Das Gefühl im Kosmos

„Mein Kunst-Stück“ mit Rose Richter-Armgarts Werk „Öresund“

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Fünf Teile bilden das „Öresund“. Oberfläche, Tiefe und Glanz kann das Foto nur eingeschränkt wiedergeben. 

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Öresund“ heißt Rose Richter-Armgarts Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Aus fünf Einzelbildern im Panoramaformat setzt sich das Werk zusammen. Zwischen den Graphitpigmenten glänzt Schlagmetall.

„Die Idee zu dem großformatigen Werk entstand auf einer Fahrt über die Öresundbrücke“, erzählt Rose Richter-Armgart. Das war vor einem Jahr. Richter-Armgart fotografierte während der Fahrt und war fasziniert von der Landschaft aus Himmel, Meer und Land. „Auf der Brücke hat man das Gefühl, direkt im Kosmos zu sein“, beschreibt die Künstlerin. Anschließend begann Richter-Armgart mit ihren Brückenbildern. Bei ihren Recherchen stieß sie auf die architektonischen Visionen des Künstlers El Lissitzky Anfang des 20. Jahrhunderts. Seine „Wolkenbügel“ waren für die die Künstlerin zusätzliche Inspiration.

Richter-Armgarts Technik ist aufwendig. Zuerst werden die Holzplatten, auf denen sie malt, vom Tischler hinterfasst, damit sie sich nicht verziehen. Dann wird die Maserung mit einem Japanspachtel und Kaseinfarbe gefüllt, um einen glatten Untergrund zu bekommen. Spuren des Spachtels sind erwünscht. Anschließend trägt die Malerin Graphit-Pigmente mit einem Lappen auf und setzt darauf mit Mixtion das glänzende Schlagmetall. Striche und Strukturen zeigen sich durch die abgesetzten Pigmente in Rillen und Ritzen. Eine Schellackschicht bewirkt, dass der Grund und die Flächen aus aufgesetztem Metall wie eine Ebene wirken. Stark glänzender Klarlack versiegelt die Bilder. Die Einzelbilder hängen untereinander und reichen insgesamt vom Boden bis zur Decke.

Studium für Grafik-Design und freie Malerei

Die künstlerische Begabung zeigte sich bei der gebürtigen freien Künstlerin schon früh. Als Kind zeichnete sie viel. Der Opa, der Kunstlehrer war, versorgte sie mit Material. Das Studium für Grafik-Design und freie Malerei begann sie aber erst nach einer Ausbildung zur grafischen Zeichnerin. Ihre Galerie „Häfen 5“ im Viertel (Auf den Häfen 5) hat sie seit 36 Jahren. Die Arbeit im Atelier verläuft „beamtenmäßig“, sagt Richter-Armgart und lacht. Gemeint ist ihre feste Arbeitszeit. In der Regel heißt das, um acht Uhr aufzustehen, einen Kaffee zu trinken und bis 13.30 Uhr ins Atelier zu gehen. „Da bin ich konstant dabei, um Aufträgen nachzukommen und die Galerien zu beliefern.“ Trotzdem genießt sie es, ihr eigener Herr zu sein und selbst zu bestimmen, wann und wie sie arbeitet. „Beim Malen komme ich in einen fast meditativen, selbstvergessenen Zustand“, erzählt Richter-Armgart. Dann kämen die Inspirationen, und obwohl das Thema klar ist, gebe es immer Überraschungen. „Es ist ein eine tolle Erfahrung.“

Die Herausforderung für die erfahrene Malerin ist, standfest zu bleiben. Die Konkurrenz sei groß, und nicht jeder ausgeschriebene Wettbewerb werde gewonnen. Experimentierfreude bedeute nicht, immer das zu machen, was gerade „en vogue“ sei.

„Jede Gesellschaft braucht Kunst“

Wozu wir Kunst brauchen? „Jede Gesellschaft braucht Kunst“, meint die bekennende Norddeutsche. Kunst ist nicht mehr nur Fürsten und bei Hofe zugänglich, wie in der Renaissance. Die Vielfalt sei heute groß. Sie spiegelt die Gesellschaft wider, auch wenn es keine politische Kunst ist.

Zu den Künstlern, die für Richter-Armgart besonders bedeutend sind, zählen Paul Klee (1879 bis 1940) und William Turner (1775 bis 1851). An Klee fasziniert die Bremer Malerin seine „wundervolle grafische Sprache“, die ganz ursprünglich und elementar sei. Und so wie Turner, der in seinen Szenen und Landschaften das Licht eingefangen hat, sei das „nicht zu übertreffen“.

Wenn Richter-Armgart jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein gemaltes Bild vom Sponsor „Wiesenhof“ an Werder Bremen. „Denn keiner weiß, wie es dort aussieht, trotz der Werbung auf den Banderolen.“ Richter-Armgart aber hat ihr zweites Atelier in direkter Nachbarschaft des Hühnermästers in Rechterfeld und könnte mit dies mit ihrem Bild ändern.

www.richter-armgart.de

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