Im Prozess um falsche Polizisten will es die Anklage genau wissen

Fragen zum Geständnis

Knapp 600 000 Euro stellten Ermittler auf fünf Konten des Hauptangeklagten Hikmet K. (l.) sicher. Alles stamme aus Straftaten, räumte der 30-Jährige nun ein. Foto: KOLLER

Bremen - Von Steffen Koller. Jetzt wird es konkret: Im Verfahren um falsche Polizisten hat der Hauptangeklagte Hikmet K. (30) vor dem Bremer Landgericht die ihm vorgeworfenen Betrugstaten gestanden. Achteinhalb Jahre Haft lautet das „Angebot“, sollte er umfassend aussagen – so die Verständigung zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft. Doch die Verhandlungen darüber gestalten sich schwierig, wie sich am Dienstag zeigte.

Der mutmaßliche Drahtzieher hinter der Masche „falscher Polizist“ hatte bereits vor knapp zwei Wochen ein ausführliches Geständnis zu den 17 Betrugstaten abgelegt, die ihm vorgeworfen werden. Zwar gestand der 30-Jährige türkischer Abstammung, mehr als ein Dutzend Senioren um ihr Geld betrogen und Teile davon in die eigene Tasche gesteckt zu haben, doch das war der Staatsanwaltschaft bislang nicht genug. So wurde Hikmet K. am Dienstag abermals gründlich befragt – und gab unter anderen an: Geld, das auf einem Privat- und vier Firmenkonten lagerte, sei allein durch Straftaten erlangt worden.

Insgesamt handelt es sich um knapp 600 000 Euro, die die Ermittler sicherstellten. „Entsprechende Einzahlungen“, ließ K. über einen seiner Anwälte mitteilen, „wurden von mir veranlasst.“ Allein auf seinem Privatkonto waren demnach mehr als 172 000 Euro, auf Konten mutmaßlicher Scheinfirmen – darunter Logistikunternehmen und eine Autovermietungsfirma – lagerten Beträge zwischen knapp 26 000 Euro und 186 000 Euro.

Das Geld, so K., ergebe sich aus seinem Anteil an der Beute, die die Männer in der Zeit von 2015 bis 2018 machten. Mit immer der gleichen Masche tricksten sie gutgläubige Rentner aus – und richteten allein in sechs Monaten laut Anklage etwa zwei Millionen Euro Schaden an. Nach eigenen Angaben hat K. zwischen zehn und 20 Prozent der Beute bekommen. Seine damaligen und nun ebenfalls angeklagten Komplizen sprachen zwischenzeitlich sogar von 60 Prozent, die K. und ein weiterer Drahtzieher unter sich aufgeteilt hätten. Das streitet K. aber weiterhin ab. Zu Beginn der Betrugstaten im Jahr 2015 sei er gegenüber seinen Auftraggebern aus der Türkei „deutlich untergeordnet“ gewesen – „ein kleines Rädchen“. Später habe er gewisse Freiheiten genossen.

Die Anweisungen seien zwar weiterhin von Hintermännern aus der Türkei gekommen, doch wie das ergaunerte Geld letztlich dorthin transfereiert werden sollte, sei ihm mit der Zeit überlassen worden.

Die Ausführungen der Anklage, nach denen K. seine zumeist betagten Opfer verhöhnt habe, verneinte der 30-Jährige. Er habe dem Ganzen bereits zu Beginn „kritisch gegenübergestanden“ und habe „nicht aktiv darauf hingewirkt“, hieß es über seinen Verteidiger. „Das waren derbe Zeiten – und eine derbe Sprache.“ Sein Mandant denke heute anders und bedaure es mittlerweile. Abgehörte Telefonate und Innenraumüberwachungen würden beweisen, dass K. seine Opfer sehr wohl verhöhnte, so die Anklagevertretung.

Und wie geht es nun weiter? In Sachen Verständigung sei man auf „einem guten Weg“, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Kelle. Ob Gericht und Staatsanwaltschaft weiterhin Zweifel am umfassenden Geständnis von K. haben, wird sich zeigen. Knapp 30 Verhandlungstage sind bis Ende Februar 2020 angesetzt.

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