„Spamalot“: „Ritter der Kokosnuss“ als Musical

Freche Feen und Killerkaninchen

Patsy (Pascal Jounais, v.l .), König Artus (Martin Rönnebeck) und Sir Lancelot (Dominik Müller) in „Spamalot“. - Foto: Svensson/Fritz-Theater

Bremen - Von Steffen Koller. Englischer Humor hat es oft nicht einfach, doch in Bremen trifft er den Nerv des Publikums. Mit „Spamalot“ holt Regisseur Tim Reichwein den „MontyPython“-Kultfilm „Ritter der Kokosnuss“ auf die Bühne des „Fritz“-Theaters am Herdentorsteinweg – und das als Musical. Eine Geschichte von bizarrer Buntheit, grausamen Killerkaninchen und jeder Menge Showgirls. Jetzt feierte das Stück Premiere.

Gott ist weiblich und in Netzstrümpfen? Ein kleines Kaninchen beißt edlen Rittern einfach so den Kopf ab? Klingt verrückt? Ist es auch! Und witzig obendrein. Doch von vorn. Alles beginnt im beschaulichen Großbritannien 932 nach Christus. Das Land ist geteilt, hier ein paar Schotten, dort ein paar Briten – und die Pest ist eh nicht aufzuhalten.

Doch einer schwingt sich auf, um das Land zu einen: König Artus (Martin Rönnebeck). Mit seinem Diener Patsy (Pascal Jounais), der gleichzeitig durch das aneinanderschlagen zweier Kokosnusshälften so ulkig komisch ein Pferd imitiert, beginnen sie ihre Mission und müssen obendrein noch den heiligen Gral finden.

Gar nicht so einfach, wenn ihnen dabei freche Franzosen und Anhänger anarchistisch-syndikalistischer Kommunen in den Weg kommen, die keine Befehle des Königs der Briten entgegennehmen. Und überhaupt: Wer sind diese Briten überhaupt?

„Wir alle. Alle sind wir Briten“, heißt es dazu im Film und im „Fritz“-Theater scheint es fast so, als sei dies genau der Fall. Denn „Spamalot“ kommt an, überzeugt mit seinem beißenden Humor und den fast schon dämlichen Texten. Das Musical übertreibt maßlos und ist dabei doch so nah am Publikum. Schräge Tanzeinlagen à la Disney wechseln sich mit Parodien auf aktuelle Hollywood-Filme ab, Popsongs der frühen 2000er werden aufs Korn genommen und die Politik obendrein.

Die AfD bekommt ihr Fett weg, Adolf Hitler sowieso, Britney Spears hat auch nicht viel zu lachen und mit „Krasses Opfer Du, ich mach aus Dir Asphaltdeko“ ist an dieser Stelle noch ein eher harmloses Beispiel für die Jugendsprache gewählt.

Doch bei aller unterschwelligen Kritik heißt es doch am Ende immer: „Always look on the bright side of life“, was sich auch Werder Bremen mal zu Herzen nehmen sollte, denn das mittlerweile aus sechs Rittern bestehende Ensemble rund um Camelot kommt beim Publikum „eh erfolgreicher an als Werder in der Champions League“.

Trotz begrenzter technischer Mittel, die das „Fritz“-Theater vorzuweisen hat, gelingt es Regisseur Tim Reichwein – der übrigens selbst als Schauspieler auf der Bühne steht – und seinem Team, ein gut eineinhalbstündiges Programm aufs Parkett zu zaubern, dass mit stehenden Ovationen minutenlang gefeiert wird.

Es sind Kindheitserinnerungen, die dort wieder geweckt werden, Erinnerungen an einen Humor, der 1974 zum ersten Mal auf die Leinwand kam. Mehr als 40 Jahre später ist er aktueller denn je und bringt auch im „kühlen Norden“ die Lachmuskeln der Zuschauer auf ordentliche Betriebstemperatur.

Wer sich selbst überzeugen möchte, „Spamalot“ läuft noch bis zum 29. Januar 2017 im „Fritz“.

Karten gibt es ab 34 Euro an den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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