„Auf einen Espresso“ mit Stadionsprecher und Moderator Arnd Zeigler

Freud und Leid des Fans

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Fan zu sein, ist eine Leidenschaft. Und dieses Trikot ist Arnd Zeiglers „heiliger Gral“. ·

Bremen - Von Ilka Langkowski - Seit elf Jahren ist Arnd Zeigler Stadionsprecher bei Werder Bremen. Der hauptberufliche Journalist hatte eigene Radiosendungen, und moderiert seit 2007 die Fernsehshow „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ im WDR.

Er hat diverse Bücher zur schönsten Nebensache der Welt verfasst. 2011 wurde er zum Sportjournalisten des Jahres gewählt.

Obwohl Stadionsprecher Zeigler längst ein Routinier ist, gebe es immer wieder außergewöhnliche Situationen, in denen er voll gefordert sei. Dazu zählen beispielsweise schwierige ausländische Namen einer gegnerischen Mannschaft oder unruhige Fans der Gäste. Ein Schlüsselspiel diesbezüglich sei die Begegnung gegen Schalke  04 gewesen, als an einem heißen Sommertag im August 2004 das Flutlicht im Weserstadion über eine Stunde ausfiel, die Getränke zur Neige gingen und unklar war, ob und später wann das Spiel angepfiffen werden würde.

Der Bremer Fußballexperte hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Zeigler legt ein grünes und ein rotes Trikot auf den Tisch. Das rote markiert den Beginn seines Lebens als Werder-Fan. Beide stammen aus einer Zeit, in der es noch keine Fan-Trikots zu kaufen gab.

Die Trikots hatte der damalige Werder-Manager Rudi Assauer der Bremer Polizei als Dank für ihre gute Arbeit geschenkt. Vor sechs Jahren war Zeigler auf eine entsprechende Schlagzeile eines bekannten Boulevardblattes aus dem Jahr 1978 gestoßen. Der Moderator recherchierte und erfuhr, dass der Enkel eines der Beamten noch ein Trikot besaß, das er gegen ein neues weggeben wollte. Nun hängt das rote Trikot gerahmt in Zeiglers Zimmer.

Der „heilige Gral“, wie Zeigler sein Trikot nennt, stammt von 1977, seiner ersten Saison als Werder-Fan. Zeigler war zwölf Jahre alt, Werder annähernd pleite und das Stadion baufällig. Dadurch habe er in frühester Kindheit gelernt, demütig zu sein. Nach drei Jahren als Fan kam Werders Abstieg, und Zeigler verteilte die Stadionzeitung. „Ich glaube, dass die Begeisterung aus der Teenie-Zeit prägt und man sie später noch nachempfinden kann“, sagt der heute 46-Jährige. Die Spiele gegen Erkenschwick haben ihm damals nicht weniger Spaß gemacht als später die gegen Real Madrid. Er leidet in jedem Spiel gleich. Umso schöner sei es, wenn der Verein dann erfolgreich wird. Er weiß noch, dass er es „irre“ fand, als Werder nach endlosen Jahren des Abstiegskampfes irgendwann einmal auf Platz Neun der Bundesliga stand.

Die aktuelle Situation macht ihn zwar nicht glücklich, aber er leide wohl weniger als welche, die die frühere Situation nicht kannten. Damals wussten alle, dass Werder vom Abstieg bedroht war. Sein Vater habe ihm mal gesagt: „Das Leiden gehört dazu und ist ganz wichtig.“

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Zeigler: Ich würde die Stadt auch lieben, wenn ich nicht Bremer wäre. Alles was ich brauche, habe ich am Fluss in der Nähe. Bremen ist recht unaufgeregt, nicht schnöselig, nicht großmäulig. Bremen ist für mich Understatement. Der Stolz auf die Stadt basiert nicht auf Statussymbolen, sondern auf dem Charakter der Stadt.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Zeigler: Die Weser. Im Sommer bin ich gern in einem Ruderboot im Bürgerpark.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Zeigler: Es kommt darauf an, wie die Gäste gestrickt sind. Ich habe zum Drehen regelmäßig Gäste vom WDR. Dann gehen wir nach Ende der Sendung, um 0.15 Uhr, noch in eine Kneipe und die sind immer begeistert, dass hier nachts was los ist.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Zeigler: Erdmännchen, weil sie auf zwei Beinen stehen können, sie eine lustige Motorik haben und ich den Namen gut finde.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Zeigler: Ich würde mir meine Frau schnappen und nach London fliegen. Morgens hin und abends zurück.

Was macht Sie schwach?

Zeigler: Mir fällt nichts ein … doch, ich hoffe immer, wenn ich an Fußball spielenden Menschen vorbeigehe, dass der Ball zu mir fliegt, ich etwas damit machen und ihn dann zurückschießen kann. Auch im Stadion stehe ich dort, wo oft Bälle hinfliegen.

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