Von Thomas Kuzaj

Der Futurist und die Bremer Politik

Sowjet-Futurist: Wladimir Wladimirowitsch Majakowski.

Bremen - · Russische Literatur als Gegenstand der parlamentarischen Auseinandersetzung? Da behaupte noch mal jemand, Bürgerschaftsdebatten hätten nicht das wünschenswerte Niveau!

Vor der Wahl des neuen Wirtschafts-, Häfen- und Justizsenators Martin Günthner (SPD) jedenfalls ging es gestern um Wladimir Wladimirowitsch Majakowski (1893 bis 1930), laut Internet-Lexikon Wikipedia „ein sowjetischer Dichter und ein führender Vertreter des russischen Zweigs des Futurismus“. Was hat ein Sowjet-Futurist mit Bremen zu tun?

Allerlei, wenn man es denn so sehen will. Und CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp wollte es so sehen. Der Grund: Bis vor wenigen Tagen war Martin Günthner, damals noch einfacher Abgeordneter, Autor eines Internet-Blogs mit dem Namen „http://www.majakowski.com“.

Als nach dem Rücktritt von Ralf Nagel in der SPD die Entscheidung reifte, Günthner zum Senatorenkandidaten zu machen, wurde dessen privater Internetauftritt (Eigenwerbung: „Politisch – tendenziös – (r)revolutionär“) plötzlich abgeschaltet („Die Seite wird überarbeitet“). Röwekamp wies genüsslich darauf hin. Dann ließ er ein paar Bemerkungen zu Majakowski folgen. Josef Stalin habe den einen der „besten Dichter der Sowjetunion“ genannt, eines seiner bekanntesten Werke sei „Die Wanze“. Klar: Röwekamp steuerte auf die Frage zu, ob ein Politiker, der seinen Internetauftritt nach so einem Mann benennt, denn als Senator „die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft“ so richtig vertreten könne: „Jemand, der sich um ein solches Amt bewirbt, muss sich an dem messen lassen, was er bisher gemacht hat.“

Flapsige und nicht immer geschmackssichere Bemerkungen über den politischen Gegner, Anmerkungen zu Bremerhaven und Fußball, Musik und Eisbär „Knut“ – solche Themen sind es, über die Günthner in seinem Blog schrieb. Nichts Futuristisches. Ein Privatvergnügen eben.

Und Majakowski? Dessen Komödie „Die Wanze“ zum Beispiel setzte sich – was Röwekamp nicht erwähnte – 1929 kritisch mit der Entwicklung der sowjetischen Gesellschaft auseinander.

Den Wandel der Gesellschaft mitgestalten, die Welt verändern mit den Mitteln der Kunst – das wollte so mancher Künstler in den Jahren nach der Russischen Revolution. Viele glaubten daran, man denke nur an Heinrich Vogeler, der 1923 erstmals in die Sowjetunion reiste. Das Museum Ludwig in Köln zeigte jüngst eine Ausstellung mit Fotografien aus dieser Epoche. Einer der Porträtierten: Majakowski.

WWW.

museenkoeln.de/museum-ludwig/default.asp?s=877

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