Gedenkstunde für die Opfer der Reichspogromnacht mit der Tochter eines Holocaust-Überlebenden

„Faschismus ist ein Verbrechen“

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Gemeinsames Gedenken am Mahnmal: die Fraktionschefs Kristina Vogt (v.l.), Maike Schaefer, Thomas Röwekamp und Björn Tschöpe.

Bremen - Von Jörg Esser. Dr. Miriam Dvir kamen immer wieder die Tränen. „Es war nicht leicht, in einem Haus aufzuwachsen, in denen beide Eltern Holocaust-Überlebende sind und in dem es keine Großeltern gibt, weil sie ermordet wurden“, sagte die aus Tel Aviv angereiste Jüdin (Jahrgang 1948), die als Ehrengast bei der Gedenkstunde für die Opfer der Reichspogromnacht vor 150 Zuhörern am Mahnmal in der Dechanatstraße sprach.

Ihr Vater Martin Bialystok wuchs in Bremen auf – als Jude. Er war neun Jahre alt, als die Nazis die Macht ergriffen. Und 15Jahre alt, als in Bremen die Synagoge gebrandschatzt und geplündert wurde und bis auf die Grundmauern niederbrannte – in jener Reichspogromnacht vor 77 Jahren. Martin Byalistok durfte da längst nicht mehr in seiner Fußballmannschaft spielen, die Schule nicht mehr besuchen. Seine Familie betrieb das Modegeschäft Adler am Brill. Seine Eltern und die jüngere Schwester Miriam wurden von den Nationalsozialisten ermordet, ihm selbst gelang die Flucht in die Niederlande.

Er hatte seine Kindheit verloren, überlebte den Holocaust. Heute lebt er in einem Seniorenheim in Tel Aviv. Und wird von der Erinnerung geplagt. „Er hat nicht einen Tag lang vergessen, was er durchgemacht hat“, sagt seine Tochter.

SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe erinnerte an die Reichspogromnacht in Bremen und daran, dass einen Tag später auch die Kapelle auf dem Jüdischen Friedhof in Hastedt niedergebrannt wurde. Das hatten die SA-Schergen in der Nacht zuvor schlicht vergessen. Tschöpe bezeichnete die Reichspogromnacht zudem als Markstein auf dem Weg zum industriellen Massenmord an den deutschen Juden. „Die Demokraten in der Bremischen Bürgerschaft eint die Meinung, dass Faschismus ein Verbrechen ist“, so Tschöpe.

Der Fraktionschef der Sozialdemokraten und seine Kollegen von CDU (Thomas Röwekamp), Grünen (Maike Schaefer) und Linken (Kristina Vogt) legten dann auch gemeinsam einen Kranz am Mahnmal nieder. Schülerinnen der St.-Johannis-Schule verlasen stellvertretend für alle Opfer des NS-Regimes 60Namen von Bremer Juden, die von den Nazis ermordet wurden. Und Landesrabbiner Netanel Teitelbaum sprach ein Kaddisch-Gebet.

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