Schweizerin vermacht Paula Modersohn-Becker Museum bedeutendes Gemälde

Freude über „Schützenfest“

Auspacken – von links gesehen: Jens Böhrnsen, Dr. Frank Laukötter und Stefan Melzer. ·
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Auspacken – von links gesehen: Jens Böhrnsen, Dr. Frank Laukötter und Stefan Melzer. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Das habe ich noch nie gemacht.“ Jens Böhrnsen (SPD), Bürgermeister und Kultursenator, erlebte gestern eine persönliche Premiere.

Zum ersten Mal in seinem Leben hängte er in einem Museum ein Bild auf – im Paula Modersohn-Becker Museum und gemeinsam mit Dr. Frank Laukötter, dem Direktor der Kunstsammlungen Böttcherstraße.

2009 hatte dort das Telefon geklingelt. Eine Anruferin aus Basel in der Schweiz teilte mit, sie sei Eigentümerin des Gemäldes „Schützenfest mit Karussell II“, das Paula Modersohn-Becker im Jahr 1904 gemalt hat. Sie bot an, den Bremern das Bild zu vermachen. Die Museumsmitarbeiterin, die den Anruf entgegengenommen hatte, schrieb eine Notiz für den Direktor.

So begann mit einem „lapidaren Zettel“ (Laukötter) die Geschichte eines spektakulären Glücksfalls – zumal in Zeiten, in denen viele Häuser von eigenen Ankaufsetats nur träumen können. Die Eigentümerin wünschte sich, dass das Bild in die Hände von Modersohn-Becker-Experten komme – und öffentlich zugänglich werde. Im vergangenen Jahr ist sie gestorben. Bis zu ihrem Tod hatte das Bild über ihrem Sofa gehangen. Nur 1997 war es einmal für eine Ausstellung nach München verliehen worden. Vorige Woche kam die Klimatransportkiste mit dem 56 Zentimeter mal 73 Zentimeter großen, auf Pappe gemalten Werk in der Böttcherstraße an.

Einige Tage blieb das Bild zur Akklimatisierung verpackt. Gestern öffneten Böhrnsen, Laukötter und Stefan Melzer, technischer Leiter der Kunstsammlungen Böttcherstraße, das Paket. Mit weißen Schutzhandschuhen packten sie das Gemälde aus und stellten es zunächst auf eine Staffelei. Anschließend wurde es gleich aufgehängt. Im Februar wird eine Restauratorin es noch begutachten, sagte Laukötter, der nicht mit größeren Eingriffen rechnet. Das Gemälde sei in einem „sehr guten“ Zustand. „Eventuell werden wir es neu rahmen.“

Etwa 750 Gemälde hat Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) geschaffen. Das Paula Modersohn-Becker Museum besitzt nun 77 Werke der Künstlerin, sagte Laukötter.

Über das „Schützenfest mit Karussell II“ freut er sich aus mehreren Gründen. „Es ist selten, dass man ein so repräsentatives Format bekommt.“ Bedeutend sei das Gemälde als „erzählerisches Bild“. Mit seiner Darstellung des Worpsweder Dorflebens nehme es innerhalb der Sammlung des Hauses eine „besondere Position“ ein. Briefe und Tagebuchnotizen der Künstlerin belegten die damalige Bedeutung des Schützenfestes für die Worpsweder. „Nun haben wir das Bild, das dies veranschaulicht.“

Zudem zeigt es beispielhaft die Arbeitsweise Modersohn-Beckers. „Sie ist mit dem Pinsel in die frische Farbe gegangen.“ Dadurch wird etwa am Zaun die rote Farbe sichtbar, über der eine Braunschicht liegt.

Das Gemälde hatte ab 1932 einem Museum in Stettin gehört. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten es 1937 „als undeutsch“, wie Böhrnsen es formulierte. Über eine Berliner Galerie machten sie es zu Geld. 1943 kam es nach Basel. Die Stifterin hatte es von ihrem Vater, einem Kunstsammler, geerbt.

Bevor die Bremer das Geschenk annahmen, erkundigten sie sich – schon aus moralischen Erwägungen – bei der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg, ob eventuell mit einem Restitutionsfall zu rechnen sei. Aus Magdeburg kam ein „Okay“. Und Bremen nahm das Schweizer Geschenk an.

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