Corona-Verordnung

„Die spinnen, die Bremer“: Friseur-Hausbesuche sind jetzt doch verboten

Friseursalons in Bremen dürfen während des Corona-Lockdowns nicht öffnen. Doch Friseur-Termine überall außerhalb von Salons sind laut Verordnung nicht verboten. Nun soll dies aber geändert werden.

  • Bremen tanzt aus der Reihe: Friseur-Hausbesuche bleiben im kleinsten Bundesland erlaubt.
  • Eine schwammige Formulierung in der Corona-Verordnung macht dies möglich.
  • Doch nun will Bremen die Lücke in der Corona-Verordnung schließen.

Update, 27. Januar, 15 Uhr: Bremen will die Lücke in der Corona-Verordnung zum Hausbesuch von Friseuren schließen. Derzeit seien mobile Friseurbesuche erlaubt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsressorts am Mittwoch. „Das soll jetzt geändert werden.“ Im kleinsten Bundesland hatte zuvor eine Auskunft des Ordnungsamtes für Überraschung gesorgt: Friseursalons seien zwar geschlossen, Friseurinnen und Friseure dürften ihre Kunden aber zuhause bedienen.

In anderen Bundesländern wie Niedersachsen oder Bayern ist mobiles Arbeiten für Friseure klar untersagt. In der bayerischen Verordnung etwa sind nicht die Betriebe geschlossen, sondern die betreffenden Dienstleistungen als solche verboten, unabhängig vom Ort des Geschehens. Gleiches gilt für Rheinland-Pfalz.

Das Land Bremen habe „zu keinem Zeitpunkt Betätigungsverbote für ganze Berufsgruppen verhängt“, sagte Sprecher Lukas Fuhrmann vom Gesundheitsressort. Als die Verordnung erlassen wurde, habe es das Phänomen mobiler Friseure aber noch nicht gegeben. Inzwischen sehe der Senat die Notwendigkeit zu handeln. (dpa)

Originalmeldung, 27. Januar, 8.30 Uhr: Bremen - Laut der Bremer Corona-Verordnung müssen „Dienstleistungsbetriebe im Bereich der nichtmedizinischen Körperpflege, wie Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoostudios und Nagelstudios; für die Erbringung von Dienstleistungen an Kunden“ während des Corona-Lockdowns geschlossen bleiben.

BundeslandBremen
BürgermeisterAndreas Bovenschulte
Vorwahl0421
Fläche326,7 km²

Das beinhaltet allerdings nicht die kosmetischen Dienstleistungen an sich, denn die sind nicht verboten. Außerhalb ihrer eigenen Salons dürften Bremer Friseure also weiterhin die Schere anlegen und könnten theoretisch ihre Kunden zuhause bedienen – unter Einhaltung der geltenden Hygienemaßnahmen. Dass Friseur-Hausbesuche in Bremen erlaubt sind, hat die Friseur-Innung Bremen am Dienstag ihren Mitgliedern mitgeteilt. „Wir sind seit dem 16. Dezember davon ausgegangen, dass sämtliche Dienstleistungen im Bereich der nichtmedizinischen Körperpflege untersagt sind.“, heißt es in dem Schreiben der Innung. Dass Hausbesuche zum Haaremachen aber möglich sind, habe die Friseur-Innung sehr überrascht.

Ausnahme in Bremen: Friseur-Hausbesuche in anderen Bundesländern untersagt

Ob diese Ausnahmeregelung, die aus allen anderen Bundesländern nicht bekannt ist, tatsächlich so gewollt ist oder aus der schwammigen Formulierung innerhalb der Corona-Verordnung entsprungen ist, bleibt unklar. In Gesprächen mit der Politik sei diese Auffassung zumindest nie korrigiert worden, teilt die Friseur-Innung mit. Auch das Bremer Ordnungsamt habe mittlerweile bestätigt, dass mobiles Frisieren erlaubt sei.

Die Lockenpracht vom Profi ist in Bremen weiterhin möglich.

Viele Friseure befinden sich nun in einer Zwickmühle: einerseits wäre es möglich, mit Hausbesuchen wieder Geld zu verdienen, andererseits hat die Minimierung von Kontakten weiterhin oberstes Gebot. Die Friseur-Innung schreibt dazu: „Natürlich ist die Möglichkeit, jetzt Geld zu verdienen, sehr verlockend. Bedenken Sie das gesundheitliche Risiko, wenn Sie sich in das private Umfeld des Kunden begeben.“ Ob die Hygiene-Maßnahmen in privaten Haushalten umgesetzt werden können, ist mehr als fraglich.

Hausbesuche von Friseuren in Bremen erlaubt: Verwirrung und Ratlosigkeit

Die verwirrende Ausnahmeregelung lässt Kunden sowie Friseure ratlos zurück, einige verstehen die Corona-Welt nun gar nicht mehr: „Frei nach Asterix: ‚Die spinnen, die Bremer!‘ Als ob dieses Regel-Chaos nicht schon traurig genug wäre. Die Bremer ‚Stadtmusikanten‘ setzen noch einen drauf!“, schreibt das Magazin friseur-unternehmer.de auf seiner Facebook-Seite. Ausnahmen bestätigen in diesem Fall nämlich nicht die Regel, sondern richten noch viel mehr Corona-Chaos an.

Gefahr von Schwarzarbeit steigt durch Friseur-Hausbesuche in Bremen

Die Möglichkeit, die Kunden im eigenen Zuhause zu bedienen, würde nur noch größere Komplikationen verursachen. Theoretisch könnten aufgrund der Corona-Verordnung alle kosmetischen Dienstleistungen in Bremen in den eigenen vier Wänden stattfinden: Tattoos, Piercings, Nageldesign, Haarentfernung und so weiter. Diese Dienstleistungen im privaten Raum durchzuführen, wo weder kontrolliert noch Hygienevorschriften angemessen umgesetzt werden können, ist eine noch viel größere Gefahr, als geöffnete Salons, in denen Kunden kontrolliert und vorschriftsgemäß bedient werden können. Außerdem bergen Hausbesuche auch die Gefahr von Schwarzarbeit. Dass wirklich jede kosmetische Dienstleistung im eigenen Zuhause korrekt versteuert wird, ist utopisch.

Doch da vielen Bremer Friseuren das Wasser bis zum Hals steht und die Haare der Kunden schon in alle Richtungen stehen, ist davon auszugehen, dass viele Friseure und Kunden das Angebot des mobilen Frisierens in Anspruch nehmen werden. Schließlich haben Bremer Friseure Angst vor einer Schließungswelle, die ihre Salons in der Hansestadt betrifft.

Bevor die Telefone heiß laufen, stellt zum Beispiel der Salon „Headcorner“ in der Bremer Neustadt direkt klar: Es wird keine Hausbesuche geben! Bleibt zu hoffen, dass mehrere Bremer Salons und auch Kunden Vernunft walten lassen und sich nicht auf diese riskante Möglichkeit einlassen.

Rubriklistenbild: ©  Petra Schneider / imago images

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