Frühere Bundestagspräsidentin Ehrengast beim Bürgermahl / 123 000 Euro aus dem „Bremer Loch“

Süssmuth: „Wir packen selbst an“

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Rita Süssmuth trug sich vor dem Bürgermahl ins Goldene Buch ein. Hinten: Bürgerschaftspräsident Christian Weber (v.l.), Bürgermeister Carsten Sieling, Ulrich Mosel und Jürgen Born (beide Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe).

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Nicht alles per Gesetz strikt regeln, den Bürgern Raum zur Mitgestaltung lassen – das ist der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) ein Anliegen. Sie war gestern Abend Ehrengast beim 13. Bürgermahl der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe in der Oberen Rathaushalle. Bürgersinn zeichne das Ehrenamt und die Freiwilligenarbeit aus und bedeute: „Wir packen selbst an.“

Süssmuth staunte vor 200 Gästen, dass die nach dem Krieg von Bürgermeister Wilhelm Kaisen als Volkshilfe gegründete Organisation über all die Jahre „durchgehalten“ habe. Bürgersinn bedeute, dass man „viele Bürger, viele Helfer“ brauche. Sie forderte auf, „das Potenzial im Menschen“ entdecken. Für die Helfer selbst bedeute das Ehrenamt eine Bereicherung. Die Politikerin schlug einen Bogen zur aktuellen Politik und mahnte, nicht auf den IS (Islamischen Staat) hereinzufallen und mit den gleichen Mitteln zu kämpfen, wie die Terror-Organisation. Man müsse mehr auf benachteiligte Menschen eingehen, Paris habe dabei Fehler gemacht. Insgesamt müsse man „Menschen starkmachen“, statt sie ohne Ausbildung zu lassen. Dies gelte sowohl für Einheimische als auch für Zuwanderer, „sonst spaltet das die Gesellschaft“.

Süssmuth hatte zuvor ins Goldene Buch geschrieben: „Erhaltet dieses Bürgermahl, das raten uns auch die Franzosen. Es kommt auf die Persönlichkeiten an.“ Bürgerschaftspräsident Christian Weber, Vorsitzender der Bürgerhilfe (WKB), erinnerte an Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der im November 2002 erster Ehrengast des Bürgermahls war.

Geehrt wurden am Abend Achim Schlotfeld, Uwe Nullmeyer, die Sparkasse und Manfred Böhnke, der seit Bestehen im Jahr 2007 das „Bremer Loch“ vor dem Haus der Bürgerschaft betreut, „eine Knochenarbeit“, wie Weber sagte. 123 000 Euro an Spenden für die Bürgerhilfe kamen über die Jahre an Bremens größter Spardose zusammen. Wer Geld reinwirft, bekommt die Stadtmusikanten zu hören.

Bei den Sammlungen für die Bürgerhilfe kamen seit Bestehen 565 651,33 Euro zusammen. Mit dem schlicht gehaltenen Bürgermahl (es gibt Kükenragout) bedankt sich die WKB bei den Helfern und Sponsoren. Sponsor des Mahls war diesmal Bauunternehmer Kurt Zech.

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