Früherer Bundespräsident: Gemeinsame Sache machen

Gauck lobt beim Bürgermahl das „Kulturdenkmal des Bürgersinns“

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Joachim Gauck (r.) mit Unterstützerinnen der Bürgerhilfe. Links neben ihm Sozialsenatorin Anja Stahmann.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Der Mann hat Humor, das bewies er am Montagabend mehrfach beim 15. Bürgermahl in der Oberen Rathaushalle. „Soll ich hier weiter dekorativ herumstehen oder gehen wir zum Tisch?“, fragte der frühere Bundespräsident Joachim Gauck nach dem Eintrag ins Goldene Buch und dem Blitzlichtgewitter der Fotografen – mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Gauck war Ehrengast des Bürgermahls der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe (WKB). Er lobte den Bürgersinn und rief dazu auf, dieses „Kulturdenkmal“ zu fördern.

Alt-Bürgermeister Wilhelm Kaisen hätte die Bürgerhilfe gefallen, so Gauck am Ende seiner Festrede überzeugt. Er wünschte sich etwas mehr von diesem Geist, der Gegensätze nicht auslöschen wolle. Vor den gut 180 Gästen, insbesondere Helfer der WKB und Sponsoren, plauderte Gauck aus, dass seine in der Nähe von Bremen lebende Tochter im Sommer 1989 in der Oberen Rathaushalle geheiratet hat. Gauck, damals noch in der DDR lebend, war dabei. 

Ein paar Monate später fiel die Mauer. In eben dieser Halle wurde Wilhelm Kaisen 1952 als Bürgermeister verabschiedet. Im Oktober 1945 hatte Kaisen die heutige WKB als „Bremer Volkshilfe“ gegründet. Der frühere Bundespräsident stellte ihn in den Fokus seiner Festrede. Ein Besuch in New York auf der einen Seite, der Bauernhof in Borgfeld auf der anderen Seite. „Kaisen stand für Gegensätzliches“, so der 77-jährige Gauck.

„Man darf sich freuen, wenn man Gutes tut“

Die Bürgerhilfe unterstütze Schwächere, nicht nur mit Geld, sondern auch mit Chancen, sagte Gauck. Er lobte das Unternehmertum, die Verantwortung für den Bürger. „In Ostdeutschland war das abgestorben, hier habe ich es wiederentdeckt“, so der Theologe. Diese Verantwortung müsse an die nächste Generation weitergereicht werden. Wie schon Bürgerschaftspräsident Christian Weber, der zugleich Vorsitzender der WKB ist, betonte Gauck, dass es Kaisen gelungen sei, unterschiedliche Milieus zusammenzubringen. Man müsse „gemeinsame Sache machen“, nicht wegschauen. Gauck: „Daran wächst man, egal, wie alt man ist.“ Beide Seiten profitierten. „Man darf sich freuen, wenn man Gutes tut“, betonte er.

Weber ehrte später Ulrich Mosel und Michael Muche für ihr besonderes Engagement bei der WKB. Und beim Bürgermahl mit Kükenragout (finanziert durch Sponsoren) wurde wieder gesammelt. 38 875,01 Euro kamen zusammen. Ein integratives Projekt für Kinder der Arbeiterwohlfahrt, ein Schülerprojekt des Paritätischen und das DRK (für ergotherapeutische Angebote) profitieren diesmal davon. Ihre Spenden bezieht die WKB zudem über das „Bremer Loch“ auf dem Marktplatz und über Haussammlungen.

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