Holger Dambeck klärt über Ballphysik, Mythen und Zufall auf

Fußball ist ein bisschen Mathe

Wissenschaftsjournalist Holger Dambeck erklärt, welche Kräfte beim Wembley-Tor gewirkt haben. Er weiß: Fußball ist wenigstens ein bisschen auch Mathematik.

Bremen - BREMEN (vs) · Einst schimpfte Karl-Heinz Rummenigge: „Fußball ist keine Mathematik.“ Warum die Behauptung des ehemaligen Stürmer-Stars nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, zeigte der Wissenschaftsjournalist Holger Dambeck bei seinem Vortrag im Universum.

Gerichtet war die kleine Stichelei – nach einem sicher geglaubten Sieg – an den damaligen Trainer von Bayern München, Ottmar Hitzfeld, der nicht nur eine Ausbildung als Fußball-, sondern auch als Mathematiklehrer genossen hat. Bei seinem Vortrag in der „Schaubox“ des Universums lehrte Holger Dambeck über wissenschaftliche Fußballweisheiten und klärte über Ballphysik, Fußballmythen und die Rolle des Zufalls auf.

„Bananenflanken“ sind ja schön anzusehen – zumindest für den Zuschauer. Aber wie entstehen sie? Bei einem mit dem Außenrist getretenen Kunststoß spielt für die Rotation neben der Geschwindigkeit die Reibung des Balls an Luft und Rasen eine Rolle. „Hinter dem Ball entstehende Wirbelschleppen und die so genannte Magnus-Kraft verleihen dem Ball den nötigen Effet“, wusste der 40-jährige Redakteur von „Spiegel Online“.

Mit dieser speziellen Kraft stand gleich eine der wichtigsten Fragen der Fußballgeschichte auf dem Plan: War das umstrittene Wembley-Tor im Spiel zwischen Deutschland und England bei der Weltmeisterschaft 1966 ein Tor? Das Video, das Dambeck zeigt, sagt: Nein. Hätte sich der Ball auch ins Tor drehen können? „Der Ball muss die Latte schon in einer ganz bestimmten Weise treffen, um so wieder herauszufliegen, wie er es getan hat“, so der Experte. Hätte der Ball die Torlatte nur ein paar Millimeter entfernt getroffen, der Ball wäre in eine andere Richtung geflogen.

Dambeck verrät auch einen Torhüter-Trick: Positioniert dieser sich beim Elfmeter ein paar Zentimeter von der Tormitte entfernt, zielt der Schütze in sechs von zehn Fällen in die offenere Ecke. Er zeigte noch, dass ein roter Dress beim Sport die Farbe der Sieger, ein Tor vor der Pause nicht besonders wichtig und Fußball auch ein bisschen ein Glücksspiel ist.

Bei der Analyse der Bundesliga geht es mathematisch ans Eingemachte: Torverteilung und mittlere Tordifferenz sagen viel über die Spielstärke einer Mannschaft aus, und Werder Bremen hätte nach dem 20. Spieltag in der Bundesliga noch eine 0,1-prozentige Chance auf den Meistertitel gehabt. Dambecks Fazit: „Fußball ist Mathe – zumindest teilweise.“

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