Freie Fahrt in Huchting

Brücke über B 75: Nach 19 Monaten Bauzeit rollt der Verkehr wieder

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Fahrbahn frei auf der Brücke über die B 75: Jürgen Pohlmann (Baudeputation, v.l.), Bausenator Joachim Lohse und die stellvertretende Sprecherin des Beirats Huchting, Yvonne Averwerser, durchschneiden das Band.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Das Wetter ist ungemütlich und die Stimmung nicht unbedingt besser. Unter einem Trillerpfeifen-Stakkato tritt die Leiterin des Amts für Straßen und Verkehr, Brigitte Pieper, ans Mikro. Laute Buhrufe.

Dabei ist ein Erfolg erreicht. Nach 19 Monaten Bauzeit ist am Freitagabend auf der Heinrich-Plett-Allee in Huchting die neue Brücke über die B 75 fertig. „Es ist meine Aufgabe, die Brücke heute dem öffentlichen Verkehr zu übergeben“, sagt Pieper. Man habe das Fehlen der Brücke durch viel Verkehrschaos zu spüren bekommen.

Mehrere hundert Interessierte – am Prozess Beteiligte, vor allem aber Demonstranten – sind zur Einweihung gekommen. Niemand hat etwas gegen die Brücke, heißt es. Allerdings stört einige Huchtinger, dass zukünftig möglicherweise die Straßenbahnen der verlängerten Linie 1 hier fahren könnten. Die Demonstranten befürchten eine Verschlechterung gegenüber dem bisherigen Bus-Kreisverkehr und die Ausgrenzung großer Wohnbereiche.

4,4 Millionen Euro ausgegeben

Die neue Brücke ist zwei Meter länger als ihre Vorgängerin und 6,50 Meter breiter. Damit können auf ihr Straßenbahnschienen gebaut werden. Noch befindet sich im Einfahrtbereich eine große Insel, auf der sogar Platz für ein Beet ist. Da für die gut 30 Meter lange Brücke 4,4 Millionen Euro ausgegeben werden, beschloss man schon in der Konzeptphase, Raum für Straßenbahnschienen zu schaffen. Den Großteil der Kosten hat der Bund übernommen.

Als Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) ans Rednerpult tritt, nähern sich die Trillerpfeifen der Schmerzgrenze. Lohse fordert die Demonstranten auf, mit ihm zu diskutieren. Das habe nie Sinn gehabt, heißt es bei den Straßenbahngegnern.

Fünf Wochen später fertig geworden

Lohse entschuldigt sich bei den Gästen für die um fünf Wochen verspätete Fertigstellung. Schließlich durchschneiden er und weitere Gäste ein Band. Die Brücke ist freigegeben. Um vier Uhr am Sonnabendmorgen sollen dann auch wieder die Buslinien 57 und 58 sowie die Nachtlinie N6 mittels der neuen Brücke über die B 75 mit ihren rund 40.000 Fahrzeugen am Tag fahren. 

Für den Stadtteil ein Grund zum Aufatmen. „Über die Brücke fahren jeden Tag 10.000 Fahrzeuge. Jetzt, wo sie wieder frei ist, wird sich der Verkehr in Huchting endlich wieder entzerren“, sagt Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV). 

Insbesondere die Huchtinger Heerstraße und die Kirchhuchtinger Landstraße waren während der Bauarbeiten von den umgeleiteten Verkehrsströmen betroffen. „Der Unmut der Verkehrsteilnehmer war zeitweise merkbar. Das endet jetzt mit der Eröffnung“, sagt Stellmann. Fünfmal wurde auch die B 75 gesperrt, jeweils am Wochenende. Das führte zu Belastungen am Bremer Kreuz, auf der A 1 und auf der A 27. Lediglich Fußgänger und Radfahrer konnten eine extra aufgestellte Behelfsbrücke nutzen.

Vorgängerbrücke nach 50 Jahren abgerissen

Die 1964 gebaute Vorgängerbrücke musste nach gut 50 Jahren vorzeitig abgerissen werden. Der Grund: In der Brücke war spannungsrissgefährdeter Stahl verbaut. 

„Man kann die Tragfähigkeit des Stahls nicht im Nachhinein kontrollieren. Für die Tragfähigkeit gibt dann kein Ingenieur mehr seine Unterschrift. Das betrifft den Stahl aus bestimmten Jahrgängen“, so Stellmann. „Normalerweise werden Brücken in Deutschland für eine Nutzungsdauer von 100 Jahren konstruiert“, sagt Martin Stellmann.

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