Acrylbild „Mezquita“

„Mein Kunst-Stück“ mit Kirsten Plog: Fremde Elemente 

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Kirsten Plog mit ihrem Werk „Mezquita“. Auf die Idee zu dem Bild kam die Bremer Künstlerin durch eine Fotografie der Moschee Hagia Sophia in Istanbul. 

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Mezquita“ (spanisch: Moschee) heißt Kirsten Plogs Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die architektonischen Elemente des Acrylbilds sind vielfach gebrochen und überlagert, so wie bei einem mehrfach belichteten Foto.

„Wenn man genau hinschaut, sieht man in dem Bild auch völlig fremde Elemente, die da gar nicht hineingehören“, sagt Kirsten Plog. Kleine blaue Rädchen und mehrfach übermalte große Insekten verbergen sich hinter offensichtlichen Strukturen. Die Idee zu diesem Bild kam der Bremer Künstlerin, als sie eine Fotografie der Moschee Hagia Sophia in Istanbul sah. Doch sie wollte kein Abbild des Gotteshauses schaffen, sondern Formen und Farben so vermischen, dass etwas Neues entsteht.

Bestehende Strukturen zerstört Plog durch Kratzen, Schmirgeln oder Übermalen. Es entstehen neue Zusammenhänge. Fast alle Werke bergen Fremdkörper, die sie als Collage einbaut oder schemenhaft durch später aufgetragene Materialschichten durchscheinen lässt. Der Betrachter soll wandernden Auges nach Strukturen suchen. „Es ist, als würde eine Geschichte erzählt, man weiß aber nicht welche“, beschreibt Plog es.

Die künstlerische Arbeit bildet einen Gegensatz zu dem durchgetakteten, strukturierten Alltag Plogs. Während des Malprozesses lässt sie die Entwicklungen einfach auf sich zukommen und reagiert spontan. Um möglichst schnell arbeiten zu können, nutzt sie Acrylfarben, die rasch trocknen. Für Überraschung sorgen vor allem neue Materialien. Was passiert, wenn man mit Marmormehl, Schellack, Wachs und Sand arbeitet? Und wie verhalten sie sich, wenn man sie miteinander kombiniert? „Das hat manchmal etwas Alchimistisches“, sagt Plog und lacht. Gerne setzt sie ihre Bilder in Bezug zur Umgebung. Für eine Ausstellung in einem alten Schloss integrierte sie beispielsweise Fotografien der früheren Bewohner und übernahm Oberflächenstrukturen von Möbeln, auf denen sie die Ausstellungsstücke drapierte. Diese Einbindung in den Ausstellungsort reizt die Künstlerin – und ist Thema ihrer nächsten Projekte.

Vater zeigte erste Zeichentechniken

Kunst spielte im Leben der Bremerin seit jungen Jahren eine Rolle. Der Vater war Grafiker und zeigte ihr erste Zeichentechniken. Er motivierte seine Tochter zum Malen, doch voll und ganz auf die Kunst zu setzen, war Plog zu riskant. Sie studierte neben Kunstgeschichte auch Kommunikationswissenschaften und wurde Hochschulprofessorin. Der gesicherte Broterwerb macht sie in dem, was sie heute künstlerisch schafft, völlig frei.

Ob wir Kunst brauchen? – „Ja“, meint Plog, „denn sie gibt Impulse für neue Denk- und Sichtweisen.“ Kunst rege dazu an, eine andere Perspektive einzunehmen. Das sei gerade in unserer heutigen Zeit wichtig, in der man sich oft mit Tunnelblick bewege.

Zu den für sie bedeutenden Künstlern zählen die zeitgenössischen Künstlerinnen Sabine Wewer aus Stuhr und die Schweizerin Pipilotti Rist. Bei Wewer findet Plog großartig, dass die Künstlerin ihre durch Bilder vermittelten Geschichten nicht zu Ende erzähle. An Rist begeistert Plog deren künstlerische Vielfalt. „Ihre Kunst ist eine Entdeckungsreise“, meint die Bremerin. Egal, ob sie bunte Folienstreifen an Fenstern anbringe oder eine Laubdruckmaschine in Berlin aufstelle.

Wenn Plog jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Bild vom Meer an Menschen in den Bergen und ein Bild von den Bergen an Menschen, die am Meer leben. „So kann man neue Sehnsuchtsorte schaffen, die gleichzeitig nicht weit weg sind“, sagt Plog.

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