannt hatten, morgens und mittags direkt ans Bett. Mit einem Dezibel-Messgerät prüfte er je 30 Minuten lang den tatsächlichen Lärmpegel. Auch welche Geräusche er wahrnahm, notierte er.

Die Recherche endete nicht im Klinikum. „Lärm hat noch keine große Bedeutung in Bezug auf Krankenhausaufenthalte“, sei eine Aussage des Umweltbundesamtes gewesen, erzählt Schneider. Dass Lärm häufig als störend empfunden werde, manch einen beunruhige, sogar Angst machen könne und so oft die Gesundheit oder Genesung beeinträchtige, sei nichts Neues. Nur habe sich das bislang kaum jemand im Krankenhaus in Bezug auf die eigenen Patienten bewusst gemacht, sagt Schneider.

Seine Untersuchung hat dies verändert, zumindest auf der Intensivstation im LdW. Patienten können sich nun Kopfhörer aufsetzen, die Nebengeräusche ausblenden. Positiver Nebeneffekt: „Patienten werden auf diese Weise nach der OP auch ruhiger und können häufig früher verlegt werden“, sagt Schneider. Lärmampeln hängen auf allen Fluren. Sie leuchten Rot, wenn es zu laut ist. Zwei Patientenzimmer wurden zu Lagerräumen umfunktioniert, weil sie neben der Spüle und dem Aufzug lagen.

Zudem ist eine Arbeitsgruppe um Andreas Schneider entstanden, die bereits zwei Testreihen zum Einsatz der Kopfhörer angeschoben hat. Die Gruppe klärt das Team auch über Möglichkeiten auf, Lärm zu vermeiden. „Viele Kollegen waren wohl selbst genervt vom Lärm hier“, sagt Schneider.

Sein Kollege Nils Weseloh, Oberarzt Dr. Jörg Ahrens und er treffen sich in ihrer Freizeit zum Thema Lärm. „Wir haben ein eigenes Interesse. Und unsere Ideen finden großen Anklang im Team“, sagt Schneider.

Seine Ergebnisse haben über das Klinikum Links der Weser hinaus bereits Interesse geweckt: In der Fachzeitschrift „Intensiv“ wurden sie veröffentlicht, auch die Universität Osnabrück hätte gerne Einblick in seine Arbeit. Schneider selbst konzentriert sich auf die Arbeit im LdW. „Hier haben wir noch genug zu tun.“

Schneider kommt aus Lastrup bei Cloppenburg. Die Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte er im Franziskus-Hospital Harderberg in Osnabrück, seit 2004 arbeitet er im LdW in Kattenturm. 2010 wechselte er hier auf die Intensivstation, 2015 schloss er die Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie ab. 

gn

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