Fragile Elemente

„Mein Kunst-Stück“ mit Anne Hemsing und ihrem Bild „Zwischenwelten“

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Fragile Elemente scheinen in Anne Hemsings Werk „Zwischenwelten“, einem großformatigen Acrylbild, zu schweben.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Zwischenwelten“ heißt Anne Hemsings Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. In dem großformatigen Acrylbild scheinen fragile Elemente zu schweben. Es bleibt unbestimmt, in welcher Welt sich die Objekte aufhalten oder bewegen.

Für die „Zwischenwelten“ brauchte Anne Hemsing eine Portion Geduld. Nach etlichen Anfängen war sie immer wieder unzufrieden und malte das Bild über. „Irgendwann habe ich aufgehört, nachzudenken. Und plötzlich war im Entstehungsprozess ein ganz klarer Augenblick.“ Ab da ging ihr die Arbeit zügig von der Hand. Wichtig war es der Künstlerin zufolge, den Punkt nicht zu verpassen, an dem man aufhören muss. Der sei wichtig, um das Bild erst einmal ruhen zu lassen und die Arbeit später mit etwas Abstand fortzusetzen. Zum Schluss braucht die Künstlerin immer noch etwas Haptisches in ihren Bildern.

Das ist der Zeitpunkt, an dem sie beispielsweise für „Zwischenwelten“ neben Kaffeegranulat und Farbe zusätzlich Papier auf die Leinwand setzte. Sie schuf damit eine leicht plastische Oberfläche. „Ich komme aus der Bildhauerei“, sagt Hemsing. „Da fehlt mir sonst etwas.“ Das Pendant zu „Zwischenwelten“ ist bereits verkauft. Obwohl es Hemsing traurig macht, ein Bild wegzugeben, überwiegt doch die Freude: „Es ist schön, dass es jemandem gefällt und dass es dort, wo es hängt, von anderen Menschen betrachtet wird.“

Auf die Kunst gekommen ist die heute 49-Jährige über die Pädagogik. Die Kunst habe jedoch schon immer eine große Bedeutung für sie gehabt. Bereits als Kind malte sie auf Schieferplatten oder gestaltete Eisschollen zu Skulpturen. Die fertigen Objekte stellte sie dann für Familie und Freunde zu Hause aus. Mit Familie und Beruf blieb der Pädagogin nicht viel Zeit für die eigene Kunst. „Leider bin ich kein Nachtmensch, der nach Familie und Beruf noch die Nacht durchmalt“, sagt Hemsing und lacht. Der Entschluss, der eigenen Kunst mehr Raum zu geben, fiel durch den Tod eines Freundes. „Die Endlichkeit des Lebens rückte in den Fokus.“

Hemsing studierte Kunsttherapie in Ottersberg und besorgte sich ein Atelier im Dammweg. Dort konnte sie endlich arbeiten, ohne unterbrochen zu werden. Gleichzeitig genießt sie den Austausch mit der Ateliergemeinschaft. Die Herausforderung des Künstlerlebens sei es, sich treu zu bleiben und sich dennoch weiterzuentwickeln, meint die Malerin. Die Präsentation und der Verkauf der Bilder seien anstrengend, die Preisfindung manchmal kniffelig. „Oft ist den Betrachtern nicht bewusst, wieviel Ausbildung und Zeit in ein Werk eingeflossen sind.“

Ob wir Kunst brauchen? – „Aber sicher! Der Künstler braucht sie, um seine Wahrnehmung zu schulen. Der Betrachter kann seine Wahrnehmung an der Kunst überprüfen und möglicherweise erweitern. Gerade bei nicht gegenständlichen Bildern – wie beispielsweise ‚Zwischenwelten‘ – ist es schön, den Betrachter seinen eigenen Gedanken zu überlassen.“ Zu den Künstlern, die für Hemsing besonders bedeutend sind, zählen der US-Amerikaner Cy Twombly (1928 bis 2011) und der Deutsche Joseph Beuys (1921 bis 1986). An Twombly gefällt Hemsing dessen fragile Technik und Formsprache. Seine Strichführung fasziniert sie ebenso wie seine Thematik von Vergänglichkeit und Gegenwart. Beuys beeindruckt Hemsing durch seine Überraschungsmomente, etwa dadurch, dass er Dinge in andere Zusammenhänge setzt.

Wenn Hemsing jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines als Anregung an alle Pädagogen. Sie sollen daran denken, allen Kindern und Jugendlichen ihren eigenen Strich zu lassen und ihre Gefühle ins Bild hineinzubringen. „Ein Auto malt jeder anders“, erklärt Hemsing, „denn jeder verbindet andere Emotionen mit dem Gemalten. Die Emotionen sind es, die zählen.“

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