Forscher revolutionieren Konzept des Autos / Freiheiten bei Technik und Design

Futuristisches Mondgefährt

Das am DFKI in Bremen entwickelte Auto der Zukunft wirkt mit seinem höhergelegten Fahrwerk und der kuppelartigen Passagierkabine wie ein futuristisches Mondgefährt. ·
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Das am DFKI in Bremen entwickelte Auto der Zukunft wirkt mit seinem höhergelegten Fahrwerk und der kuppelartigen Passagierkabine wie ein futuristisches Mondgefährt. ·

Bremen - Von Irena GüttelEin Autokauf will bekanntlich wohl überlegt sein. Brauche ich einen schlanken Stadtflitzer, der in jede Parklücke passt? Eine geräumige Familienkutsche oder besser gleich einen Transporter? Alles zugleich geht nicht. Noch nicht.

Bremer Wissenschaftler haben ein intelligentes Elektroauto entwickelt, das seine Form verändern kann, so wie der Fahrer es gerade wünscht. Auf der „Cebit“ in Hannover wollen sie es erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Was aus heutiger Sicht wie Science-Fiction klingt, macht vor allem die Einführung von Elektromobilen möglich. Da ein platzraubender Motorraum wegfällt, gibt es ganz neue Freiheiten bei Technik und Design. „Wir revolutionieren das Konzept des Autos, indem wir es aufspalten“, sagt der Leiter des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen, Frank Kirchner.

Einem Auto im klassischen Sinne sieht der Prototyp daher wenig ähnlich. Vielmehr erinnert er mit seinem höhergelegten Fahrwerk und der kuppelartigen Passagierkabine an ein futuristisches Mondgefährt. Ausgangspunkt für das Auto der Zukunft ist ein Zweisitzer mit einem flexiblen Fahrwerk, vier Radnabenmotoren und Rädern, die sich um 90 Grad drehen lassen. Dadurch kann der Wagen auf der Stelle wenden, seitwärts oder diagonal fahren, was das Einparken leichter macht. Und sollte die Parklücke trotzdem noch zu eng sein, kann sich das Auto einfach einen halben Meter kürzer machen, indem es sein Fahrwerk zusammenschiebt.

Noch wichtiger ist die Schrumpfkur jedoch für die zentrale Idee der Bremer Wissenschaftler: das Koppeln von mehreren Fahrzeugen aneinander. Will der Fahrer auch noch die Kinder mitnehmen, hängt er ein zweites Modul mit Passagierkabine an. Geht es zum Baumarkt, kommt die Laderampe dran. Das Auto besteht also immer nur aus den Teilen, die gerade notwendig sind. Das spare Energie und erhöhe damit die Reichweite, erläutert Kirchner.

Auf längeren Strecken können sich außerdem mehrere Autos zu Konvois verbinden, was ebenfalls die Batterie schont. Der Fahrer kann währenddessen entspannt Zeitung lesen, denn der schlaue Wagen organisiert den Zusammenschluss selbst, indem er mit anderen Fahrzeugen kommuniziert. Im nächsten Schritt soll das Auto auch selbstständig fahren, einparken oder an eine Ladestation andocken können.

Das Auto denkt und lenkt. Der ADAC in München ist da skeptisch. „Der Mensch ist in seiner vielfältigen Sensorik technisch bislang nicht zu ersetzen“, meint Verkehrsexperte Christoph Hecht. „Wir sehen da momentan noch einen weiten Weg.“ Zumal die Straßenverkehrsordnung solche Konvois gar nicht zulasse, weil unklar sei, wer bei einem Unfall für den Schaden hafte.

Zur Zeit führt das DFKI dafür Gespräche mit der Messegesellschaft Hannover. Dort könnten dann von 2014 an zehn bis 20 der intelligenten E-Autos Besucher von einem Ausstellungsgebäude zum anderen transportieren. · lni

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