Geschäftsgebäude mit Restaurant

„Verschwunden“: Das „Dreikaiserhaus“

Steinfiguren der drei Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. schmückten die Fassade des „Dreikaiserhauses“. Es stand sozusagen in Sichtweite der Brill-Kreuzung an der Ecke von Langenstraße und Kaiserstraße (heute: Bürgermeister-Smidt-Straße). - Foto: Archiv

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Drei Kaiser? Mitten im republikanisch geprägten Bremen? Nun, zu Kaisers Zeiten war so etwas durchaus möglich und sogar populär. Da thronte das „Dreikaiserhaus“ an einem markanten Eckpunkt der Altstadt. Heute ist es Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Das „Dreikaiserhaus“ gehörte zu den markanten Bauwerken am Brill. Anno 1890 war es dort an der Ecke von Langenstraße und Kaiserstraße (heute: Bürgermeister-Smidt-Straße) gebaut worden – in einer Phase also, in der Bremen wuchs und blühte.

1890, das war nur kurz nach dem „Dreikaiserjahr“ 1888: Auf den Reichsgründer Wilhelm I. war 1888 für nur drei Monate der schon sterbenskranke Friedrich III. gefolgt, dem wiederum Wilhelm II. folgte – der Rest ist Geschichte.

Gerade der selbstherrliche und selbstverliebte Wilhelm und Friedrich, der liberalen Gedanken gegenüber zumindest ein offenes Ohr hatte, waren tief zerstritten. In Bremen aber – wie auch an vielen, vielen anderen Stellen im Lande – waren sie alle friedlich vereint. An der Ecke von Langenstraße und Kaiserstraße zum Beispiel. Die Fassade des „Dreikaiserhauses“ nämlich schmückten Steinfiguren der drei Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. – eben daher hatte das Bauwerk seinen majestätischen Namen.

Im Stile des Historismus

Der Architekt Friedrich Wilhelm Rauschenberg (1853 bis 1935) hatte das „Dreikaiserhaus“ im seinerzeit gefragten und stets repräsentativ wirkenden Stil des Historismus gebaut. Ein viergeschossiges Gebäude war es. In den beiden oberen Etagen lagen Wohnungen und darunter Kontore, wie man die Büros der Handelshäuser damals nannte.

Im Erdgeschoss gab es Läden. Und obendrein das weithin gerühmte Restaurant von Richard Siegler – gediegene Einrichtung, weiße Tischdecken, elegant geschwungene Holzstühle. Auf Postkarten wurde für das renommierte Lokal geworben.

Friedrich Wilhelm Rauschenberg, in dessen Vornamen sich die Namen der drei Kaiser wiederfinden, stammte aus einer Baumeisterfamilie. Nach dem Abitur am Alten Gymnasium hatte er ab 1872 Architektur studiert. 1882 eröffnete er ein Büro am Rutenhof auf der Westseite des Domshofs, also mitten in der Altstadt.

Zerstört während des Zweiten Weltkriegs

Neorenaissance und Historismus – so baute er. Rauschenberg plante etliche Wohn- und Geschäftshäuser in Bremen und griff dabei häufig zu Stilelementen aus der (italienischen) Renaissance. 

Im Jahr 1893 ging er nach München, zehn Jahre später kehrte er in seine Heimatstadt zurück – als Teilhaber eines Architekturbüros, als Regierungsbaumeister und Stadtplaner. Das „Dreikaiserhaus“ mit den Steinfiguren wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

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