Früchte, Butter, Schinken und Mettwurst

Premiere auf dem Bremer Marktplatz: Klabensaison eröffnet

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Die Wartenschlange reichte quer über den Marktplatz. Bis 11 Uhr mussten die Klabenliebhaber Geduld bewahren. Dann endlich ging es los mit dem Verkauf.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Die Bremer freuen sich jedes Jahr auf den Klabenanschnitt“, sagt Peter Büser, Obermeister der Bäcker-Innung. Am Donnerstag war er wieder gekommen, der Tag der Freude – Premiere für das vorweihnachtliche bremische Traditionsprodukt auf dem Marktplatz.

Und die Warteschlange der Klabenliebhaber, sie reichte wieder weit über Bremens „gute Stube“. Der Bäckermeister-Gesangverein Bremen und der Bäckerchor Hannover stimmten maritimes Liedgut an, was sehr gut passte – zum Klaben. Und zum Wetter. Feucht war‘s, doch der Nieselregen konnte den Wartenden nichts anhaben. Und dem Klaben auch nicht. 

Der formelle Akt des Anschneidens, er lag dieses Jahr in den Händen von Innungs-Obermeister Büser, Propst Martin Schomaker und Martin Böckmann, dem Bremer Caritas-Chef. Verkauft wird der Premierenklaben ja stets für einen guten Zweck – dieses Mal zugunsten der Caritas Bremen, die es jetzt seit 100 Jahren gibt. „Die Spende wird in Winterkleidung für Obdachlose fließen“, so die Organisatoren.

Klaben saftiger als Stollen

100 Jahre, 100 Meter – so lang war er wieder, der Klaben für den Marktplatz. Und die Stücke gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln – obwohl der Klaben doch aus ganz anderen Zutaten besteht. Zudem heißt es bei der Bäcker-Innung: „Anders als der doch eher trockene Stollen ist der Klaben durch den hohen Frucht- und Butteranteil saftiger. 

Beim Anschnitt – von links gesehen: Martin Böckmann (Caritas), Innungs-Obermeister Peter Büser und Propst Martin Schomaker am Premierenklaben.

Das Mischungsverhältnis Teig zu Früchte (,Buntes‘) beträgt 50:50. Damit ist er auch schwerer und nahrhafter. Der Klaben wird zudem nach dem Backen nicht gebuttert oder gezuckert.“ Wozu auch. Er schmeckt ja so schon. Wobei es Menschen gibt, die Klaben mit Schinken oder Mettwurst belegen. Ehrlich!

Die Produktion des Premierenklabens (ohne Auflage) lag dieses Jahr in den Händen von Hans Jürgen Schröder und Bruno Bollenbach. „Zwei sehr erfahrene Bäckermeister im Ruhestand“, wie es hieß.

Backwerk schon 1593 erwähnt

Den Klaben – ursprünglich auch gedacht als nahrhaftes, haltbares und zugleich heimatliches Gebäck für Seemänner auf langer Fahrt – gibt es nur in Bremen und Umgebung. Schon anno 1593 wird er in Dokumenten des Bremer Rates erwähnt. Die Bäcker-Innung hat den Bremer Klaben in einem langwierigen Verfahren auf europäischer Ebene geografisch schützen lassen – Ende 2009 war dieses Ziel erreicht. Klabenhersteller müssen sich nun in einer Produzentenliste registrieren lassen. Wer nicht in die Liste eingetragen worden ist, der hat auch kein Recht, Bremer Klaben anzubieten – keine Tradition ohne Regeln.

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