Viel Publikum, viele Lieder, viel Fisch: Bremer Matjes-Premierenspektakel an der Schlachte

Der gefeierte Sänger Weber

Fassträger, von links: Christian Weber, Fischkönig Peter Koch-Bodes, „Matjes-Hermann“ und Mirko Vopalensky als „Vegesacker Jung“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Haushaltsdebatte? Nun, Bürgerschaftspräsident Christian Weber hatte gestern noch einen weiteren wichtigen Termin – die traditionelle Matjes-Saisonpremiere des Bremer Fischfachhandels. Etwa 1 000 Schau- und Probierlustige, so die präsidiale Schätzung, zogen dafür an die Schlachte. „Ich bin überwältigt“, rief der Sozialdemokrat den Menschenmassen zu.

„In Hamburg konnte man die Zuschauer fast an zwei Händen abzählen“, so Weber weiter. In der Stadt an der Elbe war ja tags zuvor die Matjes-Saison eingeläutet worden. Wie berichtet, hatte das Holländische Fischbüro das Spektakel 2014 von der Weser an die Elbe verlegt.

Die Bremer aber feiern ihr jährliches Matjes-Fest unverdrossen weiter – als Volksfest, wie Weber betonte. In Bremen werde eben „die wirkliche, die eigentliche Eröffnung der Matjes-Saison“ gefeiert. Die Verlegung nach Hamburg, sie sei „unglaublich“. In Hamburg sei auch nur ein Fischhändler dabeigewesen. „Die anderen kommen ja auch alle nach Bremen.“ Wie auf Bestellung kamen kräftige „Buh“-Rufe aus dem Bremer Publikum, als Weber das Wort „Hamburg“ in den Mund nahm.

Wenig später nahm er den ersten neuen Matjes auf Bremer Grund in den Mund. Auf der Bühne am Fuß der Teerhofbrücke hatte „Matjes-Hermann“ – bürgerlich: Hermann Kopp – dafür das erste Fässchen geöffnet. Weber – das Bürgerschafts-Stoffhandtuch in der Hand – griff gleich zu. Fotografen drückten ab. Kameras liefen. Haushaltsdebatte? So eine Matjes-Premiere muss ja auch dokumentiert werden. Und das nicht nur von denen, die so etwas beruflich machen. Matjes-Groupies mit augenscheinlich reichlich Lebenserfahrung drängten kraftvoll zur Bühne, um den historischen Augenblick per Smartphone zu dokumentieren.

Zuvor war noch gesungen worden. Mädchen und Jungen aus dem Vegesacker Kindergarten „Jaburg“ trugen maritime Lieder vor. An Bord der „Gräfin Emma“ waren sie am Morgen – vom alten Heringsloggerhafen Vegesack kommend – zum Martinianleger gefahren. Ebenfalls dabei: Vertreter der „Ehrenwerten Gesellschaft“ in Smoking und Zylinder. Und die Matjesfässer. Alles wie in jedem Jahr bei der Bremer Premiere.

„Wir essen keinen Käse, wir essen keinen Speck“, sangen die Kinder. „Wir essen nur noch Matjes, da essen wir alles weg.“ Weber sang mit. Dann brachte der „Schifferchor Rekum“ Shanty-Klänge zu Gehör. Wieder sang Weber mit. Ob er später in der Bürgerschaft auch gesungen hat, ist nicht überliefert.

Der gefeierte Sänger Weber lenkte die Aufmerksamkeit lieber auf einen anderen Sangeskünstler. „Henning Scherf ist immer sehr textsicher“, schwärmte er vom Bürgermeister a. D. – doch: Scherf meine leider auch, er könne singen, und da sei er im Irrtum. Aber das nur am Rande.

Schließlich gab es in Bremen ja gestern noch andere wichtige Themen. Den Haushalt zum Beispiel. Und den neuen Matjes. Präsident Weber fasste es so zusammen: „Ich finde, Fisch gehört auf den Tisch.“

Mehr zum Thema:

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Kommentare