Nach deutschem Vorbild

Gastwirt aus Bremerhaven will Tafel nach Griechenland bringen

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Der griechische Gastwirt Alexis Vaiou aus Bremerhaven.

Bremerhaven/Athen - Von Sönke Möhl und Takis Tsafos. Was bedürftigen Menschen in Deutschland hilft, müsste auch in Griechenland funktionieren: Von dieser Überlegung getragen will ein griechischer Gastwirt aus Bremerhaven Lebensmittel-Tafeln in Athen organisieren. Unterstützung kommt vom Chef der Bremerhavener Tafel.

Mit Lebensmittel-Tafeln nach deutschem Vorbild will der griechische Gastwirt Alexis Vaiou aus Bremerhaven die Not armer Menschen in Athen lindern. Gemeinsam mit dem Leiter der Bremerhavener Tafel, Manfred Jabs, möchte er das Projekt in drei sozial schwachen Stadtteilen der griechischen Hauptstadt Athen starten.

Das Generakonsulat in Hamburg und drei Athener Stadtteilbürgermeister hätten schon Unterstützung zugesagt, berichtet die "Nordsee-Zeitung" (Sonntag). "Ich will das System, weil ich es mag", sagt Vaiou über die Tafeln. Im Herbst soll die Verteilung voraussichtlich mit einen Bus und zwei Kühllastern losgehen. Der 38-Jährige, der im Alter von 10 Jahren nach Deutschland kam, hofft, dass viele Griechen die Initiative unterstützen und sie sich nach und nach über das ganze Land ausbreitet.

Für Vaiou ist die Freundschaft zwischen Deutschland und Griechenland besonders wichtig. Das sagte er auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Wahlkampfbesuch im Frühjahr. Seine Einladung ins Restaurant konnte sie damals aber nicht annehmen.

Wichtigster Mitstreiter für Vaiou ist der Chef der Bremerhavener Tafel, Manfred Jabs. In den nächsten Wochen wollen beide zu Gesprächen in die griechische Hauptstadt fliegen. Sie hoffen auf Unterstützung von Unternehmen wie Lidl und Metro, die in Griechenland aktiv sind. Die beiden Initiatoren wollen Aufbauhilfe leisten, indem sie freiwillige Helfer anwerben, Räume suchen, Fahrzeuge besorgen und Lieferanten davon überzeugen, ihre übriggebliebenen Lebensmittel zu spenden. Wichtig sei es, mit den Organisatoren bestehender Hilfssysteme wie Suppenküchen zusammenzuarbeiten, sagt Jabs.

Seit dem Beginn der Finanzkrise sind in Griechenland immer mehr Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen. Hunderttausende Menschen erhalten Essenmarken vom Staat oder werden in kirchlichen Suppenküchen verpflegt.

Die 67 Jahre alte ehemalige Verkäuferin Elena M. geht jeden zweiten Tag zu einer Kirche in Athen und holt sich Nudeln, Milch und Olivenöl. "Wenn es sie nicht gäbe, müsste ich an den Ampeln betteln", sagt sie über die Hilfseinrichtungen. Auch Nachbarschaftshilfe ist verbreitet: "Wir kochen eben etwas mehr und geben ein paar Portionen den Alten im ersten Stock ab", sagt Dimitris Sarris, ein Schuhhändler im Athener Stadtteil Kypseli.

In vielen Supermärkten können Kunden haltbare Lebensmittel für Bedürftige zurücklassen. Die Körbe sind fast immer voll. Zudem organisieren Radiosender und Ärzteorganisationen Medizin-Sammlungsaktionen. Noch verwendbare Medikamente werden eingesammelt und an Patienten ohne Krankenversicherung verteilt.

Die Tafeln in Deutschland sind seit Jahren ein fester Teil des Sozialsystems. In Bremerhaven besitzen rund 1100 Menschen eine Berechtigungskarte. Mit Familienangehörigen profitieren etwa 3300 Menschen in der Seestadt von den gespendeten Lebensmitteln. Das größte Problem sei, immer genug freiwillige Helfer zu finden, sagt Jabs. In Deutschland arbeiten 926 Tafeln mit rund 3000 Ausgabestellen. "Die haben alle voll zu tun." In der nächsten Woche treffen sich Vertreter der Tafeln zu ihrem Bundestreffen in Augsburg. Die Bremerhavener Initiative könnte dort ein Thema sein.

dpa

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