Gefährliches Überbleibsel

250 Kilo schwere Weltkriegsbombe in Hastedt entschärft

+
250 Kilo schwer, mehr als 70 Jahre alt und immer noch brandgefährlich: Florian Schmidt (links), Mitarbeiter einer Firma zur Kampfmittelbergung, und Sören Laws vom Kampfmittelräumdienst der Polizei zurren die Sprengbombe für den Abtransport fest.

Bremen - Von Steffen Koller. Entnervte Anwohner, menschenleere Straßen, Evakuierung: Die Entschärfung einer 250 Kilo schweren Sprengbombe hat am Donnerstag für mehrere Stunden Teile Hastedts in eine Gegend verwandelt, die wie ausgestorben wirkte.

Kurz nach 13 Uhr war alles geschafft, keine „besonderen Vorkommnisse“ vermeldete die Polizei, nachdem der Sprengmeister dem Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg den Zünder gezogen hatte.

„Achtung, hier spricht Ihre Polizei“, hallt es aus einem Lautsprecherwagen. Anwohner schauen hinter Gardinen ins Freie, manche öffnen neugierig die Tür, andere sind zu diesem Zeitpunkt bereits evakuiert worden.

Mehrere Dutzend Polizisten waren rund um das Evakuierungsgebiet für den Verkehr zuständig.

Am Mittwochabend wurde die fünf Zentner schwere amerikanische Sprengbombe, die nach Schätzung von Sprengmeister Peter Seydel aus dem Jahr 1945 stammt, an der Hastedter Heerstraße entdeckt. Über Nacht bewachten Beamte den hochexplosiven Fund, am Donnerstag dann die Entschärfung per Hand.

„Relativ gut“ sei alles vonstatten gegangen, so Seydel. Da der Sprengkörper aber etwa zwei Meter tief im Erdreich von Wasser umgeben war, kam die übliche Fernentschärfung für die Experten nicht infrage.

Ab 10 Uhr sind alle Straßen, Wohn- und Firmengebäude in einem Radius von 300 Meter menschenleer, keine Person darf das Gebiet jetzt mehr betreten. Wie viele Menschen ihre Häuser letztlich verlassen mussten, ist nicht klar. Eine Polizeisprecherin spricht von einem „unteren vierstelligen Bereich“. Zwei junge Männer, Fußball im Arm, schlendern den Gehweg entlang, wollen in ihre Asylunterkunft. Doch der Polizist bleibt hart: „Keine Chance“, heißt es vom Beamten, der im Minutentakt verdutzten, abgenervten und zum Teil völlig orientierungslosen Passanten Alternativrouten erklären muss.

Autofahrer quälen sich durch Nebenstraßen

Etwa 150 Meter weiter ein ähnliches Bild. Autofahrer quälen sich durch verstopfte Nebenstraßen, auf dem Osterdeich bildet sich langsam ein handfester Stau. „Wo geht es zum Klinikum Mitte?“, fragt eine Frau mit Hamburger Kennzeichen, „Wie komme ich jetzt nach Hause?“, will ein Vater, den Nachwuchs im Kinderwagen vor sich her schiebend, wissen.

Die, die in der Evakuierungszone wohnen, aber nicht allein gelassen werden dürfen, wie zum Beispiel Bewohner einer psychiatrischen Einrichtung, waren bereits am Morgen von 14 Mitarbeitern des DRK abgeholt worden und warten nun im Gebäude der Oberschule an der Julius-Brecht-Allee. 140 Menschen insgesamt sitzen bei Kaffee und Snacks an Tischen, lautes Gemurmel und Kindergeschrei erfüllen den Saal. Dann Stille. 

Spezialfirma entsorgt Bombe

„Die Entschärfungsarbeiten haben soeben begonnen“, ruft ein DRK-Mitarbeiter in den Raum. Kurz danach setzt das Gemurmel wieder ein – und auch die Jungen mit Fußball sind angekommen. Schnell auf die Toilette, wenige Minuten später treten auch sie den Rückweg an. 13.08 Uhr ist die Bombe offiziell ungefährlich gemacht. Ihre letzte Reise wird sie ins niedersächsische Munster bringen. Dort, so erklärt Sprengmeister Seydel, werde die Bombe durch eine Spezialfirma vernichtet.

Während Reisende mit der Bahn, Straßenbahn und dem Flugzeug Verspätungen und teilweise Ausfälle in Kauf nehmen müssen, sind unmittelbare Anwohner erleichtert. „Endlich weg das Ding. So einen Sch... brauchen wir nicht“, sagt ein Mann mit Hund. Eine Frau meint: „Haben die Jungs wieder gut hingekriegt.“ Und Seydel ruft mit einem Lächeln: „Bis zur nächsten Bombe.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Regierungspartei fordert Rücktritt Mugabes

Regierungspartei fordert Rücktritt Mugabes

Mitmach-Tag in der Kindertagesstätte Dörverden

Mitmach-Tag in der Kindertagesstätte Dörverden

Staatsanwaltschaft will Puigdemont an Spanien ausliefern

Staatsanwaltschaft will Puigdemont an Spanien ausliefern

Weltklimakonferenz streitet bis zuletzt ums Geld

Weltklimakonferenz streitet bis zuletzt ums Geld

Meistgelesene Artikel

„Mein Kunst-Stück“ mit Michael Schwenk und seinem Bild „Babyloon Zoo“

„Mein Kunst-Stück“ mit Michael Schwenk und seinem Bild „Babyloon Zoo“

Grünes Licht für Bremer Ordnungsdienst

Grünes Licht für Bremer Ordnungsdienst

Tricks, Kraft und Körpereinsatz

Tricks, Kraft und Körpereinsatz

Drei Verletzte bei Brand in Bremerhaven

Drei Verletzte bei Brand in Bremerhaven

Kommentare