Furioser Pub-Besuch

Speedfolk von „Fiddler’s Green“ vertreibt trübe Gedanken

+
Das „Modernes“ wird zum Pub: Pat Prziwara (v.  r.) , „Fiddler’s-Green“-Gründer Ralf „Albi“ Albers, Tobias Heindl und Stefan Klug sorgen für ausgelassene Stimmung.

Bremen - „In Jena darfst Du nicht Erfurt sagen, in Bremen nicht Hamburg“, sagt Pat Prziwara zu Ralf Albers, der ein weiteres Konzert im Norden ankündigte und ein paar Pfiffe erntete – es sollte der einzige Fauxpas bleiben, der „Fiddler’s Green“ am Mittwochabend im „Modernes“ unterlief. Ansonsten lieferte die Formation aus Erlangen ein Konzert mit Wohlfühl-Atmosphäre ab.

Das geht schon mit dem Auftakt los: Kein Warten, kein Verzögern – pünktlich um acht legt die sechsköpfige Formation los. Am Anfang noch mit angezogener Handbremse. Als Brustlöser bewährt sich „Down“, das wie der peruanische Song „El Condor Pasa“ beginnt, um dann eine Fahrt aufzunehmen, die nicht von ungefähr an die „Leningrad Cowboys“ erinnert.

Da geht es dann los im Saal unter den rund 700 Zuhörern. Es wird getanzt, gewippt, die Arme werden in die Luft gereckt. Befürchtungen, „Fiddler’s Green“ würde das meist ruhige Programm des Albums „Acoustic Pub Crawl“ in den Vordergrund stellen, sind spätestens jetzt verflogen.

Und spätestens jetzt erkennen Frischlinge unter den Konzertbesuchern, was es mit dem Folk-Rock Marke „Fiddler’s Green“ auf sich hat. Speedfolk nennt die Gruppe das; die typische Instrumentierung einer irischen Folk-Band (mit der Rahmentrommel Bodhrán) wird verbunden mit Ska-, Punk-, Metal- und Reggae-Elementen. Gemein haben viele Songs einen treibenden Rhythmus, den „Fiddler’s Green“ seit mehr als 25 Jahren kultiviert hat.

Abmischung nicht ganz so furios 

Von den sechs Gründungsmitgliedern aus dem Jahr 1990 sind zwei geblieben, aber drei der restlichen vier sind auch schon seit der Jahrtausendwende dabei. Was sich im furiosen Zusammenspiel zeigt. Nicht ganz so furios ist die Abmischung. So manche Textzeile, hat man den Eindruck, schafft es nicht mal über die Bühnenrampe. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch. Trübe Gedanken sind verflogen.

Und irgendwann im Laufe des Abends kommen dann „Klischees und eine Niveausenkung“ auf den Tisch, oder besser, auf die Theke: „Jetzt kommt ein Sauflied.“ Furcht vor Exzessen braucht hier aber niemand zu haben. Eine junge Frau und ein Mann melden sich, als es um eine Form der „Mitwirkung“ geht. Wer schafft eine Flasche Bier schneller zu leeren? Großes Gejohle, die Frau natürlich. Zum Brüller wird die Einlage, als Annika – wie sie sich vorstellt – gefragt wird, wo sie am nächsten Morgen um acht sein muss. „In der 4 a“. Prost! Die Band reagiert sofort: „Handys aus! Wir brauchen Lehrer.“ Der Trinkwettbewerb hat tatsächlich so etwas wie einen Sinn: Die geleerte Sieger-Flasche wird kopfüber auf einen Stab gesteckt und dient als Rhythmusinstrument.

Das entspannte Miteinander von Band und Publikum gipfelt in der Zugabe „Bugger off“. Selten durfte man einer Band so gelassen ein gepflegtes „Fuck You“ entgegenschleudern. Den Leuten gefällt’s. Zweimal holen sie „Fiddler’s Green“ auf die Bühne zurück. Nach mehr als zwei Stunden ist dann Schluss im Pub. Vor lauter Musik ist man kaum zum Biertrinken gekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Neue Union: CDU/CSU positionieren sich für Schulz und Co.

Neue Union: CDU/CSU positionieren sich für Schulz und Co.

Diese Promis bekennen sich zu Bitcoin - und sagen das voraus

Diese Promis bekennen sich zu Bitcoin - und sagen das voraus

China baut Militärstützpunkte im Südchinesischen Meer aus

China baut Militärstützpunkte im Südchinesischen Meer aus

Das sind die teuersten Promi-Flitzer aller Zeiten

Das sind die teuersten Promi-Flitzer aller Zeiten

Meistgelesene Artikel

Sitzkissen und Sternenhimmel in der Bremer Liebfrauenkirche

Sitzkissen und Sternenhimmel in der Bremer Liebfrauenkirche

Keramik, Schals und Vogelhotels

Keramik, Schals und Vogelhotels

Unbekannter Toter in Bremerhaven aufgefunden

Unbekannter Toter in Bremerhaven aufgefunden

Schnee bringt in Bremen Flugbetrieb durcheinander

Schnee bringt in Bremen Flugbetrieb durcheinander

Kommentare