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Airbus hebt in Bremen ab – mit Frittenfett im Tank

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Von: Steffen Koller

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Große Maschine, großer Durst: Die Beluga-XL fasst bis zu 97 000 Liter Treibstoff, am Dienstag wurde sie zum ersten Mal in Teilen mit dem als umweltfreundlich geltenden Kerosin-Ersatz SAF befüllt.
Große Maschine, großer Durst: Die Beluga XL fasst bis zu 97 000 Liter Treibstoff, am Dienstag wurde sie zum ersten Mal in Teilen mit dem als umweltfreundlich geltenden Kerosin-Ersatz SAF befüllt. © dpa/Schuldt

Mit Biosprit im Tank, darunter auch Frittenfett, ist das Airbus-Großraumflugzeug Beluga XL am Dienstag vom Bremer Flughafen abgehoben. Der als umweltfreundlich geltende Treibstoff soll Schule machen.

Bremen – Imposant steht sie da, die Beluga XL. 63 Meter lang, in der Höhe misst das Airbus-Transportflugzeug ganze 19 Meter. Doch das noch viel größere Ding bleibt am Dienstag verborgen für die Augen der Öffentlichkeit: der Tankinhalt, der nicht wie sonst aus herkömmlichem Kerosin besteht, sondern in Teilen aus Biosprit. Genauer: aus „Sustainable Aviation Fuel“, kurz SAF. Dies soll eine neue Ära der grünen Luftfahrt einläuten – und Bremen spielt dabei eine Vorreiterrolle.

Ab Mitte Mai will der Airport in der Neustadt all seinen Kunden den nachhaltigen Treibstoff anbieten, als erstes jedoch befüllen Mitarbeiter das riesige Flugzeug mit der speziellen Nase, das noch am Dienstag Tragflächen ins französische Toulouse bringt. Jedoch fließen nicht 100 Prozent des umweltfreundlichen Kerosinersatzes der finnischen Firma Neste in den Tank der Maschine, vorerst werden es „nur“ rund 39 Prozent sein. Der Grund: SAF ist nach Angaben von Airport-Betriebsleiter Christian Knuschke bislang wesentlich teuer als synthetisch produziertes Kerosin. Im Vergleich seien die Kosten „deutlich höher“, genaue Zahlen nennt Knuschke, der ebenso SAF-Projektleiter ist, nicht.

Airport: Weniger Kohlenstoffdioxid

Im Fall der Beluga-XL, die für einen Flug von Bremen nach Südfrankreich etwa 21 Tonnen Treibstoff verbraucht, sind das immerhin gut sieben Tonnen. Zwar werden bei der Verbrennung von SAF auch Treibhausgase freigesetzt, jedoch wesentlich weniger als bei handelsüblichem Kerosin, heißt es. Und die Produktion, so erklärt es Knuschke, verbrauche rund 80 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid, als das bei normalem Kerosin der Fall sei. Die Berechnung beinhalte sowohl die Herstellung an sich als auch die Anlieferung und die Verbrennung im Flugzeugmotor. Zur Zeit besitzt der Bremer Flughafen ein Lager mit etwa 50.000 Litern, sukzessive soll das Volumen auf maximal 650.000 Liter angehoben werden.

Denn: Je mehr SAF hergestellt wird, desto günstiger soll es perspektivisch werden. Schätzungen sagen, je Liter müssten Fluggesellschaften aktuell rund dreieinhalb-mal so viel für einen Liter nachhaltigen Luftfahrttreibstoff ausgeben als für übliches Kerosin. Der Biosprit wird vorrangig aus Industriefetten und anderer Biomasse gewonnen, also auch aus Frittenfett, und in einem speziellen Umwandlungsverfahren umstrukturiert. Der Sprit ist für Flugzeugmotoren somit zu verwenden. Angeliefert wird der SAF momentan aus Belgien.

Kopf hinter dem SAF-Projekt: Christian Knuschke, Betriebsleiter am Bremer Airport.
Kopf hinter dem SAF-Projekt: Christian Knuschke, Betriebsleiter am Bremer Airport. © Koller

Für Häfen-Staatsrat Tim Cordßen-Ryglewski ist die SAF-Einführung „ein großer Meilenstein für Airbus, den Flughafen und Bremen“. Airport-Geschäftsführer Marc Cezanne nennt die Premiere „einen ganz großen Tag“. Zwei Jahre brauchte die Umsetzung der Ideen – und es sei noch lange nicht Schluss.

Airport-Chef: Bremen Vorreiter beim grünen Fliegen

Zertifiziert ist die Betankung momentan mit bis zu 50 Prozent, also die Hälfte eines Flugzeugtanks könnte mit dem umweltfreundlichen Ersatzstoff gefüllt werden. Ziel, so Betriebsleiter Knuschke, seien jedoch 100 Prozent. Bremen ist nach den Flughäfen in Frankfurt, Paris, Amsterdam, Helsinki, Stockholm-Arlanda, Hamburg und München die Nummer acht in Europa, die SAF anbietet – und komme so seiner Vorreiterrolle in Sachen grünes Fliegen nach, so Airport-Chef Cezanne. „SAF steht normalem Kerosin in nichts nach“, betont er und ergänzt: „Wir können fliegen, wir wollen fliegen, jetzt wird das Ganze auch noch umweltfreundlicher. Und wir senden ein klares Signal: Fliegen und Umweltschutz müssen keine Gegensätze sein.“

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