Nazi-Größenwahn in Stahlbeton

Gedenkstätte im Bunker Valentin steht vor Eröffnung

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Bunker Valentin. Foto: Carmen Jaspersen/Archiv

Bremen - Die Gedenkstätte im Bunker Valentin in Bremen ist so gut wie fertig. Bauarbeiter legen zurzeit letzte Hand an das Besucherzentrum und die Ausstellung im Inneren des gigantischen Bauwerks an. Am 8. November soll die Gedenkstätte feierlich eröffnet werden.

Mit modernen U-Booten wollten die Nazis den Krieg noch gewinnen. Tausende Zwangsarbeiter mussten dafür einen gigantischen Bunker in Bremen bauen. Viele starben dabei. Eine Gedenkstätte rückt jetzt ihr Schicksal in den Vordergrund.

Monströs ragt der Bunker Valentin mitten in einem Wohngebiet im Bremer Norden in die Höhe. Die Nationalsozialisten ließen den Koloss gegen Ende des Zweiten Weltkriegs an der Weser errichten - ein wahnwitziges Rüstungsprojekt, für das Hunderte Zwangsarbeiter ihr Leben ließen. Kurz vor Kriegsende schlugen Bomben der Alliierten tiefe Löcher in die Decke. Zurück blieb eine Ruine. 70 Jahre später entsteht nun eine Gedenkstätte in Europas zweitgrößtem überirdischen Bunker. Sie will an das Leid der Zwangsarbeiter und die menschenverachtende Politik im Dritten Reich erinnern. Die feierliche Eröffnung ist für den 8. November geplant.

Wofür haben die Nazis den Bunker gebaut?

In dem Bunker mit dem Tarnnamen „Valentin“ wollten die Nazis im Bremer Norden U-Boote vom Typ XXI bauen, die eine Wende im Zweiten Weltkrieg herbeiführen sollten. Meterdicke Betonwände sollten die Werft vor den Bomben der Alliierten schützen. Alle 56 Stunden sollte dort ein U-Boot quasi wie am Fließband entstehen. „Es war ein Strohhalmprojekt, das auch der Propaganda diente“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Gedenkstätte, Marcus Meyer. Für die Nazis hatte das Bauvorhaben oberste Priorität, Arbeitskräfte und Rohstoffe wurden ihm bevorzugt zugeteilt. Auf der gigantischen Baustelle war rund um die Uhr Betrieb.

Wie waren die Zustände auf der Baustelle?

Bis zu 12 000 Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene mussten dort täglich schuften. Sie waren in mehreren Lagern - darunter eine Außenstelle des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme - in der Umgebung untergebracht. Nach kilometerlangen Fußmärschen mussten sie auf der Baustelle zwölf Stunden am Stück schwere Stahlträger schleppen, Zementsäcke über Leitern wuchten und andere Knochenjobs erledigen. Zum Essen erhielten sie dünne Suppe und zwei Stücke Brot. Mindestens 1600 Zwangsarbeiter starben an Entkräftung, verhungerten oder wurden hingerichtet.

Was will die Gedenkstätte bewirken?

Sie rückt das Leid der Zwangsarbeiter in den Vordergrund. 426 Meter lang, teilweise fast 100 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch - der Bunker erzeugt allein wegen seiner Größe Faszination. Von der Rüstungslandschaft um ihn herum und der riesigen Baustelle zeugen dagegen nur noch wenige Spuren. Die Gedenkstätte macht diese wieder sichtbar und lässt die Zwangsarbeiter selbst zu Wort kommen. „Diese Fokussierung auf Zwangsarbeit bricht die Faszination des Bunkers“, sagt Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte im bayerischen Flossenbürg und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bunkers.

Was gibt es zu sehen?

Auf einem etwa 900 Meter langen Rundweg um den Bunker können Besucher auf Spurensuche gehen. Sie können einen Blick in das Tauchbecken werfen oder durch Überreste der früheren Betonmischanlage wandern. An 25 Stationen veranschaulichen historische Fotos und Texttafeln, wie es zwischen 1943 und 1945 auf der Baustelle aussah. Auf einem Multimedia-Guide sind die Stimmen von ehemaligen Zwangsarbeitern zu hören, die von ihren Erinnerungen berichten. Der Rundweg endet im Inneren des Bunkers, wo sich die Ausstellung befindet. Die Besucher können durch ein Art Tunnel den Ruinenteil betreten. Dort sind die Einschläge der Bomben und die geplante Produktionsstraße zu erkennen.

dpa

Infos zum Bunker Valentin

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