Französischer Botschafter beim 28. Bremer Unternehmerforum

Eine Geste für den Gast

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Präsident Ingo Kramer (v.l.), Botschafter S.E. Philipp Etienne, Bürgermeister Carsten Sieling und Hauptgeschäftsführer Cornelius Neumann-Redlin vor der Eröffnung des 28. Bremer Unternehmerforums gestern im Dorint Park Hotel.

Bremen - Von Ralf Sussek. Es stand unter ganz besonderen Vorzeichen, das 28. Bremer Unternehmerforum gestern Abend im Dorint Park Hotel. Zumal der französische Botschafter zu Gast war, und das trotz der aktuellen Ereignisse in Paris.

Er sprach über „Frankreichs Wirtschaft im Wandel – Gemeinsam für ein starkes Europa“. Und vorher natürlich über die Bedrohung, über den „feigen Terror“, die „totale Barbarei“, die am Freitag über Frankreich hereingebrochen war. „Zum zweiten Mal liegt ein Meer von Kerzen und Blumen vor unseren Botschaften in aller Welt“, sagte S.E. Philipp Etienne. Frankreich sei nicht allein. „Wir müssen zusammen reagieren.“

Der Präsident der Unternehmensverbände im Land Bremen, Ingo Kramer, hatte auf das „grauenhafte Desaster“, wie er es nannte, mit einer Schweigeminute reagiert. Eine Geste, die beim französischen Gast gut ankam: „Die Terroristen wollen uns spalten. Das wird ihnen nicht gelingen.“

Kramer brach in der Flüchtlingsdebatte eine Lanze für die, die in Deutschland Schutz suchen: „Die Menschen fliehen genau vor dem Terror, wie ihn Paris am Freitag erlebt hat.“ Und unterstützte die Forderung, dass die Willkommenskultur einen „geordneten Rahmen“ brauche.

Kramer erinnerte an die „Erzfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich, die beiden Weltkriege. Die großen Politiker Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, Helmut Kohl und François Mitterand hätten die beiden Länder näher zusammengerückt – und im Bremer Rathaus hätten Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing 1978 die Währungsunion initiiert. Wirtschaftlich eng miteinander verflochten, hat Frankreich gerade Reformen auf den Weg gebracht, während man in Deutschland manchmal die Sorge haben müsse, „dass wir das Rad zurückdrehen“, sagte Kramer mit Hinweis auf Gesetzgebungsinitiativen zur Verringerung von Leiharbeit und Werkverträgen.

Großen Applaus erntete Kramer für seinen Appell an den anwesenden Bremer Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), die Wirtschaft Bremens zu stärken: „Die politische Leistungsfähigkeit des Landes scheint der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (fünftstärkste Wirtschaftskraft bundesweit, Anm. d. Red.) hinterherzuhinken.“

Sieling wiegte den Kopf – er hatte nach Kramer Gelegenheit, ein anderes Bild zu zeichnen. Dass man anpackt (gestern gab es eine Senatsklausur zum Thema Flüchtlinge), dass man sich für dieses Jahr auf 10 000, in den nächsten beiden Jahren auf jeweils 12 000 bis 14000 Asylsuchende vorbereitet. „Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen, nicht mit einem Programm, sondern mit konkreten Maßnahmen und Projekten.“

Solche konkreten Reformen benannte auch der Botschafter, als er über den Wandel der französischen Wirtschaft sprach, über zwei Rentenreformen (das Renteneintrittsalter stieg dadurch seit 2012 von 62 auf 66 Jahre), über ein 50-Milliarden-Euro-Sparpaket (die Kürzung des Militärhaushalts wurde wegen der Pariser Anschläge gerade zurückgenommen) und eine umfassende Neuregelung des Arbeitsrechts.

Dazu kommt eine „Flexibilisierung des Arbeitsmarkts auf französische Art“, ein „sozialer Dialog“, so Etienne. Allein das reicht aber nicht. „Wir müssen auch auf europäischer Ebene Reformen fördern. Deutschland und Frankreich spielen dabei eine Schlüsselrolle“, sagte er. Ein Plädoyer für einen Schulterschluss zwischen den Nachbarn – auf allen Ebenen.

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