Hafenmuseum eröffnet die Sonderausstellung „Raum für Vermutungen“

Geheimnisvoller Holzkopf

Die Vermutungen der Hübotters: In der Vitrine befindet sich rechts eine geheimnisvolle Holzfigur, von Klaus Hübotter „Bumbo“ genannt und dichterisch beschrieben. Links daneben: Eine weitere Figur, die Lore Hübotter im Mühlengarten in Nordholz an der Nordsee gefunden hat. 
Foto: KOWALEWSKI
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Die Vermutungen der Hübotters: In der Vitrine befindet sich rechts eine geheimnisvolle Holzfigur, von Klaus Hübotter „Bumbo“ genannt und dichterisch beschrieben. Links daneben: Eine weitere Figur, die Lore Hübotter im Mühlengarten in Nordholz an der Nordsee gefunden hat. Foto: KOWALEWSKI
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Es ist ein merkwürdiger Holzkopf. Irgendwie androgyn, aber auch heldenhaft. Klaus Hübotter hat ihn einfach mal „Bumbo“ genannt und über ihn gedichtet. „Betrachte sie nur ganz genau. Es ist ’ne hübsche runde Frau.“ Ein erster von mehreren Bestimmungsversuchen. „Bumbo“ ist eines von elf Exponaten der Sonderausstellung „Raum für Vermutungen – Vom Finden und Erfinden“, die am Sonntag im Hafenmuseum im Speicher  XI eröffnet wurde.

Geschichtswissenschaften und Archäologie gehen mit Literatur Hand in Hand. Die Exponate wurden alle nahe der Weser gefunden. Elf Autoren schrieben kurze Texte zu je einem Exponat. Sie alle haben oder hatten mit Bremen zu tun, sagt Anne Schweisfurth vom Hafenmuseum, eine Kuratorin der Ausstellung. Zu jedem Exponat gibt es auch einen wissenschaftlichen Beitrag.

Bremer Unternehmer

Der mittlerweile 90-jährige Hübotter ist in Bremen als Bauunternehmer bekannt. Er kann auch dichten. Und schafft es, voller Heiterkeit die verschiedensten Perspektiven zu „Bumbo“ einzunehmen. „Doch wie man klar erkennen kann, es ist ein hübscher starker Mann.“ Gleich danach folgt: „Ach was, die Sache ist ja klar, Freund ,Bumbo’ kommt aus Afrika.“ Stimmt die Region wirklich? „Die Arme kamen ihm abhanden, dem König aus den Morgenlanden“, heißt es dann. Was kann es noch sein? Eine Galionsfigur, ein Dingsda, schlägt Hübotter vor, aber sicher keine Spielerei. „Was soll man schließlich davon glauben, von diesem Rückenstück mit Schrauben. Kann man zu keinem Schluss gelangen, hat man es einfach aufgehangen.“ Das Rückenstück gibt es wirklich. So endet die Dichtung in der Realität.

Leihgaben

Die Besucher können ihren Kopf bei allen Exponaten in eine 360-Grad-Fotografie des Fundorts stecken. Dort sind Informationen zum Fund und Einschätzungen von Wissenschaftlern zu lesen. Der Holzkopf ist eine Leihgabe des Schifffahrtsmuseums Unterweser in Brake. Ein zwölfjähriger Junge fand den Kopf einst beim Spielen am Weserstrand und brachte ihn zum Museum. Nach langer Zeit fand man ihn auf einem Hängeboden wieder. Der Kopf bleibt geheimnisvoll.

Raupe Nimmersatt

Ein Ring aus echtem Gold, verziert mit einem grünen Smaragd, ein Überbleibsel aus dem Mittelalter, inspirierte Kinderbuchautorin Anna Lott aus Bremen. Sie hat sich die Frage gestellt, warum der Ring so groß ist. Der Besitzer müsse unglaublich große Finger gehabt haben. War er übergewichtig? Smaragde kamen damals aus Ägypten. „Da muss jemand lange unterwegs nach Bremen gewesen sein.“ Lott orientierte sich für ihre Kurzgeschichte „Das Erbe“ am Vorbild der „Raupe Nimmersatt“. Gleich zu Beginn bekommt der Ring eine besondere Rolle: „Der Vater zog sich die Macht vom Finger“. Dann spricht der Vater: „Tochter, nimm diesen Ring und sei mir eine würdige Nachfolgerin“. Nach dem Tod des Vaters merkt die Tochter, der Ring ist zu groß. Einmal geht es durch die Tage der Woche: „Am Montag aß sie Hühnchenkeulen.“ Am Sonntag war es aus mit ihr. „Am prallen Daumen jedoch hing, der Ring.“

Fundort Schlachte

Die Realität sieht etwas anders aus. Landesarchäologe Dieter Bischop spricht vom Fundort an der Schlachte. Der Ring wurde bei Grabungen in den Überresten eines abgebrannten Hauses gefunden, zusammen mit einem Griffel zum Schreiben von Rechnungen. Holzfunde bezeugen: Das Haus wurde 1183 gebaut. Abgebrannt ist es 1200. Der Ring könnte bei der Flucht verlorengegangen oder in einem Fach versteckt gewesen sein. Doch warum die Übergröße? Bischop vermutet, dass ein Adeliger oder ein reicher „Pfeffersack“, also Geschäftsmann, ihn auf dem Handschuh trugen.

Ein Text von Romanautor und Dramatiker Moritz Rinke widmet sich der Kopie einer Kasse zum Abschöpfen von Wein aus der Römerzeit. Das Original befindet sich im Focke-Museum. Die Rolle wurde 1885 bei der Weserbegradigung von einem Baggerfahrer gefunden.

Zur Info: Lesungen und Schatzsuchen

Die Sonderausstellung „Raum für Vermutungen – Vom Finden und Erfinden“ ist bis zum 29. November im Hafenmuseum im Speicher XI zu sehen. Öffnungszeiten: freitags bis sonntags, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Eintritt für Erwachsene: fünf Euro.

Zu der Sonderausstellung sind mehrere Begleitveranstaltungen geplant, darunter Kuratorenführungen mit Archäologen und Historikern. Am 12. Juli um 15 Uhr ist eine Führung mit Albrecht Sauer vom Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven vorgesehen, am 30. August um 15 Uhr eine Führung mit dem Landesarchäologen Dieter Bischop (Weitere Termine: 27. September und 8. November). Im Oktober und November folgen Gespräche mit je einem Literaten und einem Wissenschaftler sowie Autorenlesungen. Familienführungen mit archäologischer Schatzsuchen sind am 13. September, 25. Oktober und 22. November geplant.  mko

Alle Termine unter:

www.hafenmuseum-speicherelf.de

Von Martin Kowalewski

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