Freche Komödie mit schiefem Bühnenbild

Gangsterschwank mit 50er-Feeling im Bremer Kriminaltheater

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Grazie trifft Riesenbaby: Mrs. Wilberford (Nina Arena) schüttelt Knoxton (Mateng Pollkläsener) die Hand. Dahinter: Marcus (Martin Leßmann,v.l.), Louis Harvey (Guido Maria Kober) und Major Claude Courtney (Mark Derichs).

Bremen - Von Martin Kowalewski. Einfach stilecht. Mrs. Wilberford (Nina Arena) ist eine durch und durch britische Seniorin der 50er. Höflich in den Umgangsformen, stolz auf ihren auf See gefallenen Mann, hat sie ein schickes Telefon mit Goldelementen und bietet Gästen immer Tee an.

Dennoch wird sie vom Verbrechen heimgesucht. Mit der Gangsterkomödie „Ladykillers“ greift das Bremer Kriminaltheater auf die bekannte, gleichnamige Filmvorlage von 1955 zurück. Der freche und lustige Krimischwank begeisterte am Freitagabend das Premierenpublikum.

Bei allem Stil, das Haus von Mrs. Wilberford ist einfach windschief, auch von innen. Unter einem freien Zimmer steht eine Küchenzeile. Die Wand neben der ständig hakenden Zimmertür fehlt. Durch das Fenster kommt Rauch, immer, wenn Züge vorbeifahren. Der herrlich schiefe Bau auf der Bühne ist einfach schön, passend und originell.

Gut genug ist das Gästezimmer für den vermeintlichen Professor Marcus (Martin Leßmann). Dieser zieht ein und probt mit drei Freunden ein Streichquartett. Doch die wunderbaren Klänge aus dem bekannten Menuett von Luigi Boccherini kommen vom Grammophon. 

Marcus und seine Freunde können aber Boccherini singen, um der Seniorin klarzumachen: „Bitte keinen Tee mehr.“ Bei den Männern handelt es sich in Wirklichkeit um Gangster. Sie planen einen Raubüberfall und begehen diesen auch. Unwissend holt Mrs. Wilberford die stolze Beute für die Gangster vom Flughafen ab.

Überzeugend dargestellte Originale

Schauspielerin Nina Arena verleiht der alten Dame altersbedingte Verwirrtheit, kompromisslos höfliche Umgangsformen und unerschütterliche Prinzipientreue in Moralfragen. Auch die vier Gangster erklimmen als überzeugend dargestellte Originale die Bühne. Äußerst höflich und sogar wirklich empathisch ist Gentleman und Major Claude Courtney, gespielt von Martin Leßmann, fast ein Gegenstück zu der Gastgeberin.

Mateng Pollkläsener gelingt daneben die geradezu virtuose Verkörperung des stark zurückgebliebenen, aber mit Muskeln bepackten Riesenbabys Knoxton. Dieser lässt die Sache letztlich durch seine Ungeschicklichkeit auffliegen. Beim Abschied von der Seniorin geht sein geldgefüllter Cello-Koffer auf. 

Die Seniorin bleibt höflich, aber unerbittlich: Das Geld muss zurück. Die vier Gangster versuchen, es wieder mit Boccherini: „Nicht das Geld zurück.“ Erfolglos. Sie beschließen, die alte Dame umzubringen, gehen dann aber zunehmend aufeinander los.

Mit britischem Humor

Ein sehenswerter Gangster-Schwank mit britischem Humor, der zunächst etwas gemächlich daher kommt, dann aber mächtig Fahrt aufnimmt. Alle Mitspieler treffen ihre Rollen von Beginn an hervorragend. Bei den etwa 200 Zuschauern im fast ausverkauften Theater kommt besonders die Situationskomik an.

Nächste Vorstellungen des Kriminaltheaters, das sich in der Union-Brauerei in Walle (Theodorstraße 13a) befindet: Donnerstag bis Sonntag (15. bis 18. März), jeweils um 20 Uhr; Eintritt ab 14 Euro.

www.bremer-kriminal-theater.de

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