Roboter hilft bei Integration / Schwerbehinderte sollen ihre Arbeit unabhängig ausüben können

Mit „Friend“ zurück in den Beruf

Institutsmitarbeiter Sorin Grigorescu (l.) testet die dritte Generation des Assistenzroboters „Friend“.

Bremen - Von Viviane StrahmannBREMEN · Am Arbeitsplatz vollständig einsetzbar zu sein, Tätigkeiten ohne Hilfe von Betreuern unabhängig durchzuführen – für viele Schwerbehinderte ein Wunschtraum. Mit Hilfe von Assistenzroboter „Friend“ soll nun erstmals eine Rückkehr in den Beruf ermöglicht werden.

Am Institut für Automatisierungstechnik (IAT) im Fachbereich Physik/Elektrotechnik der Universität Bremen haben Prof. Dr. Axel Gräser und sein Team Roboter „Friend“ in verschiedenen Forschungsprojekten seit 1997 entwickelt. 

Im Projekt „AMaRob“ (Autonome Manipulatorsteuerung für Assistenzroboter) zeigte die dritte Generation von „Friend“ bereits, „dass Schwerbehinderte in einer Alltagsumgebung 90 Minuten ohne fremde Hilfe verschiedene Sachen erledigen können, sich beispielsweise eine Mahlzeit aus dem Kühlschrank holen, in der Mikrowelle erwärmen und anschließend essen“, so Prof. Gräser.

„ReIntegraRob“ lautet nun der Name eines neuen Forschungsprojekts: Es soll zeigen, dass ein Schwerbehinderter, der beispielsweise durch eine Querschnittslähmung oder eine Muskelatrophie, eine neuromuskuläre Krankheit gehandicapt ist, in seinen Beruf – in diesem Fall in eine Bibliothek – zurückkehren kann.

Das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt, eine Kooperation des IAT mit der Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB), wird vom Integrationsamt – Teil des Versorgungsamtes und dem Sozialressort von Ingelore Rosenkötter (SPD) zugeordnet – mit rund 417 000 Euro finanziert.

„Im Idealfall kann der ‚Friend‘-Nutzer an einem Arbeitsplatz vollständig eingesetzt werden und alle notwendigen Fähigkeiten für die Arbeit mit Unterstützung des Roboters wiedergewinnen, ohne dass eine persönliche Assistenz notwendig ist“, so der Leiter des IAT. Möglich machen sollen es die verschiedenen Komponenten, mit denen der Assistenzroboter ausgestattet ist: Roboterarm, Bildschirm, Kamerasystem und Infrarotkommunikationsgeräte gehören unter anderem zu seiner Ausstattung.

Die nächsten eineinhalb Jahre verwendet das IAT darauf, den Roboter an den Arbeitsplatz anzupassen und später auf die spezielle Behinderung des Nutzers abzustimmen. Die Arbeit stellen sich Gräser und seine Mitarbeiter folgendermaßen vor: „Ein Wagen mit Büchern, die in den Online-Katalog der Bibliothek eingepflegt werden sollen, wird an den Arbeitsplatz gestellt. Der Roboterarm greift ein Buch, legt es auf den Tisch und schlägt es auf. Der Mitarbeiter kann die bibliothekarischen Daten in den Computer eingeben, beispielsweise per Sprachverarbeitung oder Augensteuerung.

Ein erfolgreich verlaufendes Projekt würde Arbeitgebern zeigen, dass eine Integration von Schwerbehinderten möglich ist. Der Einsatz in der Berufswelt kommt nicht von ungefähr: Die reine Hardware veranschlagt Prof. Gräser mit rund 130 000 Euro, in der Einzelanfertigung wäre das System noch teurer. „Finanziert wird so etwas eher von der Bundesanstalt für Arbeit, wenn ein Arbeitsplatz in Aussicht gestellt werden kann“, so Gräser. Um den Preis zu senken, wären größere zu produzierende Stückzahlen wichtig.

In Kooperation mit der Uni-Bibliothek wird nun ein Mensch mit Schwerbehinderung gesucht, der beispielsweise aufgrund von Lähmungen Arme und Hände nicht bewegen kann und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Im Idealfall ist auch eine Ausbildung mit Bibliothekshintergrund vorhanden. Interessierte können sich bei Prof. Axel Gräser bewerben.

WWW.

friend4you.eu

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