Ganz nah an der Wirklichkeit

Axel Petermann und Claus Cornelius Fischer präsentieren „Die Diagramme des Todes“

+
Claus Cornelius Fischer (l.) und Axel Petermann präsentierten bei Thalia an der Obernstraße ihren Thriller „Die Diagramme des Todes“. Foto: KOWALEWSKI

Premiere: Axel Petermann (66), ehemals Profiler und Leiter der Mordkommission bei der Bremer Polizei, und Krimi-Autor Claus Cornelius Fischer (68) präsentieren am Mittwochabend bei Thalia an der Obernstraße vor 100 Zuschauern ihren zweiten gemeinsamen True-Crime-Thriller „Die Diagramme des Todes“. Der Thriller basiert auf realen Ereignissen im Bremen der 90er Jahre.

Bremen - Der erste von zwei Prologen ist eine Tagebuchnotiz des Mörders. Gedanken eines Verrückten. Darin: eine durchaus leidenschaftliche Beschreibung der Tatwaffe, eines Messers. „Es ist ohne Fehl, und doch wirft es nie den ersten Stein. Es wandert in manch finsterem Tal, aber glaubst Du, es kennt Furcht? Es braucht keine Batterie, nicht Wind noch Sonnenenergie. Und vor allem ist es taub für Heulen und Zähneknirschen.“ Fischer liest mit ruhiger Erzählstimme. Fast könnte man meinen, er trägt alltägliche Gedanken vor.

„Ein bisschen Voyeurismus für uns Leser“

Ähnlich gespenstisch ist der zweite Prolog. Eine Gewaltszene in einem Parkhaus, die am Ende des Buches abgeschlossen wird. Das Opfer heißt Sabine. Die hört erst ein unheimliches Atmen und wird dann von einem Mann mit einer Gasmaske und einem Messer angegriffen. Sie wehrt sich und bekommt das ihr bekannte Gesicht des Täters zu sehen und fragt, warum er das tue. Fischer sagt, er nähere sich einer True-Crime-Geschichte aus Respekt vor der Wirklichkeit anders an als einer erfundenen. „Ich verspüre ein größeres Verantwortungsgefühl, weil es das alles gab und die Leute noch Leben, die mit den Fällen zu tun hatten.“ Moderator Stephan fragt ins Publikum, wie es sich anfühle, Krimis zu lesen, die derart dicht an der Wirklichkeit sind. Eine Zuschauerin sagt: „Ich finde das erschreckend. Es ist aber auch ein bisschen Voyeurismus für uns Leser.“

Eine Lache auf dem Linoleumboden

Täter Robert Melzer wird von seiner Freundin Mariona schlecht behandelt, wie die Zuhörer im Verlauf der Lesung erfahren. Er selbst hegt Gewaltphantasien gegenüber Frauen. Zudem ist er pleite. Er beschließt, eine Prostituierte auszurauben und übt den Einsatz seines Messers vorher an einem Hähnchen. Kommissar Kiefer Larsen stößt im Appartement der später ermordeten Prostituierten auf ein Blutbad. „Das Blut war überall. Ein großer Fleck auf dem Teppich. Eine Lache auf dem Linoleumboden. Spritzer auf dem Bettgestell, dem Tisch, dem Fernseher. Blutspuren fanden sich auch auf dem Glastisch, der Sitzfläche der Couch und der geweißten Wand dahinter“, liest Petermann.

Ermittler Larsen stört sich am Kripobetrieb am Tatort. „Am liebsten wäre er jetzt allein gewesen, nur er und die Leiche des Opfers, in absoluter Stille, umgeben von Schweigen. Sie war da und wartete auf ihn, genau wie der Mörder, dem er nie mehr so nahekommen würde wie in diesem Moment am Tatort“, liest Petermann.

Petermann berichtet aus der Realität

Der unberührte Tatort als Haupterkenntnisquelle? Das war in Zeiten vor der DNA-Analyse tatsächlich so. „Der Dauerdienst rief an. Ich sah zu, so schnell wie möglich am Tatort zu sein. Das war eine regelrechte Wettfahrt mit der Spurensicherung“, sagt Petermann. Viele Stiche, ein zerschnittener BH und einiges mehr. Larsen erkennt bald, der Täter wollte sich in der Tat verwirklichen.

Petermann berichtet aus der Realität. „Ich fragte mich, warum erleben wir Tatorte so, wie wir sie finden. Das FBI hat sich mit Fachleuten, 36  Mördern und Vergewaltigern, zusammengesetzt. Das habe ich übernommen, als ich mich mit Fallanalyse beschäftigte“, sagt Petermann. Er habe Täter im Gefängnis und der Forensik getroffen. Einer sagte, er habe nur 30  Prozent seiner Phantasien umgesetzt.

Info: Zweiter Thriller 

„Die Diagramme des Todes“ ist bei Knaur erschienen. Der True-Crime-Thriller ist für 14,99 Euro als Taschenbuch (ISBN: 978-3-426-52468-8) erhältlich. Außerdem gibt es auch eine Ausgabe als E-Book (ISBN 978-3-426-45591-3). Nach „Elemente des Todes“ (ISBN: 978-3-426-52313-1) ist es der zweite True-Crime-Thriller des Autorenteams Petermann/Fischer.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Gladbach im Vergleich

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Gladbach im Vergleich

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Meistgelesene Artikel

Immobilienfirmen im Visier: Mäurer kritisiert Anschläge scharf

Immobilienfirmen im Visier: Mäurer kritisiert Anschläge scharf

Da ist noch was zu retten: Lesumbrücke auf der A27 wird saniert

Da ist noch was zu retten: Lesumbrücke auf der A27 wird saniert

Atze Schröder kommt nach Bremen - und verrät Details über seine neue Show

Atze Schröder kommt nach Bremen - und verrät Details über seine neue Show

Brennende Autos und Farbschmierereien im Viertel

Brennende Autos und Farbschmierereien im Viertel

Kommentare