Bremerin berichtet über schwere Covid-19-Erkrankung

Nach Corona: Ganz genesen?

Die Corona-Station am Klinikum Mitte. Hier lag eine Bremerin nach einer schweren Corona-Erkrankung. Auch nach Monaten fühlt sie sich schlapp.
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Die Corona-Station am Klinikum Mitte. Hier lag eine Bremerin nach einer schweren Corona-Erkrankung. Auch nach Monaten fühlt sie sich schlapp.

Nach einer Corona-Erkrankung genesen, heißt es in der Statistik - das ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit gesund, zumindest nicht nach einer schweren Erkrankung. Das hat eine Bremerin am eigenen Leib erfahren. Auch ein halbes Jahr später ist sie immer noch sehr schwach.

Bremen – „Ende Oktober habe ich Symptome wie Husten gehabt. Ich habe das erst nicht so ernst genommen“, erzählt Maren (68) aus Bremen, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Ich hatte öfter mal Husten“, sagt sie. Was dann folgte, war ein schwerer Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Darüber berichtet sie im Gespräch mit unserer Mediengruppe.

Zu dem Husten bekam die 68-Jährige Fieber, es stieg auf mehr als 40 Grad. „Ein Bekannter brachte mir Eis. Es schmeckte nach Pappe und Metall.“ Nachdem die Geschmackstörungen aufgetreten waren, telefonierte sie mit ihrem Hausarzt. „Der sagte, ich soll sofort ins Krankenhaus“, sagt Maren. Im Klinikum Bremen-Mitte erfolgt ein Abstrich, nach einem Tag ist klar: Es liegt eine Corona-Infektion vor. Maren wechselt auf die Corona-Station und bekommt Remdesivir, Cortison und Antibiotika.

Bremerin bekommt schlecht Luft

Dort liegt sie ein mehrere Tage. „Es wurde jeden Tag Blut abgenommen“, sagt Maren. „Das Blut war voller Bakterien, eine Art Sepsis, sagte ein Arzt. Es war auch ein hoher Wert an Corona-Viren im Blut.“ Teilweise bekommt sie schlecht Luft. Sie wird mit Maske beatmet. Laufend wird Blut abgenommen. Die Sauerstoffsättigung im Blut geht zurück.

Dann verschlechtert sich die Lage noch mehr, mitten in einer Nacht. „Ich bekam keine Luft. Das waren schon Todesängste“, berichtet die Bremerin. Sie muss auf die Intensivstation. „Da in Mitte kein Bett frei war, wurde ich ins Klinikum Links der Weser verlegt.“ In ihrem Zustand gefällt das der Patientin gar nicht. „Ich wollte nicht woanders hin. Aber die Schwester sagte, sie wolle nicht, dass ich hier morgen tot liege.“ Auf der Intensivstation wird ihre Lunge fast jeden Tag geröntgt.

„Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten“

Nach 15 Tagen Krankenhaus wird Maren entlassen, immer noch sehr geschwächt. „Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten. Ich hatte hohe Entzündungswerte und Fieber“, sagt sie.

Die 68-Jährige lebt allein. Zunächst macht ein Freund die Besorgungen. Mittlerweile geht sie aber wieder Einkaufen. Danach muss sie sich aber sofort hinlegen, erzählt sie. Der Weg zum Einkaufen ist für sie eine größere Angelegenheit. „Ich kann nur kleine Wege machen. Danach bin ich erschöpft“, erzählt sie – sechs Monate nach der Erkrankung.

Treppen zu steigen, das fällt ihr immer noch schwer. „Die Schwäche ist schlimm“, sagt sie. Noch leidet sie unter extremer Müdigkeit, ist schlapp, so die Rentnerin. Hinzu kommen weiterhin Konzentrations- und Sprachfindungsstörungen sowie Gelenkschmerzen. „In der vergangenen Nacht bin ich aufgeschreckt. Ich habe keine Luft mehr bekommen. Ich habe erstmal das Fenster aufgerissen“, sagt sie.

Sie hat keine Vermutung, wo sie sich angesteckt haben könnte. „Ich war immer vorsichtig und habe immer eine Maske getragen“, sagt die Bremerin. Am Tag nach dem Gespräch mit unserer Zeitung steht eine Reha an der Ostsee an. Diese soll helfen, den Gesundheitszustand der statistisch zu den „Genesenen“ zählenden Frau weiter zu verbessern.

Selbsthilfegruppe für Corona-Genesene

Mit Hilfe des Vereins „Netzwerk-Selbsthilfe Bremen/Nordniedersachsen“ wurde eine virtuelle Selbsthilfegruppe von Corona-Genesenen ins Leben gerufen. Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 28. April, um 17 Uhr virtuell statt. Eine Anmeldung per Telefon oder E-Mail ist erforderlich (0421/70 45 81, info@netzwerk-selbsthilfe.com). Auch können sich Interessenten auf eine Warteliste für die Teilnahme an einer bereits bestehenden Präsenzgruppe Corona-Genesener setzen lassen, die sich mit maximal zehn Personen in den Räumen des Vereins in der Faulenstraße 31 (Stephaniviertel) in Bremen trifft. www.netzwerk-selbsthilfe.com

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