Werkstatt für digitale Medizin

Fraunhofer Mevis bekommt für 15 Millionen Euro ein neues Institutsgebäude

So soll das neue Institutsgebäude des Fraunhofer-Instituts Mevis auf dem Uni-Campus in Bremen aussehen, wenn es in etwa zwei Jahren fertig ist. Am Mittwoch wurde für das 15-Millionen-Euro-Projekt der Grundstein gelegt. - Foto: Haslob Kruse und Partner

Bremen - Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin, Mevis, bekommt am Hauptstandort Bremen ein neues Institutsgebäude. Es entsteht an der Max-von-Laue-Straße. Am Mittwochmorgen wurde der Grundstein gelegt. Baukosten: rund 15 Millionen Euro. Im Herbst 2020 soll das neue Gebäude fertig sein. Es bietet Platz für 210 Mitarbeiter, wissenschaftliche Hilfskräfte, Doktoranden und Gastwissenschaftler.

Getragen werden die Kosten je zu einem Drittel vom Bundesforschungsministerium, dem Land Bremen und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre). Bauherrin des vom Bremer Architekturbüro Haslob Kruse und Partner entworfenen Neubaus ist die Fraunhofer-Gesellschaft in München. Das neue Gebäude umfasst 2600 Quadratmeter auf vier Etagen.

Mevis zählt zu den renommierten Forschungseinrichtungen seiner Art. An vier Standorten in Bremen, Lübeck, Berlin und Aachen entwickelt es innovative Softwaresysteme, die Ärzte in ihrem Arbeitsalltag unterstützen – von der Herzdiagnostik über die Tumortherapie bis hin zu Analysen für großangelegte klinische Studien.

Moderne Bildgebungsverfahren und Labortests liefern enorme Mengen an digitalen Daten, wie es heißt. Um sie umfassend zu nutzen, arbeitet die Fachwelt an lernfähigen Algorithmen und intelligenten Assistenzsystemen. Diese können diagnostisch und therapeutisch relevante Infos aus den Daten „herauskitzeln“, die ansonsten verborgen blieben. „Bei der Digitalisierung der Medizin geht es nicht nur darum, die Abläufe effizienter zu gestalten“, erläutert Horst Hahn, einer der beiden Institutsleiter. „Es geht vor allem auch darum, aus der Gesamtheit der Daten einen medizinischen Mehrwert für den einzelnen Patienten zu gewinnen. Hier sind wir Wegbereiter für neue Ideen und Innovationspartner für Kliniken und Unternehmen.“

Grundsteinlegung fürs neue Institutsgebäude mit Heinz-Otto Peitgen (v.l.), Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt, Ron Kikinis und Horst Hahn (beide Institutsleiter), Jens Kruse (Architekturbüro HKP), Andreas Meuer (Präsidium der Fraunhofer Gesellschaft) und Guido Prause. - Foto: Fraunhofer Mevis

Das neue Institutsgebäude auf dem Campusgelände der Uni soll dafür den Rahmen bieten. Die architektonische Idee der Bremer Architekten basiert auf einer Zellstruktur, bei der drei organisch geformte Baukörper ineinandergreifen. Glaswände sorgen für Transparenz, Kommunikationszonen bieten Raum für spontane Besprechungen, so zumindest die Idee der Macher. „Damit greift die Architektur unsere transparente und kooperative Kultur auf“, sagt der Mevis-Baubeauftragte Guido Prause.

Mit dem neuen Standort rückt das Institut näher an die Uni heran, und zwar nicht nur räumlich. Bereits heute arbeitet Mevis eng mit dem Fachbereich Informatik zusammen, beide haben vor kurzem den gemeinsamen Studienschwerpunkt „Medical Computing“ eingerichtet. Künftig soll die Kooperation ausgebaut werden, etwa durch gemeinsame Workshops und Lehrveranstaltungen. „Wir fassen den Neubau als eine Werkstatt für digitale Medizin auf, in der Software-Werkzeuge entwickelt und eingesetzt werden“, so Hahn. „Er wird ein Ort der Begegnung sein, wo unterschiedlichste Menschen über die Zukunft der Medizin nachdenken.“ Gemeint sind damit Kliniker, Wissenschaftler und Unternehmer, aber auch Studenten, Schüler und Lehrer. Schon jetzt gibt es Angebote für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Noch vor dem Einzug in den Neubau ändert die Forschungseinrichtung ihren Namen: Am 1. Januar 2019 – genau zehn Jahre nach der Aufnahme in die Fraunhofer-Gesellschaft – wird aus dem Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin das Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin. Grund: Stand anfangs die bestmögliche Nutzung von bildgebenden Verfahren wie CT, MRT und Ultraschall im Vordergrund, geht es heute zusätzlich um die automatische und intelligente Verknüpfung umfassender medizinischer Datensätze sowie um die computergestützte Optimierung minimalinvasiver Eingriffe, heißt es. 

Hintergrund: Früherkennung von Krankheiten

Eingebunden in ein weltweites Netzwerk aus klinischen und akademischen Partnern, entwickelt das in Bremen in Uninähe ansässige Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin (Mevis) praxistaugliche Softwaresysteme für die bildgestützte Früherkennung, Diagnose und Therapie. Im Mittelpunkt stehen Krebsleiden sowie Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, des Gehirns, der Brust, der Leber und der Lunge. Das Ziel ist, Krankheiten früher und sicherer zu erkennen, Behandlungen individuell auf den Patienten zuzuschneiden und Therapieerfolge messbar zu machen, so eine Mevis-Sprecherin. Außerdem entwickelt das Institut im Auftrag von Industriepartnern Softwaresysteme, mit denen sich bildbasierte Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten und Kontrastmitteln auswerten lassen. Um seine Ziele zu erreichen, arbeitet Fraunhofer Mevis eng mit Medizintechnik- und Pharmaunternehmen zusammen.

Einer der Mevis-Gründer war 1995 der Bremer Mathematik-Professor und renommierte Chaosforscher Heinz-Otto Peitgen, langjähriger Leiter des Instituts. 2009 erfolgte die Aufnahme der gemeinnützigen Einrichtung in die Fraunhofer Gesellschaft. 

gn

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Nikolausmarkt in Bücken

Nikolausmarkt in Bücken

Weihnachtsmarkt in Blender

Weihnachtsmarkt in Blender

Meistgelesene Artikel

Trauer im Zoo am Meer: Eisbärenjunge kurz nach Geburt tot 

Trauer im Zoo am Meer: Eisbärenjunge kurz nach Geburt tot 

Landgericht verurteilt Angeklagte: Haftstrafen für Steineleger

Landgericht verurteilt Angeklagte: Haftstrafen für Steineleger

Steine auf Straßen gelegt - Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen

Steine auf Straßen gelegt - Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen

Nach Straßburg-Anschlag: Kontrolle von französischem Taxi ergibt keine Hinweise

Nach Straßburg-Anschlag: Kontrolle von französischem Taxi ergibt keine Hinweise

Kommentare