Fragezeichen im Kopf

Prozess um getöteten 15-Jährigen fortgesetzt

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Hayat G. (35, vordere Reihe von links) und Hayrettin G. (24) wurden vom Zeugen belastet, Sipan G. (16) nicht wiedererkannt. Im Hintergrund: Die Verteidiger von Hayrettin G. und Sipan G., Marco Lund (links) und Stefan Hoffmann.

Bremen - Von Steffen Koller. Drei Männer im Alter von 16, 24 und 35 Jahren sind vor dem Landgericht des gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt, in der Silvesternacht 2016/17 einen 15-jährigen syrischen Flüchtling so schwer verprügelt haben, dass er später im Krankenhaus starb. Gestern wurde die Vernehmung eines Zeugen (24) fortgesetzt, der am Freitag zwei der drei Angeklagten belastet hatte.

Wie berichtet, hatte der 24-Jährige mit mehreren Freunden ein türkisches Café in der Lüssumer Heide für eine Silvesterparty gemietet – der Ort, an dem kurz nach Mitternacht Hayat G. (35), sein Bruder Hayrettin G. (24) und der gemeinsame Neffe Sipan G. (16) den 15-Jährigen mit Faustschlägen, Fußtritten und einer halbgefüllten Whiskey-Flasche so schwer misshandelt haben sollen, dass er eine Woche später an seinen Kopfverletzungen starb. Dass Hayat und Hayrettin G. den Jungen ins Lokal verfolgt hätten, wiederholte der 24-jährige Zeuge am Mittwoch. Der Mann schilderte auch, dass Hayrettin G. ihn beim Betreten des Lokals zur Seite gestoßen habe und dem Jungen in den hinteren Bereich des Cafés hinterher gerannt sei. Was dort genau passierte, könne er nicht sagen.

Bei erster Vernehmung zu „80 Prozent gelogen“

Die türkischstämmigen Hayat und Hayrettin G. seien „aggressiv“ aufgetreten, so die Einschätzung des Zeugen, der die beiden laut eigener Aussage seit Kindertagen kennt. An Sipan G., der die deutsch-armenische Staatsbürgerschaft besitzt, könne er sich nicht erinnern.

Wie der Mann weiter aussagte, konnte er im Getümmel, das sich im Hinterzimmer – also dem Tatort – abspielte, nur wahrnehmen, dass Hayrettin G. vermutlich mit einem Gegenstand in der Hand eine ausholende Bewegung machte, bevor mehrere Zeugen dazwischen gingen. Laut Staatsanwaltschaft soll es sich bei dem Gegenstand um eine halbgefüllte Whiskey-Flasche gehandelt haben, mit der Hayrettin G. dem Jungen auf den Kopf schlug. Zwar bestätigte der Zeuge, dass man Whiskey getrunken habe, einen Schlag mit eben dieser Flasche, so seine Aussage, hat er aber nicht gesehen.

Die Verteidiger der Angeklagten hatten bereits am Freitag Kritik am Zeugen und vor allem an seinen Aussagen bei der Polizei kurz nach dem Vorfall geübt. Der 24-Jährige räumte ein, bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung zu „80 Prozent gelogen“ zu haben, weil er „so viele Fragezeichen im Kopf“ gehabt habe. „Ich wusste nicht, was passiert, ich war geschockt. Das ist ja keine kleine Sache“, sagte der Mann. Bei der Polizei hatte er angegeben, dass er Angst um seine Familie habe. „Die G.s sind eine große kurdische Familie, da bekommt man automatisch Angst“, so der Zeuge, der aber versicherte, im Vorfeld des Prozesses in keiner Weise eingeschüchtert worden zu sein.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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