Schaffermahlzeit im Rathaus: Die Dinge wandeln sich / Steinmeier als Ehrengast

Drei Frauen beim Minister

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Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kam am Freitag als Ehrengast zu der traditionellen Schaffermahlzeit in Bremen.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Dinge wandeln sich. Wieder nehmen drei Frauen als Gäste an der Schaffermahlzeit teil, zum zweiten Mal, es ist die 472. Auflage. Sie sitzen an Tisch A, an der Basis von Neptuns Dreizack – neben Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Letzterer freut sich, dass Frauen dabei sind: „Das war keine alte Tradition – das war eine veraltete Tradition.“

Die drei Schaffer sind im Stress. Und der beginnt spätestens für Frank Dreeke (BLG), Joachim Linnemann (Justus Grosse) und Christian Freese (Freese AG) mit der Verkostung des Braunkohls – zwei Stunden vor Beginn des Festmahls. Die Frauen der Schaffer sind dabei, wenn Koch Stefan Madaus den Kohl löffelweise auf die Teller packt. „Schmeckt hervorragend“, sagt Dreeke. Kurze Zeit später folgt ein echt hanseatisch-euphorischer Kommentar: „Kann man essen.“

Weiter geht’s – mit Interviews und Fotos für die zahlreichen Medienvertreter. Mit kurzen Pausen, netten Gesprächen. Und dann heißt es: Spalier stehen und alle Gäste begrüßen. Ein Prozedere, das gut eine Stunde dauert. 100 Kapitäne, 100 Kaufleute und 100 Gäste nehmen traditionell an der großen Tafel mit vier langen Tischen Platz, die wie Neptuns Dreizack aufgestellt sind. Die Herren tragen Frack oder eben Kapitänsuniform.

Die drei Frauen am „Cheftisch“ sind Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Unternehmerin und Weserpark-Eigentümerin Wiltraud Steenken und Irene Rosenfeld von Mondeléz. Und eben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der das Interesse, die Kameras und Mikros der Medien und die Blicke der Bremer auf sich zieht, als er vom Schütting über den Marktplatz geht – mit Bürgermeister Sieling und diversen Personenschützern im Schlepptau. Und natürlich stoppt auch der Steinmeier-Tross, bevor es ins Rathaus geht, um dem „Capstan Shanty-Chor“ (unter Leitung von Anna Koch) zu lauschen, der just „Hoch im Norden weht ein rauer Wind...“ intoniert. Demonstranten rufen derweil: „Frieden für Syrien.“ Weiter geht es ins Rathaus. Der Außenminister trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Und sagt zu Gastgeber Sieling: „Wenn man als Politiker nicht einmal im Leben zu dieser Veranstaltung eingeladen werde, muss man sich Gedanken machen.“

472. Schaffermahlzeit in Bremen

Für die Schaffer beginnt der Endspurt. Um 14.25 Uhr gibt der Verwaltende Vorsteher der Stiftung Haus Seefahrt, Friedrich Lürßen, durch Klopfen den Einlass bekannt. Das fünfstündige Festmahl mit fünf Gängen und zwölf Reden beginnt. 13 Minuten später wird die Hühnersuppe serviert, um 15.24 Uhr Stockfisch, um 16.31 Braunkohl, um 18.43 Uhr Rigaer Butt mit Sardellen sowie Chester- und Rahmkäse. Zwischendurch wandern die Sammelbüchsen durch die Reihen. Schließlich kommt der Erlös der Schaffermahlzeit dem Haus Seefahrt zugute.

Steinmeier verpasst den Butt. Er hält seine 30-minütige Rede um 17.45 Uhr, nach dem Kalbsbraten. Der Minister widmet sich in seiner Rede zuerst dem Ritual. Als Diplomat sei er „ja lange Sitzungen gewöhnt…aber das hier: Respekt“. Und weiter: „Vier Stunden, bis ich zum ersten Mal reden darf – das passiert mir sonst nur, wenn ich bei Herrn Putin auf einen Termin warte.“ Steinmeier spricht dann über über Kiew und Donezk, über Riad und Teheran, Aleppo und Tripolis. „Die Krisen häufen sich in dieser Zeit in einer Vielzahl, Komplexität und Vehemenz, wie ich sie in meiner eigenen politischen Biographie noch nicht erlebt habe.“ Steinmeier verteidigt die deutsche Asylpolitik. Dann reist er weiter zur Sicherheitskonferenz nach München. „Und wenn Sie erlauben, bringe ich den Bayern ein paar Stockfische mit. Denn Ärzte sagen: Immer nur Haxe und Weißbier vernebelt das politische Denken.“

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