Bremer Wall-Mühle zieht zahlreiche Besucher an / „Müller waren früher exzellente Meteorologen“

Fünfstöckiger Kraftprotz

Mühlenverwalter Franz Schnelle (l.) erklärte den Besuchern der Wall-Mühle bereitwillig, wie alles funktioniert.

Bremen - Von Judith Christiansen · Die Sonne lacht, der Wind weht, die Flügel der Windmühle am Wall drehen sich. Gestern, am nationalen Mühlentag, ist die Bremer Wall-Mühle nicht nur als Café geöffnet, sondern auch für Besichtigungen. Franz Schnelle und Klaus-Dieter Philipsen geben den interessierten Besuchern kompetent Auskunft.

Die Mühle sei noch heute voll funktionsfähig und könne Mehl mahlen, sagt Schnelle, als er gerade versucht die Mühle inklusive Mühlstein in Gang zu bringen. Doch, obwohl es ganz schön heftig weht, scheint der Wind nicht stark genug. Momentan sei so viel Getreide im Auge des Mühlsteins, dass die Mühle viel Kraft brauche, um den Mühlstein in Gang zu bringen. Die Mühle am Wall ist ein fünfstöckiger Galerieholländer, der seit 1833 steht.

Es ist ganz schön eng. Jede Menge Interessierte tummeln sich auf den Etagen. Über steile Stiegen geht es nach oben und je höher man kommt, desto enger wird es. Ganz oben kann man nicht mal mehr überall stehen, außerdem muss man aufpassen, nicht zwischen die Zahnräder zu kommen. „Keine Kraft der Welt kann die Mühle jetzt so schnell anhalten. Die braucht eine Minute, bis sie steht“, so die beiden Fachmänner.

Die Windenergie treibt über die Mühlenflügel und die Getriebezahnräder den Mühlstein an. Wenn sich die Flügel einmal drehen, dreht sich der Mühlstein zehn Mal. „Müller waren früher exzellente Meteorologen“, meint Schnelle. Immerhin mussten sie das Wetter genau kennen. Sie mussten zum Beispiel wissen, ob ein Orkan im Anmarsch war. Wenn es zu stürmisch ist, wurde die Mühle abgestellt. Bei Flügeln, die sich zu schnell drehen, besteht die Gefahr, dass Teile herunterfallen.

„Ich führe die Leute gerne hier herauf, damit sie die Mechanik sehen“, so Schnelle. Aber auch zwei Etagen tiefer gibt es viel zu lernen. Auf dem Mühlstein steht nämlich ein Miniaturmühlstein, mit dem die Kinder selber Getreide mahlen können. „Andersrum, andersrum“, sagt Schnelle zu einem jungen Mädchen, das wiederholt in die falsche Richtung zu mahlen versucht. „Ja, so hab ich das auch immer gemacht“, ruft ein noch jüngeres Mädchen begeistert.

Bis etwa 1955 soll die Mühle in Betrieb gewesen sein. Zuletzt, um den Hafer für die Pferde der Müllabfuhr zu mahlen. Die Mühle sei schon seit über 100 Jahren im Besitz der Stadt, wirft Schnelle ein.

Deutlich kann man an einer Stelle den Brandschaden sehen, den die Mühle erlitt, als eine Phosphorbombe einschlug. Der Sohn des damaligen Müllers soll die Bombe in die Hand genommen und aus dem Fenster geworfen haben, sonst wäre die Mühle wohl abgebrannt. Damals wohnte der Müller mit seiner Sippe, dem Lehrling und Gesellen in der Mühle.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“
Polizei Bremen sucht mit Phantombild nach Messer-Mann

Polizei Bremen sucht mit Phantombild nach Messer-Mann

Polizei Bremen sucht mit Phantombild nach Messer-Mann
Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz
Bremer Bildungsbehörde: 11 Millionen Euro auf fremden Konten entdeckt

Bremer Bildungsbehörde: 11 Millionen Euro auf fremden Konten entdeckt

Bremer Bildungsbehörde: 11 Millionen Euro auf fremden Konten entdeckt

Kommentare