Rippert kennt Gefahren durch Blindgänger genau

Bremens Sprengmeister: „Ganz Bremen mit Bomben belastet“

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Sprengmeister Andreas Rippert im Einsatz an der Baustelle „Löwenhof“ in der Überseestadt. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Mehr als 600 Sprengbomben aus dem Zweiten Weltkrieg hat Andreas Rippert bisher in seinem Leben entschärft oder gesprengt. Der Leiter des Kampfmittelräumdienstes der Polizei Bremen hat derzeit durch die zahlreichen Bombenfunde am Baugrundstück „Löwenhof“ in der Überseestadt besonders viel zu tun.

Im Interview steht Bremens Sprengmeister Rede und Antwort.

Fünf Funde auf einem einzigen Baugrundstück in der Überseestadt, haben Sie damit gerechnet?

Andreas Rippert: So viele große Sprengkörper auf so einer kleinen Fläche waren nicht vorherzusehen. Wir haben aber mit Kampfmitteln gerechnet. Auf der gegenüberliegenden Seite, wo jetzt ein Parkplatz ist, haben wir Brandbomben gefunden. Der Baggerfahrer vor Ort ist gut und vorsichtig. Es ist aber auch immer jemand vom Kampfmittelräumdienst da. Sonst dürften die Arbeiten da auch gar nicht stattfinden.

Wo in Bremen sollte man denn besonders wegen möglicher Blindgänger aufpassen?

Rippert: Bremen ist im Zweiten Weltkrieg sehr stark bombardiert worden. Es gab 173 Luftangriffe. 26 000 Tonnen Bombenlast wurden dabei abgeworfen, etwa 100 000 Spreng- und Millionen von Brandbomben. Etwa 16 Prozent waren Blindgänger. Aufpassen sollte man sicherlich im Bremer Westen, den Hafengebieten und Woltmershausen, sicher auch im Blockland. Eigentlich ist aber ganz Bremen belastet, außer den meisten Bereichen von Bremen-Nord.

Wie viel Bomben wurden in Bremen bereits entschärft? Wie viele Sprengbomben liegen schätzungsweise noch in der Erde?

Rippert: Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden etwa 16 000 Sprengbomben entschärft, davon 10 000 in den ersten vier Jahren nach Kriegsende. Wie viele im Krieg entschärft wurden, wissen wir nicht. Vermutungen zu der Zahl der Blindgänger sind reine Kaffeesatzleserei. Wenn es 17 Prozent Blindgänger gewesen sind, haben wir 1 000 Sprengbomben mehr in der Erde. Da kommen weitere Faktoren hinzu. Auf weichem Moorboden gibt es mehr Blindgänger als auf hartem Boden.

Welche Bomben sind am gefährlichsten?

Rippert: Amerikanische Bomben mit Langzeitzünder. In diesen Fällen habe ich bisher immer gesagt, wir sprengen. Die Zünder arbeiten mit einem Säuresystem. Sie sind so dicht abgeschlossen, dass sie heute noch funktionieren. Die Unfälle bei Entschärfungen sind alle auf diesen Zünder zurückzuführen.

Kann man nicht anhand alter Luftaufnahmen systematisch nach Blindgängern suchen und Bremen von ihnen befreien?

Rippert: In Niedersachsen machen die Behörden das und wenden sich an die Städte, wenn ein Blindgänger gefunden wurde. In Bremen ist das aufgrund der starken Bombardierung schwierig. Man sieht nur die Blindgänger als Punkte, nicht aber, was in den Trichtern ist. Viele Blindgänger erkennt man wegen den umliegenden Zerstörungen nicht. Die fünf Blindgänger aus der Überseestadt hätten wir mittels Luftaufnahmen nicht finden können.

Wie gefährdet sind Bürger, die in ihrem Garten oder auf anderen Plätzen auf Sprengmittel stoßen?

Rippert: Wenn die Bürger sich an gewisse Regeln halten, ist die Gefahr für sie gering. Man muss vorsichtig sein, nicht mit dem Spaten draufschlagen und die verdächtigen Gegenstände möglichst nicht anfassen oder bewegen. Am besten, man informiert die Polizei über den Fund. Wenn der Gegenstand mächtig stinkt, könnte es eine beschädigte Phosphor-Bombe sein. Weißer Phosphor entzündet sich in Verbindung mit Sauerstoff. Man kann ihn vorübergehend mit Wasser und Sand löschen. Hat man ihn an der Hand, muss das Gewebe operativ entfernt werden.

Zur Person

Andreas Rippert, 1958 in Berlin geboren, ging freiwillig zur Bundeswehr. Bei den Minentauchern bekam er Weiterbildungen in Munitionskunde. 1985 begann er beim Kampfmittelräumdienst Hamburg, 1995 wechselte er nach Bremen.

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