„Bauen für Bremen – Architektur in der Hansestadt“: „Brutalismus“ am Domshof

Mit freier Sicht auf Beton

Ursprünglich für die Bank für Gemeinwirtschaft gebaut – das Haus Schüsselkorb 3. ·
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Ursprünglich für die Bank für Gemeinwirtschaft gebaut – das Haus Schüsselkorb 3. ·

Bremen - Von Thomas KuzajWieder so ein Bauwerk, an dem sich – wie es immer so schön heißt – die Geister scheiden. Die einen finden‘s spannend, die anderen hässlich. Niemandem aber scheint es gleichgültig zu sein. Gemeint ist das Gebäude, das der Hamburger Architekt Hans Jürgen Guckel (1920 bis 2009) am Domshof für die Bank für Gemeinwirtschaft errichtete.

Domshof? So wirkt es. In Wirklichkeit aber ist die Postadresse bereits: Schüsselkorb 3. Als Provokation war das im Juni 1966 eröffnete – und so auffällige – Haus gar nicht gedacht. Die Bank für Gemeinwirtschaft, praktisch eine Gewerkschaftsbank, beschäftigte Hans Jürgen Guckel als Hausarchitekten, steht im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011).

Und Schwarzwälder kommentierte (in einem Lexikon, wohlgemerkt): „Ob der fünfgeschossige Stahlbetonbau mit seinen großen Glasfenstern und den sandsteinverkleideten Balkonen an dieser Stelle eine Bereicherung des Stadtbildes darstellt, ist umstritten.“ Mit der Formulierung „an dieser Stelle“ meinte er wohl: in der Nachbarschaft historischer und historisierender Fassaden, des Doms und des Domshofs.

„Das Gebäude schloss die nördliche Platzwand des Domshofs ab“ – so sieht man es beim Bremer Zentrum für Baukultur (BZB), dessen Forschungsthema die bremische Architektur nach 1945 ist.

Und so ist im Internet-Architekturführer des BZB zu lesen: „Der Bankneubau bildete platzräumlich den Eckpunkt zur Straße Schüsselkorb. Diese Aufgabe löste der Architekt, indem er ab dem ersten Obergeschoss eine deutliche Auskragung vorsah.“ Und zu den markanten Brüstungsbändern der Fassade heißt es: „Die kraftvolle Dimensionierung dieser Bänder, plastische Ausklinkungen, schießschartenähnliche Öffnungen sowie die Kombination des Sandsteins mit Sichtbeton waren deutliche Kennzeichen eines zeittypischen ‚brutalistischen‘ Architekturstils.“

Anzumerken bleibt, dass „Brutalismus“ nichts, wie Böswillige vielleicht meinen könnten, mit Brutalität zu tun hat. „Brutalismus“ ist ein Architekturstil der Moderne, dessen Name sich von dem Begriff „béton brut“ ableitet. Und der bedeutet – ganz einfach – „Sichtbeton“ in französischer Sprache.

Nicht mehr sichtbar ist die Bank für Gemeinwirtschaft. Vor mehr als zehn Jahren ging sie in der (im Ursprung schwedischen) SEB auf. Jahre später ging das Privatkundengeschäft der deutschen SEB an die deutsche Tochter der spanischen Banco Santander über. Und so steht heute an der auffälligen Fassade des Hauses Schüsselkorb 3: Santander.

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