Tausende von Menschen genießen das Kulturfestival

„Breminale“: Friedliche Atmosphäre am Osterdeich

Friedliche Atmosphäre am Osterdeich: Bisher besuchten bei bestem Wetter Zehntausende von Menschen Bremens Kulturfestival. - Foto: Grüschow

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke und Frauke Kuffel. Fahrräder, wohin das Auge reicht. Dicht an dicht stehen sie auf beiden Seiten der Wilhelm-Kaisen-Brücke und natürlich am Osterdeich. Auch die Parkhäuser sind voll. Tausende von Menschen feiern auf Bremens großem Kulturfestival „Breminale“ – friedlich. Bisher sind Besucher und Veranstalter vom Wetter verwöhnt. Bleibt das so, dürfte die Vorjahres-Besucherzahl von 200 000 zu knacken sein.

„Der erste Abend ist friedlich verlaufen“, resümiert Philipp Wolf, der in der Organisation der „Breminale“ tätig ist. In diesem Jahr gibt es neu eingerichtete Anlaufpunkte für Notfälle. Besucher können sich im Fall von sexuellen Übergriffen an die Bierstände wenden. „Dort ist immer eine Person, die weiß, wie sie in solchen Fällen handeln muss“, erklärt Wolf. 2016 war es zu mehreren Übergriffen gekommen. Die Polizei fasste sechs tatverdächtige junge Flüchtlinge (wir berichteten). Belästigungen seien bei jeder Großveranstaltung ein Thema, sagt Wolf. Aber bisher laufe alles gut.

Polizei und Veranstalter „Sternkultur“ hatten das Sicherheitskonzept aufgrund der Vorfälle im Vorjahr erweitert, die Zahl der Beamten erhöht. Die Bierstände sind auch Anlaufpunkt in anderen Notfällen, wenn zum Beispiel ein Kind in der Menschenmasse vermisst wird oder bei Diebstählen. Es sei wichtig, den Besuchern zu signalisieren, dass im Notfall jemand da sei, sagt Verena, die an einem der Stände arbeitet.

Gelassene Stimmung

Die Stimmung bisher ist gelassen und fröhlich. Und eben friedlich, ganz anders als beim G20-Gipfel in Hamburg. Tausende von Menschen sitzen am Donnerstagabend am Deich, blicken auf die Szenerie, auf die Stände, auf die Weser – ein entspanntes Bild. Es wird geplaudert, gelacht, gegessen (manche haben sogar Müllbeutel dabei). Die Sonne verabschiedet sich langsam. „Einfach schön“, sagt Hannes, 35, aus Achim. Er ist mit seiner Freundin aus Münster hier. Saskia ist zum ersten Mal auf der „Breminale“ und schlichtweg begeistert von der Atmosphäre am Wasser.

„Wunderschön“, staunen unterdessen Annette und Stefan aus Bremen vor dem „Flut“-Zelt. Links und rechts neben der großen Spiegelkugel über dem Zelt strömt Nebel. Ein beeindruckendes Lichtspiel!

Es ist brechend voll auf den Wegen an der Weser. Mal eben etwas zu essen holen? Pustekuchen! Überall lange Menschentrauben. „Irrsinnig voll“, stöhnt jemand und dreht ab. Da bleibt nur der Stand mit holländischen Pommes oben auf der „Himmlischen Wiese“ an der Kunsthalle. Hier lässt es sich durchschnaufen.

Die „Breminale“ hat auch ein Herz für Kinder. In einem kleinen Zelt bemalt Nadine am Nachmittag Kinder mit Hennafarbe, ein Stück weiter machen Michelle und Liliane ihre eigene Limonade aus Wasser, Zucker und Zitronen. „Die schmeckt lecker“, sind sich die beiden Mädchen einig. Auf der „Himmlischen Wiese“ werden Textilien bedruckt, Seifenblasen schweben übers Gelände. Hier ist auch die Stadtbibliothek zu finden. In diesem Jahr gibt es drei verschiedene Angebote, eins ist das „Lebende Buch“, bei dem Menschen erzählen. 

Britta Schmedemann von der Stadtbibliothek lädt Besucher ein, ihre Vorurteile in diese Schublade zu stecken.

Eines der „Bücher“ ist der Streetworker Jörg Winter von der Inneren Mission. Er ist für das „Café Papagei“ tätig, einem Ort für Wohnungslose und von Armut bedrohte Menschen. „Viele fragen mich, ob sie den Obdachlosen Geld geben sollen“, erzählt Winter. „Etliche denken, dass das nur für Alkohol oder Drogen ausgegeben wird. Aber viele nutzen das Geld, um sich Nahrung oder Kleidung zu besorgen“, sagt der Streetworker. Er rät, Obdachlose einfach mal anzusprechen, weil viele sich genau das wünschten. „Hinter jedem steckt eine Geschichte, man wird nicht obdachlos geboren. Wir haben auch ehemalige Kinderärzte und Polizisten unter den Obdachlosen“, sagt Winter.

„Breminale“: Buntes Treiben am Osterdeich

Die „Breminale“ dauert bis Sonntag. Dann bleibt der Osterdeich für das „Deichbankett“ den ganzen Tag dicht. Am Sonnabend wird die Straße ab 21 Uhr gesperrt.

Breminale-Start: Bummeln und feiern am Deich

Breminale: Der Mittwochabend

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