Entwicklung auf altem Kellogg-Gelände in Bremen

Architektur statt Cornflakes auf „Überseeinsel“

Stephaniquartier: Drei Gebäude entwirft das Büro „Allmann Sattler Wappner“.
+
Stephaniquartier: Drei Gebäude entwirft das Büro „Allmann Sattler Wappner“.

Bremen – Die Entwicklung der „Überseeinsel“ auf dem ehemaligen Kellogg-Gelände, auf dem noch bis 2017 Frühstücksflocken produziert wurden, nimmt Fahrt auf. Jetzt sind die Entwürfe für die Bebauung der ersten beiden Plangebiete „Neu Stephani-Ost“ und „Stephani-Bogen“, die nebeneinander zwischen der Straße Auf der Muggenburg und der Weser liegen, ausgewählt worden. „Die Architektur denkt funktional an morgen“, lautet die programmatische Zielsetzung der Projektgesellschaft „Überseeinsel“.

  • „Überseeinsel“: Plangebiete für fast 600 Wohnungen.
  • Investitionssumme liegt bei 800 Millionen Euro.
  • Silotürme werden zum Hotel.

In zwei Preisgerichtssitzungen unter dem Vorsitz des ehemaligen Hamburger Oberbaudirektors Jörn Walter hat sich die Jury einstimmig für die Vorschläge der drei Architekturbüros „Robert Neun“ (Berlin), „Allmann Sattler Wappner“ (München) und „Felgendreher Olfs Köchling“ (Bremen/Berlin) entschieden. Maike Schaefer (Grüne), unter anderem Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnungsbau, kommentierte: „Wir können den Bremerinnen und Bremern an dieser Stelle ein besonderes Stück Stadt zurückgeben – und dank der Vielfältigkeit und Flexibilität der Entwürfe ist nun sicher, dass hier Räume mit hoher Lebensqualität entstehen.“ Senatsbaudirektorin Prof. Dr. Iris Reuther lobte die „städtebauliche und architektonische Qualität der Entwürfe“ und deren „Zusammenspiel als neues Ensemble direkt an der Weser“.

Bremer „Überseeinsel“: Entwürfe werden kombiniert

Die Wettbewerbsausschreibung der Plangebiete orientierte sich am Rahmenplan der Überseeinsel, der im Oktober 2019 beschlossen wurde. Im Plangebiet „Stephani-Ost“ sollen rund 300 neue Wohnungen entstehen. Laut Johannes Aderholz, Geschäftsführer der Projektgesellschaft, werden unterschiedliche Entwürfe kombiniert. „Das ist eine Besonderheit des Realisierungswettbewerbs.“ So werden drei der fünf Gebäude sowie die Freiraumgestaltung vom Architekturbüro „Allmann Sattler Wappner“ (in Zusammenarbeit mit Rabe Landschaftsarchitekten) realisiert und zwei Gebäude vom Architektenbüro „Felgendreher Olfs König“.

Die Idee der Münchener Architekten habe die Jury „mit ihren architektonischen Anklängen an das ,Bremer Haus‘ und die Industriegeschichte des Ortes sowie durch vielfältige Bezüge zur Weser“ überzeugt, heißt es. Erkennbar sei das alles an der Materialauswahl und den Farben der Fassaden. Freiräume, Höfe und Spielflächen sollen das Quartier verbinden und beleben. Für die Pläne des Berlin-Bremer Büros sprechen „flexible Wohnungsgrundrisse mit geringer Tiefe, welche einen optimalen Lichteinfall und viele Sichtachsen zum Quartier ermöglichen“. Architektonisch nehme der Entwurf den Bezug zu den angrenzenden Bürogebäuden auf und bilde somit „ein verbindendes Element und eine harmonische Überleitung in das Quartier“.

Bremer „Überseeinsel“: Vielfalt im Detail

Der erste Preis für den nach Westen hin spitz zulaufenden Stephani-Bogen ging an das Architekturbüro „Robert Neun“. „Hier steckt die Vielfalt im Detail“, heißt es. Der großformatige Komplex gliedere sich in fünf Gebäude, von denen jedes durch unterschiedlich gestaltete Treppenhäuser, Loggien, Wintergärten, Balkone und Fassaden charakterisiert werde. Drei Innenhöfe sind als Hofgarten, Spielhof und Gewerbehof angelegt und sollen Freiräume schaffen. Ein Schwimmbad und ein Gesundheitszentrum mit Arztpraxen, Fitnesseinrichtung und eine Apotheke sind ebenso vorgesehen wie Flächen für Labore und Büros sowie kleinteilige Gewerbeeinheiten für Handwerk, Kreative, Künstler und individuellen Einzelhandel. „Im Stephani-Bogen geht es um etwa 280 Wohnungen und 12 000 Quadratmeter Gewerbefläche“, hieß es auf Nachfrage.

Stephanibogen: Nach dem Entwurf des Berliner Architektenbüros „Robert Neun“ soll ein großformatiger Komplex aus fünf mehrstöckigen Gebäuden realisiert werden.

Jetzt geht es an die Umsetzung und Konkretisierung der Pläne, sagte Klaus Meier, Investor und Initiator der „Überseeinsel“ nach dem aus seiner Sicht „gelungenen Auswahlverfahren“. Die Fertigstellung der Gebäude wird für Anfang 2024 anvisiert.

Bremer „Überseeinsel“: 120 Zimmer in acht Silotürmen

Das alte Reislager auf dem ehemaligen Kellogg-Areal ist weg. Eine neue Markthalle soll an ebenjenem Platz in bekanntem Outfit entstehen. Die gemeinnützige Gemüsewerft baut auf einem 2 000 Quadratmeter großen Grundstück an der Zufahrt von der Schlachte auf das Baugrundstück vor allem Hopfen an. Ins frühere Verwaltungsgebäude des Cornflakes-Herstellers ist eine Ganztags-Grundschule gezogen. Seit September werden hier zwei erste Klassen unterrichtet. Das in den markanten Silotürmen geplante 120-Zimmer-Hotel hat seinen Namen bekommen. Es soll fortan „John and Will“ heißen, ist auf der Homepage der Projektgesellschaft „Überseeinsel“ zu lesen.

Anders ausgedrückt: An der Weser in Verlängerung der Schlachte wächst etwas Neues. Auf 15 Hektar. „Hier entsteht ein neues Stück Stadt“, sagte der damalige Bausenator Joachim Lohse (Grüne) bei der Präsentation der ersten Pläne. Und: „Das Areal birgt ungeheure Potenziale.“ Mitte 2018 ist das Gelände an den Windparkprojektierer WPD verkauft worden. WPD-Gründer Klaus Meier ist Investor und Chefplaner. Er ist mit seiner Firma seit Jahren in der Überseestadt ansässig und „hat den Finger gehoben, als Kellogg 2016 öffentlich gemacht hat, dass die Produktion geschlossen wird und die Diskussion um die Nachnutzung begann“. Die „Überseeinsel“ soll ein nachhaltiges und wegweisendes Quartier werden, so Meier. Senatsbaudirektorin Iris Reuther sagt: „Im Mittelpunkt stehen Lebendigkeit, Urbanität und ein charaktervolles Stadtbild.“ Und weiter: „Es geht nicht nur um Quadratmeter, sondern um Qualität.“ Laut städtebaulichem Vertrag sind unter anderem 1 200 neue Wohnungen geplant.

Baugrube: Noch steht ein Bunker auf dem zukünftigen Baugebiet zwischen Muggenburg und Weser.

Bremer „Überseeinsel“: Autos werden ausgeladen

Identitätsstiftende Gebäude sollen erhalten bleiben. Dazu zählt eben das Silo mit seinen acht 40 Meter mal 50 Meter hohen Türmen, das zu einem „coolen und hippen“ 120-Zimmer-Hotel mit zehn Ebenen, Bürolofts und „einer Bar im Glaskasten auf dem Turm“ umgebaut werden soll. Dafür hat die „Überseeinsel“-Gesellschaft das Wiener Architektenbüro Delugan Meissl ins Boot geholt. Nebenan soll ein neues Reislager entstehen und zur Markthalle mit Bäckerei, Brauerei und Foodcourt werden. Die Fäden im Reislager zieht die Brüning-Gruppe aus Fischerhude. Zum Jahreswechsel soll der Neubau ausgeschrieben werden. Hotel und Markthalle sollen im dritten Quartal 2022 fertig sein.

Das Quartier wird weitgehend autofrei geplant. „Autos werden ausgeladen“, lautet der Slogan. Soll heißen: Kein Autoverkehr innerhalb des Quartiers, aber „genügend“ zentrale Stellplätze für die Bewohner in Parkhäusern. Plus Carsharing plus Ladesäulen für E-Mobile. Außerdem sollen laut Meier 80 bis 85 Prozent der Energie für Mobilität und Heizungen im Quartier aus Windkraft erzeugt werden. Für das Gesamtvorhaben wird ein Zeitraum von etwa zehn Jahren veranschlagt. Bis dahin sollen auf der „Überseeinsel“ 800 Millionen Euro investiert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Biden wird als Präsident vereidigt - Trump ist nicht dabei

Biden wird als Präsident vereidigt - Trump ist nicht dabei

BVB verliert Verfolgerduell - Hertha in der Krise

BVB verliert Verfolgerduell - Hertha in der Krise

Deutsche Handballer müssen um WM-Viertelfinale bangen

Deutsche Handballer müssen um WM-Viertelfinale bangen

Vier Wohntrends im Corona-Jahr 2021

Vier Wohntrends im Corona-Jahr 2021

Meistgelesene Artikel

Nach grausamen Taten: Zwei neue Schwäne tauchen auf Osterholzer Friedhof auf ❤��

Nach grausamen Taten: Zwei neue Schwäne tauchen auf Osterholzer Friedhof auf ❤🦢

Nach grausamen Taten: Zwei neue Schwäne tauchen auf Osterholzer Friedhof auf ❤🦢
Berauschender Nachmittag: Mann bildet sich Einbrecher in seiner Wohnung ein

Berauschender Nachmittag: Mann bildet sich Einbrecher in seiner Wohnung ein

Berauschender Nachmittag: Mann bildet sich Einbrecher in seiner Wohnung ein
Die Bremer Bürgerpark-Tombola macht sich startklar

Die Bremer Bürgerpark-Tombola macht sich startklar

Die Bremer Bürgerpark-Tombola macht sich startklar
Bremen: Weiter so im Lockdown

Bremen: Weiter so im Lockdown

Bremen: Weiter so im Lockdown

Kommentare