Julia Engelmann im Bremer Musicaltheater

„Gedichte wie Wein, Musik wie Espresso“

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Julia Engelmann im Musicaltheater.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein bunter Abend bekommt einen passenden Anfang. Julia Engelmann kommt nicht einfach auf so die Bühne – kurz vor Erreichen ihres Mikros wirft sie etwas in die Luft. Ein bunter Konfettiregen fällt auf sie herunter, hüllt sie sogar kurz ganz ein. Mit einem breiten Grinsen geht sie weiter nach vorn. Begleitet von ihren zwei Musikern – Lukas und Martin – erklingt der erste Song des Abends: „Grüner wird’s nicht“. Mit ihrem Programm „Jetzt, Baby“ sorgt Julia Engelmann für Begeisterung im ausverkauften Bremer Musicaltheater.

Das Publikum reagiert herzlich. Engelmann begrüßt die Gäste. „Das ist ein besonderer Auftrittsort. Hier komme ich her und meine Familie wohnt hier. Ich stand als 13-Jährige schon auf der Bühne des Musicaltheaters“, sagt sie, um dann noch zu erklären, wie sie das junge Auftrittsformat mit Lesung und Songs sieht: „Ich stelle mir das vor wie eine Weinprobe, obwohl ich noch nie auf einer Weinprobe war. Die Gedichte sind der Wein. Die Musik ist der Kaffee, der Espresso, der immer mal rumgeht.“

Dazu liefert sie die Erklärung dafür, warum sie Konfetti so mag, denn es sehe nicht nur bunt aus, sondern habe noch weitere Vorteile: „Es ist günstig, sehr leicht und es lässt sich gut in der Tasche transportieren. Man kann es beim Besuch von Freunden um die herumwerfen und sagen, ,Schön, dass Du da bist‘.‘‘ Das erzeuge viel Freude – es sei denn, „die Leute haben Dielen mit tiefen Furchen“.

Engelmann redet im schnellen Plauderton und geht sehr natürlich mit dem Publikum um. „Ich bau‘ mal eben kurz die Bühne um“, sagt sie. Ein paar Keyboardakkorde, reif für die Dauerwerbesendung, erklingen – und mit viel Eleganz rückt Engelmann eine Pauke nach vorne. Der Umbau ist beendet. „Jetzt kommt das erste Festival-Lied des Abends“, sagt die 25-Jährige.

Kräftige Konfettiwürfe

Genüsslich markiert sie mit kräftigen Schlägen die Taktanfänge im folgenden Song „Kein Model-Mädchen“. Dabei hebt sie zum Schlag das Bein auf der Seite des Schlagarms an. Da sitzt richtig Kraft hinter. Besonders herzhaft wirkt ihre Gesangs- und Percussion-Performance bei den Refrain-Zeilen „Manchmal wär‘ ich gerne schöner, doch das geht auch wieder weg. Ich bin kein Model-Mädchen, ich bin komplett unperfekt“. Anschließend kommt – wie nach vielen der Gedichte und Songs dieses Abends – ein kräftiger Konfettiwurf.

Aufgrund vieler Mailanfragen bietet Engelmann eine Fragerunde an. Ihre Mutter steht dafür mit einem Saalmikro bereit. Eine Zuschauerin fragt Engelmann, ob sie nicht mal ein Slam-Gedicht über Bremen schreiben könnte. Diese sagt: „Ich verbinde vieles mit Bremen. Viele Texte wie ,Lass mal eine Nacht drüber tanzen‘ sind hier entstanden“. Sie fügt mit scherzhaftem Lachen hinzu, „Grüner wird’s nicht“ könnte „so etwas sein“. Ein Zuschauer fragt, woher sie ihre Inspiration nimmt. „Meine Zeit ist endlich. Ich will was Schönes draus machen. Ich war früher sogar eher ein stilles Kind, aber es hat mich immer gefreut, wenn ein anderer seine Stimme laut gemacht hat.“

Das Publikum erfährt auch einige persönliche Hintergründe zu Gedichten Engelmanns, darunter „Grapefruit“. Der Text sei auf einer WG-Party entstanden, auf der die Künstlerin es nicht schaffte, eine traurige Besucherin zu trösten. Ein Teil der Lösung: Grapefruit zum Frühstück. Das habe die Künstlerin einmal sehr aufgebaut, als ihr Opa aufgrund einer Verwechslung statt Orangen Grapefruit für den Frühstückstisch brachte. Gerade solche Hintergründe fand die Besucherin Kim-Laura König aus Oldenburg spannend. „Es war ein sehr schöner Abend. Die Gedichte und Lieder waren einfach toll“, sagt sie.

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