Stadt stellt bis zu 800.000 Euro bereit

„Ischa Freipaak“: Schausteller stimmen Freimarkt-Alternative ohne Alkohol zu

In Bremen wird es im Oktober für vier Wochen eine Freimarkt-Alternative geben. Auf der Bürgerweide heißt es dann „Ischa Freipaak". Alkohol wird auf dem Gelände nicht ausgeschenkt, die Stadt fördert das Event stattdessen mit bis zu 800.000 Euro.

  • Alternative zum Freimarkt Bremen heißt im Oktober „Ischa Freipaak".
  • Schausteller hatten zuvor das Alkohol-Verbot auf der Bürgerweide kritisiert.
  • Freizeitpark auf der Bürgerweide umfasst strenge Corona-Regeln.

Update vom 11. September: Die Stadt Bremen und der Schaustellerverband des Landes Bremen haben sich am Freitag auf einen Freizeitpark als Alternative zum Freimarkt Bremen geeinigt. Einen Alkoholausschank wird es trotz deutlicher Kritik der Schausteller aber nicht geben. Das verkündeten Stadt und Schausteller am Mittag

„Wir wollen beweisen, dass Corona und Rummel sich nicht ausschließen“, zeigte sich Ausrichterin Bettina Robrahn-Böker zuversichtlich. Die Geschäftsführerin der Veranstaltungsgesellschaft Bremer Schausteller hatte sich im Vorfeld der nun erfolgten Einigung noch unversöhnlich gegenüber der Stadt Bremen gezeigt und gesagt: „Ich habe es noch nie erlebt, dass mir jemand so in den Rücken fällt, wie es der Senat mit uns Schaustellern mit seinem Beschluss zum Freimarkt gemacht hat.“ Anlass war die Absage an den Alkoholausschank, nachdem es den Schaustellern zuvor so erschienen war, es könne eine Freimarkt-Alternative samt Alkohol auf dem Gelände geben.

„Ischa Freipaak" in Bremen findet mit strengen Corona-Regeln statt

Nun scheinen alle Verhandlungspartner mit dem Ergebnis zufrieden. Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) war sich der ungewöhnlichen Situation durchaus bewusst: „Ein Freizeitpark unter Corona-Bedingungen ist wirtschaftlich eine große Herausforderung für die Schausteller. Mir war es wichtig, die Argumente der Schausteller ernst zu nehmen.“ Und Bettina Robrahn-Böker ergänzte: „Nach den konstruktiven Gesprächen freuen wir uns darauf, einen gelungenen Ersatz für die ganze Familie zu präsentieren.“

Der Freizeitpark „Ischa Freipaak“ wird in Bremen mit einem umfangreichen Corona-Hygienekonzept organisiert. Einlass- und Ausgangskontrollen samt Kontaktdaten-Aufnahme wird es ebenso geben wie eine Beschränkung auf 6000 Besucher, die gleichzeitig auf der Bürgerweide unterwegs sein dürfen. Die Kontaktdaten der Besucher werden an den Eingängen entweder per Hand oder per QR-Code erfasst. Es wird zudem weniger Fahrgeschäfte und keine Festzelte geben, um der Corona-Situation Rechnung zu tragen.

Stadt Bremen übernimmt Kosten in Höhe von bis zu 800.000 Euro

Der Senat Bremen hat sich nun bereiterklärt, die Kosten für die Veranstaltung inklusive des Hygienekonzepts zu übernehmen. Die Fläche werde den Schaustellern kostenfrei zur Verfügung gestellt, heißt es. Inklusive einer deutlich gesteigerten Marketing-Offensive stellt die Stadt Bremen insgesamt bis zu 800.000 Euro für „Ischa Freipaak“ bereit und fördert auf diese Weise die Schausteller spürbar. Als eine Einnahmequelle fungiert der Eintritt. Die Schausteller planen, dass die Besucher zwischen einem und zwei Euro für den „Ischa Freipaak“ zahlen müssen. 

Der Freizeitpark in Bremen sei ein Testlauf für weitere Großveranstaltungen und müsse sich nun bewähren heißt es vonseiten des Senats. Ziel sei es beispielsweise, letztlich einen Weihnachtsmarkt unter „normalen" Bedingungen eröffnen zu können - inklusive Glühwein-Ausschank. Der Markt im Dezember soll insgesamt entzerrt werden und unter strengen Corona-Regeln ablaufen.

Der genaue Umfang und Ablauf des temporären Freizeitparks in Bremen steht noch nicht fest. Angedacht ist ein Start am 2. Oktober, der 1. November wäre nach aktueller Planung der letzte Öffnungstag. Grundsätzlich sind in Bremen wegen der Corona-Pandemie aktuell bei Veranstaltungen im Freien mit bis zu 400 Personen gestattet, in geschlossenen Räumen mit bis zu 250 Personen. Ausnahmen wie nun bei Freizeitpark auf der Bürgerweide, sind seit Kurzem unter strengen Auflagen möglich, heißt es in einer Meldung der Stadt. (kom)

Update vom 10. September: Bremer Senat und Schausteller ringen weiter um eine Lösung für den Freimarkt. Für ein abgespecktes Volksfest im Corona-Jahr 2020, für einen temporären Vergnügungspark auf der Bürgerweide. Die Fronten sind verhärtet. Das vom Senat verkündete absolute Alkoholverbot für den schlanken Freimarkt erhitzt die Gemüter. Ohne Bier- und Weinausschank drehten sich keine Karussells, sagte Rudolf Robrahn, Geschäftsführer des Bremer Schaustellerverbands. Am Donnerstag debattierten Vertreter der Schausteller mit dem Bürgermeister im Rathaus – offensichtlich intensiv und ausgiebig. Am frühen Abend sagte Senatssprecher Christian Dohle auf Anfrage: „Wir sind in Gesprächen.“

Angebot vom Senat: Alkoholverbot und höchstens 6000 Besucher gleichzeitig

Der rot-grün-rote Senat jedenfalls hat am Dienstag die Weichen für den Bremer Freimarkt gestellt und strenge Auflagen verkündet. Und ebenjenes strikte Alkoholverbot hat die Schausteller offensichtlich unvorbereitet getroffen. Geplant ist eine eingezäunte Festwiese ohne Alkoholausschank, ohne Festzelte und mit weniger Karussells als üblich. Das Konzept des Senats für den Freimarkt Bremen sieht außerdem vor, dass nie mehr als 6000 Besucher zugleich eingelassen werden. Masken müssen nicht überall getragen werden, sind aber an Ein- und Ausgängen und in den Warteschlangen Pflicht. „Mehr Familie, weniger Party – das verlangt die Corona-Pandemie“, sagte der Bürgermeister.

Bettina Robrahn-Böker, Geschäftsführerin der Veranstaltungsgesellschaft Bremer Schausteller (VBS), sagte dem Regionalmagazin „buten un binnen“, es habe gute Gespräche gegeben. Doch als der Senat am Dienstag seine Pläne verkündet habe, seien die Schausteller aus allen Wolken gefallen. Robrahn-Bröker: „Ich habe es noch nie erlebt, dass mir jemand so in den Rücken fällt, wie es der Senat mit uns Schaustellern mit seinem Beschluss zum Freimarkt gemacht hat.“

Unstimmigkeiten auch innerhalb des Bremer Senats

Im Bremer Senat gab es dem Vernehmen nach auch Unstimmigkeiten. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) war gegen das strikte Alkoholverbot. Die Mehrheitslinie hat sich durchgesetzt. Sie folgte der Argumentation von Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne). Aus ihrer Sicht birgt ein Alkoholausschank auf dem Freimarkt Bremen ein „zu großes Risiko“. Schaefer ergänzte: „Einen Corona-Ausbruch können wir uns nicht leisten.“ Den Schaustellern sei der Schwarze Peter zugeschoben worden, sagte auch Robrahn. Schließlich müssten sie im Falle eines Falles das Aus für den Freimarkt verkünden. Immer wieder verweisen Robrahn und Co. auf Märkte, die ohne Bier- und Weinausschank nicht funktionierte.

Ein anderes Beispiel: Der Stoppelmarkt, der in diesem Jahr als „Freizeitpark Vechta“ firmiert und seit Donnerstag läuft: Hier ist der Ausschank von Wein und Bier ist dort erlaubt. Der Geschäftsführer des Vereins reisender Schausteller Vechta, Karl-Heinz-Wehry, sagte, dass er es sich nicht vorstellen kann, dass die Schausteller den Freizeitpark ohne Wein und Bier veranstalten würden. „Bier ist ein zusätzlicher Anreiz für die Leute, ohne den sie nicht kommen.“

Der Hamburger Senat hingegen steuert den gleichen Kurs wie die Bremer Kollegen. Für den vom 6. November bis 6. Dezember geplanten Winterdom auf dem Heiligengeistfeld soll ein striktes Alkoholverbot gelten. (je)

Originalartikel vom 9. September: Die Meldung aus dem Rathaus Bremen klang am Dienstag verheißungsvoll. Es sollt eine abgespeckte Version des Freimarktes geben, einen temporären Freizeitpark auf der Bürgerweide. Dies forderten auch viele Schausteller. Doch statt ich zu freuen, droht der Schaustellerverband des Landes Bremen nun mit einer Komplettabsage. „Man hat uns den schwarzen Peter zugeschoben“, sagte Schaustellerverband-Vorsitzende Rudolf Robrahn. Hintergrund des Unmuts: Der Senat hatte ein absolutes Alkoholverbot beschlossen. Bis Donnerstag will der Schaustellerverband mit dem Senat nachverhandeln. „Gibt es bis dahin keine Einigung, sagen wir den Freizeitpark ab“, sagt Rudolf Robrahn.

Bislang geplante Eröffnung: 2. Oktober
Geplante Öffnungszeiten:12 bis 21 Uhr und 12 bis 22 Uhr am Wochenende
Besucher:maximal 6.000 gleichzeitig
Dauer:vier Wochen

Bremer Freimarkt-Alternative mit Absperrgittern und ohne Alkohol

Laut Rudolf Robrahn funktionieren Freizeitparks ohne Alkoholausschank nicht. Als Beispiel nennt er den Ersatz für die ausgefallene Liboriwoche in Paderborn. Dort gab es zuerst einen Freizeitpark ohne Alkoholausschank. „Man hat in Paderborn aber nachgesteuert. Dann lief auch die Veranstaltung“, sagt Rudolf Robrahn. Wird in Bremen nicht auch nachgesteuert, drehen sich keine Karussells. „Das haben wir im Vorfeld deutlich gesagt“, so Rudolf Robrahn.

Rudolf Robrahn betont, dass es bei dem Alkoholausschank nicht um Cola-Korn oder Whiskey ginge, sondern um ein Bier, ein Glas Wein oder ein Glas Sekt. Als positives Beispiel nennt Rudolf Robrahn die Bremer Innenstadt oder die Schlachte. „Dort wird auch Alkohol ausgeschenkt. Und es funktioniert“, sagt Rudolf Robrahn. Unverständlich ist für ihn, warum es auf der Bürgerweide nicht funktionieren sollte. „Es soll kein Besäufnis werden“, meint Rudolf Robrahn. Zumal es keine Musik geben wird. Ziel ist eine familienfreundliche Alternative zum Freimarkt.

Nach der Ankündigung der Schausteller, den Freizeitpark nicht zu veranstalten, wenn dort kein Alkohol ausgeschenkt werden darf, zeigt sich der Senat unbeeindruckt. Einen Freizeitpark werde es nur ohne Alkoholausschank geben, so Senatssprecher Christian Dohle auf Nachfrage von buten un binnen.

So viel Freimarkt wie 2019 wird es im Corona-Jahr 2020 nicht geben. Aber vielleicht ein bisschen.

Für Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) birgt ein Alkoholausschank hingegen ein „zu großes Risiko“. Es gehe um die Gesamtverantwortung für „die Gesundheit unserer Bevölkerung“. Maike Schaefer weiter: „Einen Corona-Ausbruch können wir uns nicht leisten.“

Auf der Bürgerweide wäre der Freizeitpark eingezäunt und es gebe Ein- und Ausgänge. „Wir würden alkoholisierte Personen gar nicht erst aufs Gelände lassen“, sagt Rudolf Robrahn. Auch könnte man das Hausrecht anwenden. Meint: Wer über die Stränge schlägt, wird rausgeschmissen.

Bremer Freimarkt-Alternative soll Blaupause für weitere Märkte werden

Dass es auch anders geht, zeigen Bruchhausen-Vilsen, Vechta und Oldenburg. Dort starten Freizeitparks - mit Alkoholausschank. „Warum es in Bremen verboten wurde, wurde uns nicht erklärt“, sagt Rudolf Robrahn. In Penzberg (Bayern) werden ab Mitte September dezentral über die Innenstadt verteilte Volksfest-Stände für wenigstens ein bisschen Budenzauber sorgen.

In den vergangenen Wochen haben der Schaustellerverband und das Wirtschaftsressort eng zusammengearbeitet. Es wurden Ablauf- und Hygienekonzepte erarbeitet. Das Wirtschaftsressort war auch für den Alkoholausschank. Entsprechend groß war die Enttäuschung am Dienstag über den Senatsbeschluss. Der Freizeitpark auf der Bürgerweide sollte auch eine Blaupause für den Weihnachtsmarkt und die Osterwiese sein - sofern die Osterwiese abgesagt werden sollte.

Der Bremer Roland trägt ein Freimarkt-Herz. Im Jahr 2020 kann das Volksfest nicht wie gewohnt stattfinden.

Bis zur Entscheidung am Donnerstag wird die Zeit knapp. „Wir brauchen auch noch Vorbereitungszeit“, sagt Rudolf Robrahn. Daher kann nicht bis kurz vor der Eröffnung verhandelt werden. Denn der Schaustellerverband wäre der Veranstalter für den Freizeitpark. „Wir springen für die Stadt ein“, sagt Rudolf Robrahn. Wobei er es grundsätzlich für richtig hält, wenn die Stadt Bremen die Märkte organisiert. Doch in Zeiten von Corona ist vieles anders. Die Schausteller wollen zeigen, dass man mit Corona leben und umgehen kann. Davon gilt es in der Kürze der Zeit Großteile des Senats zu überzeugen.

Rubriklistenbild: © Marvin Köhnken

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