Gedenkstätte im Bunker „Valentin“ wird im Herbst 2015 fertig sein

Dokumentation des Leids

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Zusammen mit dem Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Thomas Köcher (links), informierte sich Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen gestern auf dem neu angelegten Besucherrundweg vor dem U-Boot-Bunker „Valentin“ in Farge über den Baufortschritt zur Gedenkstätte. Sie soll im Herbst 2015 fertig sein.

Bremen - Mit modernen U-Booten wollten die Nazis den Krieg gewinnen. Tausende von Zwangsarbeitern mussten dafür einen gigantischen Bunker in Bremen-Nord errichten. Demnächst erinnert eine Gedenkstätte an ihr Schicksal.

Voraussichtlich ab Herbst 2015 wird eine Ausstellung im Bunker „Valentin“ in Farge das Leid vieler tausend Zwangsarbeiter und den Größenwahnsinn der Nazis dokumentieren. Bund und Land hatten 2011 beschlossen, den im Zweiten Weltkrieg errichteten U-Boot-Bunker zu einer Gedenkstätte auszubauen. „Heute ist eine Wegmarke erreicht worden, wir sehen die konkreten Baufortschritte“, sagte gestern Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) bei einem Besuch auf dem Gelände.

Ein Rundweg um den Bunker ist bereits angelegt (wir berichteten). Bis nächsten Herbst sollen Informationstafeln entlang dem Pfad, ein Besucherzentrum im Inneren und ein Multimedia-Guide entstehen.

1943 begann der Bau der gigantischen U-Boot-Werft „Valentin“ im Norden Bremens: 426 Meter lang, 97 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Auf der Baustelle für Europas zweitgrößten überirdischen Bunker mussten täglich etwa 10000 Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene schuften. Mehr als 1100 Menschen starben dabei. In der Werft sollte alle zwei Tage ein U-Boot vom Band laufen. 1945 zerstörten britische Bomben jedoch Teile des Bunkers und begruben damit die Hoffnung der Nazis, den Krieg noch wenden zu können.

Der 1,5 Kilometer lange Rundweg um das Gelände soll nicht nur die Ausmaße des Kolosses veranschaulichen, sondern auch viele verfallene oder unter Büschen verschwundene Schauplätze der Grausamkeit wieder sichtbar machen. Informationstafeln werden an mehreren Stellen historische Fotos von der Baustelle zeigen und Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. „Es leben nur noch ganz wenige“, sagte die Historikerin Dr. Christel Trouvé von der Landeszentrale für politische Bildung, die die Gedenkstätte konzipiert und betreibt. In den vergangenen Jahren führten sie und ihre Kollegen bereits mehrere Interviews. Mit vier ehemaligen Arbeitern stehen sie im Kontakt. Die Tonaufnahmen sollen neben Videos auf einem Multimedia-Guide abrufbar sein, der den Informationspfad um den Bunker ergänzt.

Im Inneren errichtet die Landeszentrale für politische Bildung ein Besucherzentrum mit Ausstellung. Dafür muss sie ein klimatisiertes Gebäude in die riesige Halle einziehen. „Es ist im Sommer relativ feucht hier, im Winter sehr trocken“, sagte Leiter Dr. Thomas Köcher.

Auch die Temperaturen von höchstens zwölf Grad laden Besucher nicht gerade zum Verweilen ein. Der Bund und das Land teilen sich die Kosten für das 4,5 Millionen Euro teure Projekt. Die EU finanziert den Aufbau des Rundwegs mit 400000 Euro.

dpa

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