„Mein Kunst-Stück“ 

Fragil und bleibend: Martina Burandts Porzellanfigur „Verbindung“

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Martina Burandts „Verbindung“ zeigt eine Umarmung von Mutter und Tochter.

Bremen - Von Ilka Langkowsik. „Verbindung“ heißt Martina Burandts Porzellanfigur, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das Kunstwerk zeigt eine Mutter mit ihrer Tochter in liebevoller Umarmung.

Martina Burandt gestaltet ihre Porzellanfiguren entweder lang und dünn oder breit und dick. „Verbindung“ gehört zu den fragilen, schlanken Skulpturen. Das feine harte Porzellan steht auf einem organischen Sockel aus Holz. Der Übergang von Kleid zu Baumrinde ist nahezu fließend. Die technische Herausforderung bei den hohen Figuren bestehe darin, das Porzellan so aufzubauen, dass es weder bricht noch zusammensackt, erklärt die Künstlerin. „Das Porzellan ist glatt, geschmeidig und kühl. Es will mit größter Konzentration bearbeitet werden. Denn es gibt einen kritischen Zeitpunkt, an dem das Material seine Geschmeidigkeit verliert und reißt.“ Ist die Figur erstmal geformt und gebrannt, kann sie nur noch zerspringen. Die Empfindlichkeit des Materials, das gleichzeitig so beständig ist, nutzt Burandt für ihr Grundthema von Vergänglichkeit, Leben und Tod.

Die Bindung von Mutter und Kind reizte Burandt besonders. „Einerseits ist es eine sehr starke Bindung, andererseits muss man sie aber nach und nach lösen.“ Wenn die Kinder aus dem Haus sind, bleibe diese Bindung jedoch meist auf einer anderen Ebene bestehen.

Um ihre Werke auszustellen, fertigt Burandt „Schutzräume“ an. Die kleinen breiten Skulpturen setzt sie in hölzerne Kästen. Die schlanken hohen Figuren bekommen einen mit Fell ausgekleideten Gitterkäfig. Solche Behältnisse, in denen sie etwas verbirgt, benutzt Burandt auch in ihrer Malerei. Gerne verbindet die Bremerin unterschiedliche Materialien. Unter anderem näht und zeichnet sie auf die Leinwände. Als sie begann, zerlegte Kuscheltiere in ihre Arbeiten zu integrieren, fand sie darüber zu skulpturalen Arbeiten.

Gemalt hat Burandt schon von klein auf. Sie wollte Kunst studieren, entschied sich dann aber doch für den Journalismu. Irgendwann kam sie als Jounalistin an einen Punkt, an dem sie lieber selbst Kunst machen wollte als über Kunst zu schreiben. Die Journalistin suchte sich ein Atelier und begann ernsthaft zu malen. Das war vor sieben Jahren.

Arbeit im Atelier und für Yogakurse

Heute arbeitet Burandt meist vormittags und am Wochenende in ihrem Atelier. Außerdem schreibt sie und gibt Yogakurse. „Jeden Tag und ausschließlich Kunst zu machen, würde ich schwer ertragen“, sagt sie. Finanzieren muss sich Burandt über die Kunst nicht. Dennoch sieht sie es als eine Herausforderung, den eigenen künstlerischen Freiraum zu wahren und sich nicht beeinflussen zu lassen. Auch nicht, um zu verkaufen.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja“, mein Burandt, „jeder Mensch hat den Wunsch sich auszudrücken. Der eine über Autos oder Schuhe, der andere macht lieber Skulpturen.“ Die Kunst bringe uns auf andere Gedanken, als die, die unseren durchstrukturierten Alltag bestimmen.

Zu den Künstlern, die für Burandt besonders bedeutend sind, zählen die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907 bis 1954) und Louise Joséphine Bourgeois (1911 bis 2010). Die französisch-US-amerikanische Bildhauerin, ist unter anderem für ihre neun Meter hohen Spinnen-Bronzefiguren bekannt. Deren Biographie imponiert der Bremerin. Bourgeois habe lange Zeit im Schatten ihres berühmten Mannes gestanden, weiß Burandt. Erst mit 70 Jahren sei die Künstlerin selbst richtig herausgekommen. Ihre Kunst sei „morbid und schön“. Kahlo fasziniert Burandt, weil sie es schaffe, ihr Innenleben zum Gegenstand zu machen und ihm eine Allgemeingültigkeit zu geben.

Wenn Burandt jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eine Kuscheltiercollage an die Betreiber von Massentierhaltungen und die dafür verantwortlichen Politiker, beispielsweise eine Collage mit einem offenen Affenschädel oder einem gespaltenen Schweinskörper.

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